Als Blindenreporter im Einsatz: Andreas Schlisske (links) und Karl Elbl.
Unsere Blindenreporter im Holstein-Stadion machen die Heimspiele der Störche zu einem besonderen Erlebnis auch für diejenigen, die das Spielgeschehen nicht mit eigenen Augen sehen können. Wir haben sie beim Heimspiel der Störche gegen den VfB Stuttgart begleitet.
Der Aktionsspieltag „Together“ der Deutschen Fußball Liga (DFL) richtet den Fokus auf inklusive Aktionen und Kooperationen aller Profivereine des Landes. Ein langjähriges Inlusionsprojekt sind dabei Blindenreporter in Fußballstadien. Für Menschen, die sehbeeinträchtigt oder blind sind, haben die Blindenreporter eine große Bedeutung, schließlich wird das Geschehen auf dem Platz durch sie auch ohne Augenlicht erlebbar. Bei unserer KSV Holstein sind Andreas Schlisske und Karl Elbl als Blindenreporter im Einsatz.
„Machino wirft den Ball von der rechten Bahn in Höhe des Strafraums ein. Am Fünfmeterraum wird der Ball verlängert und landet bei Skrzybski und … Tooor! Aus acht Metern schiebt Skrzybski von halblinks ein und trifft zum Ausgleich!“ So klingt der Livekommentar, den Nutzer des Blindenradios hören. Per App können Fans, egal ob live im Stadion oder von zuhause aus, auf diese Weise die Spiele der Störche erleben. Der Kommentar ist dabei live und beschreibt den Spielverlauf exakt.


„Der große Unterschied ist, dass wir uns bemühen müssen, das Spielgeschehen genau zu verorten. Da reicht es nicht, zu sagen, Spieler X spielt zu Spieler Y“, erklärt Schlisske. Begriffe wie „linke“ oder „halblinke“ Bahn werden genutzt, damit jeder das Spielgeschehen verfolgen kann. Die Reporter beschreiben 90 Minuten lang das Treiben auf dem Platz, anders als Kommentatoren im Fernsehen, die zwischendurch auch mal das Spielgeschehen für sich sprechen lassen – viel zu tun also. Deshalb sind stets zwei von ihnen im Einsatz, gegen den VfB bilden Andreas Schlisske und Karl Elbl ein Duo und wechseln sich mit dem Kommentieren ab.
Zehn Jahre Blindenreporter bei der KSV
„Ich bin seit Anfang dabei“, sagt Schlisske, der hauptberuflich als Jurist tätig ist. Seit 2015 gibt es Blindenreporter im Holstein-Stadion. Lange Jahre berichtete er mit Albrecht von Fertl aus dem Holstein-Stadion: „Wir haben uns selbst das A-Team getauft, wegen unserer Vornamen.“ Seit 2022 ist Elbl nun ebenfalls Teil des siebenköpfigen Blindenreporter-Teams. Die Ehrenamtler agieren an den Spieltagen stets als Duo in verschiedenen Kombinationen. Eins vereint sie dabei alle: Die Liebe zum Fußball. Leidenschaftlich und emotional werden so die Heimspiele unserer Störche zum eindrucksvollen Erlebnis. Schlisske und Elbl sind seit Jahren eingefleischte Holstein-Fans: „Das Holstein-Stadion kenne ich noch aus den Zeiten, in denen dort noch Schulsport auf der Aschenbahn gemacht wurde“, erinnert sich Schlisske.
Doch nicht nur die Liebe zum Sport treibt sie an. „Es geht mir um Teilhabe“, macht Elbl, der jahrzehntelange Erfahrung als Pädagoge und Rehabilitationslehrer mitbringt, deutlich. „Uns geht es darum, auch Menschen, die gar nicht oder nur eingeschränkt sehen können, ein tolles und möglichst umfassendes Stadionerlebnis zu ermöglichen“, erklärt der 69-Jährige. Hierzu gehört es auch, sowohl das Spielgeschehen als auch Details drumherum zu beschreiben. Deshalb bereiten sich beide intensiv vor, beschäftigen sich mit der Historie des Gegnerteams und dessen sportlicher Situation. Vor dem Einsatz als Blindenreporter steht eine professionelle Schulung durch die DFL an, alle Reporter kommen zudem jedes Jahr zu einer Fortbildung zusammen. Bei jedem Heimspiel von Holstein Kiel sind sie im Einsatz und ermöglichen so allen Fans, die besondere Atmosphäre und das Spielgeschehen auf dem Platz durch ihre Augen zu sehen.