Noah Awuku beim FIFA-U17-World-Cup in Indien

Das Tagebuch des Kieler Storchs

Als erster Spieler der KSV Holstein ist Noah Awuku bei einer Junioren-Weltmeisterschaft dabei. Seit dem 30. September ist er mit den DFB-Junioren beim FIFA-World-Cup 2017 in Indien und berichtet in seinem Tagebuch von seinen Erlebnissen.

Sonntag, 15. Oktober
Fokus auf Kolumbien
Es ist Halbzeit in Indien, seit 14 tagen sind wir jetzt hier und blicken zum einen zurück, aber auch nach vorne. ich erinnere mich gerne an die geile Stimmung in Kochi nach Abpfiff zurück. So wollen wir auch morgen nach dem Achtelfinale gegen Kolumbien feiern. Das Abschlusstraining verläuft gut und wir sagen uns: Deutschland ist als Turniermannschaft bekannt. Vielleicht gilt das auch ein bisschen für uns. Die Vorfreude ist riesig, immerhin werden 30.000 Zuschauer erwartet.

Samstag, 14. Oktober
Ab nach Delhi
Ausschlafen ist auch heute nicht, es geht gleich am Morgen in den Flieger von Kochi nach Delhi. Drei Stunden sind wir sicher gelandet, auch wenn ich zwischendurch nicht immer das Gefühl hatte. Fliegen ist einfach nix für mich. Nach der Ankunft wird noch einmal locker aktiviert, bevor morgen die Anspannung wieder steigen wird. Denn am Montag wartet Kolumbien, ein Gegner aus Südamerika, der ein rassiges Achtelfinale verspricht.

Freitag, 13. Oktober
JAAAA!
Nach der Aktivierung auf das entscheidende Spiel am Morgen geht es mit dem Mannschaftsbus ins Stadion. Nach der Ankunft ist es noch ruhig, aber zum Anpfiff sind 10.000 Fans da, und machen eine höllische Stimmung. Ich stehe zwar nicht auf dem Rasen, aber wir draußen fiebern derart mit, als ob wir am liebsten sofort alle auf den Platz rennen würden. Beim 1:0, 2:1 und 3:1 gibt es kein Halten mehr. Geschafft! Indien, wir bleiben noch ein bisschen ...

Donnerstag, 12. Oktober
Alle wollen ins Achtelfinale
Die Stimmung ist weiter super im Team. Heute Vormittag haben wir uns das Stadion angeschaut. Wir sind alle heiß auf morgen und wollen schnell den Einzug in Achtelfinale klarmachen. Im Abschlusstraining haben sich alle wieder voll reingehängt und schon gezeigt, was wir uns für morgen vorgenommen haben: robust auftreten und gleich zeigen, dass gegen uns nichts zu holen sein wird. Abends gibt es keine Mannschaftssitzung, stattdessen spielen wir "Tabu" gegen das Trainerteam. Natürlich gewinnen wir Spieler!

Mittwoch, 11. Oktober
Regeneration und Umzug
Ich habe über Nacht viele "Kopf hoch, Ihr schafft das"-Mitteilungen aus Deutschland erhalten. Das tut gut - genau so wie die Regeneration und Aufarbeitung vom gestrigen Spiel. Heute heißt es umziehen, von Goa geht es nach Kochi. Ein bisschen mehr Stadtgefühl als ländliche Abgeschiedenheit. Auch hier sind die Bedingungen gut, es ist weiter heiß, aber die Luftfeuchtigkeit nicht ganz so hoch. Schon in zwei Tagen steht das nächste und entscheidende WM-Gruppenspiel bevor.

Dienstag, 10. Oktober
Puh!
Der Tag verläuft eigentlich wie geplant. Im Mannschaftsbus zum Stadion ist die Stimmung sehr konzentriert. Allen ist klar, wir wollen heute den zweiten Sieg im zweiten Spiel einfahren. Ich stehe über die vollen 90 Minuten auf dem Platz, aber es läuft irgendwie nichts zusammen. Der Iran ist aggressiver und wir verlieren sehr bitter mit 0:4. Wir sind alle enttäuscht, setzen uns aber noch am Abend zusammen, um die richtigen Lehren daraus zu ziehen und das Spiel abzuhaken. 

