„Ummantelt“ in Großzügigkeit

Der April-Stammtisch am 25. April im Holsteiner bot nicht nur Neu-Mitgliedern die Möglichkeit, sich vorzustellen und Spielern und Trainer die Chance, aus dem Nähkästchen zu plaudern, sondern auch Alt-Holsteiner Dieter Schmiedel eine Bühne für sein ergreifendes Anliegen.

Begleitet von frühlingshaften Leckereien und erfrischenden Getränken führte Wolfgang Schwenke durch den Abend, der zunächst eine Reihe von Neu-Mitgliedern in den Kreis des regionalen Netzwerks einführte, das damit auf stolze 323 Unterstützer wachsen konnte.

Darunter unter anderem Christian Sindt von Otto Stöben, der „als alter Holstein-Fan ein bisschen schöne Zeit mit den Störcheclub-Mitgliedern“ verbringen möchte und Micha Dehner, ebenfalls beim Immobilienmakler tätig, der selbst bei Holstein kickte, „aber wir haben noch da trainiert, wo viele heute parken. Super schön, die Entwicklung mitzuerleben.“ Auch der Holzhändler Fries und das international aufgestellte IT-Unternehmen Blitzeyes GmbH stellten sich vor und freuten sich auf „das gemeinsame Miteinander“.

Im Anschluss kamen die sportlichen Gäste Trainer Tim Walter, der vom 1.FC Köln geliehene Neuzugang Yann Aurel Bisseck und Atakan Karazor zu Wort. Rückblickend auf die knappe Heim-Niederlage gegen den SC Paderborn befand Tim Walter: „Es ist großartig, dass meine Mannschaft immer zurückkommt. Ich kann nur lachen, wenn die Jungs dafür kritisiert werden, nicht ihr Bestes zu geben. Sie geben immer alles, die Erwartungshaltung ist einfach gestiegen. Klar sollen wir immer gewinnen, aber die Gegner stellen sich inzwischen auf uns ein.“ Er zeigte sich begeistert von der Dominanz und Souveränität, die seine Mannschaft beim Training zeigt und blickte in die Zukunft: „Wir müssen konsequenter werden in der ganzen Sache. Aber wir geben erst auf, wenn auch rechnerisch nichts mehr möglich ist.“

Dem stimmte auch Neuzugang Yann Aurel Bisseck zu, der es „als Frischfleisch“ „ganz cool“ in Kiel findet – auch wenn er sich an die Stadt „noch gewöhnen“ müsste: „Kiel ist halt nicht Köln. Hier kann man sich gut auf den Fußball konzentrieren“, grinste der 18-Jährige. Mit der jungen Mannschaft käme er gut klar, besonders der ihm bereits bekannte Noah Awuku hätte ihm den Einstieg erleichtert. Bei der U17-WM in Indien bestritten die beiden unter anderem das Viertelfinale gegen Brasilien zusammen. „Ich bin froh, mich hier entwickeln zu dürfen und schon ein paar Minuten Bundesliga-Luft geschnuppert zu haben. An das System habe ich mich inzwischen gewöhnt, nach der Sommervorbereitung hoffe ich auf mehr Spielzeit“, blickte er optimistisch auf die kommende Saison.

Der gesperrte Atakan Karazor zeigte sich hingegen enttäuscht, „der Mannschaft in so einer Situation nicht helfen zu können. Aber ich denke, das schaffen die auch ohne mich. Ich versuche trotzdem, im Training die Spannung zu halten.“ Selbst werde er die Partei zu Hause vor dem Fernseher schauen – und die freie Zeit eventuell für E-Sports nutzen: „In der Mannschaft gelte ich als Endgegner in Fifa, vielleicht wird das in der Zukunft doch noch was“, schmunzelte der Mittelfeldspieler.

Anschließend erhielt Dieter Schmiedel, Holstein-Spieler in den 60ern und seit seinem achten Lebensjahr eng mit dem Verein verbunden („Holstein ist mein Leben“), seinen Platz auf der Bühne – mit einer ergreifenden Bitte. Als Vorstand des Fördervereins für Palliativmedizin Kiel e.V., inzwischen eines der größten sozialen Projekte Deutschlands, bittet er um finanzielle Unterstützung der Holstein-Sponsoren. Denn: Um totkranken Menschen einen würdevollen und angenehmen Abschied aus der Welt zu ermöglichen, ist eine herausragende medizinische Versorgung essentiell. Zum Konzept gehört, körperliche Beschwerden zu lindern und seelische Bedürfnisse zu stillen, palliativ nach der ursprünglichen Bedeutung des Wortes den Menschen zu „ummanteln“. Auf eine verständnisvolle und warme Art und Weise – in einer Station, die wie ein 5-Sterne-Hotel eingerichtet ist, in der die Patienten in Musik-, Kunst- und Aromatherapien behandelt werden und auch die Angehörigen in ihrer Trauer begleitet werden. Mit einem Palliativnetzwerk, Kooperationen und Fortbildungen – alles ausschließlich über Spendengelder finanziert. „Wir haben viele Leute und ehrenamtliche Mitarbeiter gefunden, die uns geholfen haben, das aufzubauen“, so Dieter Schmiedel, „das ist die Menschlichkeit, die uns immer noch fehlt.“ Trotzdem ist die Station nicht in der Lage, alle Patienten zu versorgen und muss immer wieder Anfragen verweigern, weil die 24 Betten belegt sind: „Das habe ich mir vorgenommen, in den nächsten zwei Jahren zu ändern.“ Dafür benötigt er Geld – eine Menge. „Es wäre wunderbar von Holstein Kiel und seinen Sponsoren, uns zu unterstützen. Wenn ich sagen kann, mein Holstein Kiel hat das Projekt vorangetrieben, dann bin ich überglücklich. Sollte je jemand in Not sein, wir helfen.“ Aber damit wollte sich der 77-jährige Friseur-Weltmeister nicht verabschieden, sondern ließ seine lange Lebenserfahrung sprechen: „Seid lustig, es ist schön zu leben.“ Dieses Motto wurde den restlichen Abend dann auch gelebt.

Dieses Leben wertzuschätzen und etwas zurückzugeben – alle Informationen zu dem Förderverein und Möglichkeiten über finanzielles und ideelles Engagement unter folgenden Links:

 

https://www.fvp-kiel.de

https://www.palliativnetz-kiel.de

 

 

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