DFB-U17-Trainer Christian Wück zum 0:4 gegen den Iran

„Wir alle waren sehr enttäuscht und verärgert, dass uns in einem solchen Stadium, das wir uns von der EM-Quali über die EURO bis hin zur WM hart erarbeitet haben, so etwas passieren konnte. Damit hatte niemand gerechnet. Nichtsdestotrotz liegt es weiterhin alleine an uns, ob wir uns für das Achtelfinale qualifizieren. Deswegen saßen wir auch gestern Abend noch im Teamquartier mit den Jungs zusammen, um ganz schnell die richtigen Lehren aus dieser Niederlage zu ziehen.“

Die DFB-U17 im Kinderdorf in Goa © DFB

Montag, 9. Oktober
Die Spannung steigt wieder
Morgen geht's endlich weiter, der Iran wartet im zweiten Gruppenspiel. Das merke ich auch am WhatsApp-Kontakt nach Deutschland. Ich bekomme wieder vermehrt Grüße und Nachrichten. Alle wünschen uns Glück und Erfolg für morgen. Heute hatten wir tagsüber etwas mehr Freizeit, waren dann alle nachmittags zur Aktivierung im Pool bevor abends das Abschlusstraining stattfand. Es war eine sehr gute Einheit, wir sind alle heiß auf morgen – und das nicht nur wegen der Temperaturen hier.

Sonntag 8. Oktober
Regeneration und Kultur
Tag eins nach dem Auftaktsieg. Heute steht Regeneration und Kultur auf dem Programm: Wir besuchen das Kinderdorf „Agnel Ashramâ“ in Goa. Eine willkommene Abwechslung und spannende Erfahrung. Jeder von uns bekam eine Blumenkette als Glücksbringer für das weitere Turnier geschenkt. Wir haben Bälle und Shirts mitgebracht. Später haben wir mit den Kindern auf einem Ascheplatz Fußball gespielt.

Noah Awuku nach dem 2:1-Auftaktsieg über Costa Rica

„Wir freuen uns sehr über unseren ersten Sieg bei dieser WM. Wir hatten viele Chancen und hätten das Spiel früher für uns entscheiden müssen. Auf dem Platz war es bei der Hitze extrem anstrengend. Dass wir am Ende noch die Kraft hatten, das 2:1 zu erzielen, ist sehr wichtig gewesen. Der Sieg war auch für Kilian, der sich leider verletzt hat.“

Siegtorschütze Noah Awuku © DFB

Samstag, 7. Oktober
Der Wahnsinn
Keine Schule, keine Behandlung, heute ist es endlich so weit. Es geht los! Aktivierung, Besprechung, ab in den Bus und um 17 Uhr ist Anstoß gegen Costa Rica. Es läuft super für mich und ich schieße in der 89. Minute das wichtige 2:1. Nach dem Spiel sind wir alle mega happy, aber auch ziemlich alle. Auf dem Platz war es bei der Hitze extrem anstrengend, aber alle haben sich voll reingehauen und so hatten wir am Ende noch die Kraft für den Sieg. Gut so!

Freitag, 6. Oktober
Noch ein Tag
Hatten wir bisher immer zwischendurch kleinere Besprechungen mit den Trainern, gibt es heute die erste größere Besprechung mit der gesamten Mannschaft. Thema ist natürlich der Auftakt gegen Costa Rica morgen. Christian Wück gibt schon einmal den Plan vor. Das erste Ziel heißt Gruppensieg. Fehlen wird dabei leider Kilian Ludewig, der sich gestern am Knie verletzt hat.

© FIFA

Donnerstag, 5. Oktober
Auf lange Hose machen
Neben der Hitze und dem vielen Trinken müssen wir übrigens noch auf etwas Anderes achten: Wir sollen möglichst viel Haut bedecken, da hier in Goa erhöhtes Moskitorisiko besteht. Daher laufen wir bei 35 Grad trotzdem in langen Hosen rum. Aber auch daran gewöhnt man sich.

Mittwoch, 4. Oktober
Landestypisch
Wir probieren mal etwas Neues und beginnen den Tag mit ein bisschen Yoga, um auch von der indischen die Kultur etwas mitzunehmen. Auch das ist natürlich schweißtreibend. Die Intensität im Nachmittagstraining ist wieder hoch. Wir trainieren übrigens stets auf verschiedenen Plätzen in Goa. Das wird durch die FIFA jeweils zugeteilt, damit jedes Team aus der Gruppe die gleichen Bedingungen hat. 

Das sagt sein Holstein-U19-Trainer Finn Jaensch

„Wir sind stolz darauf, dass Noah bei der WM dabei sein darf und damit zu den 21 besten Spielern seines Jahrgangs gehört. Die ganze Mannschaft drückt ihm die Daumen. Ich habe das Spiel gegen Costa Rica live im TV gesehen und mich am Ende riesig über seinen Treffer gefreut. Auch während der WM schreiben wir ab und zu per WhatsApp. Es scheint ihm dort richtig gut zu gehen. Allenfalls die hohen Temperaturen sind gewöhnungsbedürftig.“

Yoga unter Palmen © DFB

Dienstag, 3. Oktober
Feuchtigkeit und Wasser
Trinken, trinken, trinken – auch heute wieder. Die Luftfeuchtigkeit ist wirklich heftig und liegt bei unglaublichen 100 Prozent. Aber damit haben auch die anderen Teams zu kämpfen. Wir sind jetzt im Rhythmus und die spielfreien Tage verlaufen ab sofort ähnlich: Frühstück um 9 Uhr, danach Schule und Behandlung. Um 13 Uhr gibt’s Mittagessen und etwas Freizeit bis zum Training. Um 19 Uhr wartet das Abendessen. Wir können das erste Gruppenspiel kaum noch erwarten.

Montag, 2. Oktober
Voller Vorfreude
Das bisschen Müdigkeit ist heute schon weg und man merkt, dass die Vorfreude steigt. Der Teamgeist ist wie bei der EM im Mai in Kroatien super und heute trainieren wir erstmals auf Rasen in einem Stadion. Doch davor gibt’s es erstmal Schule. In zwei Gruppen wird knapp zwei Stunden gelernt und nach dem Mittagessen ist endlich wieder der Ball am Fuß. Auf der Tribüne unter Palmen sitzen viele Zuschauer und wir haben eine gute Einheit.

Abflug der U17-Nationalmannschaft des DFB © DFB

Sonntag, 1. Oktober
Akklimatisieren
Viel geschlafen haben wir nicht. Der erste Tag bedeutet Eingewöhnung. An die 3:30 Stunden Zeitunterschied, aber vor allem ans Klima. Es ist verdammt heiß und verdammt schwül hier. Nach dem Frühstück um 9 Uhr gehen wir joggen im Sand am Strand, dann machen wir Kräftigungsübungen vor Palmen und spielen später Fußballtennis. Alles noch recht locker und mit viel Freude. Aber die Einheiten werden anstrengender, da bin ich mir sicher. Noch sechs Tage Zeit bis zum ersten Spiel …

Samstag, 30. September
Das Abenteuer beginnt
7.000 Kilometer in 15 Stunden – exakt um 11.10 Uhr geht für mich die Reise nach Indien mit der U17-Nationalmannschaft los. Mit Qatar-Airways-Flug QR 070 geht es zunächst von Frankfurt am Main nach Doha (Katar), dann weiter mit QR522 ins indische Goa. Um 3 Uhr Ortszeit (23.30 Uhr in Deutschland) landen wir, dann geht's noch mit dem Bus weiter. Nach zwei Stunden sind wir im Teamhotel und es geht ins Bett.

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