Als „wahre Kieler Sprotten“ bezeichnen sich Stephan und Britta Stahl. Das Ehepaar kommt nicht nur gebürtig aus Kiel und verbringt schon sein ganzes Leben an der Ostseeküste, sondern ist mittlerweile auch seit mehreren Jahren als Teambetreuer-Duo bei unserer U23 im Einsatz. Stephan arbeitet hauptberuflich im Groß- und Außenhandel und ist zusätzlich bei Holsteins U23-Mannschaft angestellt. Seine Frau Britta ist unter der Woche als Bäckerei-Fachverkäuferin tätig und unterstützt darüber hinaus fleißig unsere Jungstörche.
Durch ihre beiden Söhne, die mittlerweile 29 und 32 Jahre alt sind, hat der Fußball schon früh den Alltag von Familie Stahl bestimmt. Mittlerweile sehen die beiden ihre Aufgaben als Teambetreuer eher als gemeinsames Hobby, wie sie uns im Interview erzählt haben.
Moin ihr beiden, viele können es sich vermutlich gar nicht richtig vorstellen, was zu euren Aufgaben als Teambetreuer zählt. Erzählt gerne einmal!
Stephan: „Das sind so viele kleine Dinge, die kann man gar nicht alle aufzählen. Aber zusammengefasst kümmern wir uns um Materialien wie Bälle, Trikots und Co sowie einen reibungslosen Ablauf am Spieltag. Dazu gehört, im Vorfelde alles einzukaufen, zu waschen und zu sortieren. Für Auswärtsfahrten muss alles gepackt und geplant werden. Ein großer Punkt ist natürlich auch die Verpflegung der Mannschaft vor und nach den Spielen.“
Britta: „Neben den organisatorischen Dingen ist aber ein ganz wesentlicher Teil auch der Austausch mit den Spielern. Wir sind ein bisschen wie Mama und Papa für die Mannschaft. Jeder kann immer zu uns kommen, auch mit Themen, die mal nichts mit dem Fußball zu tun haben.“









Das heißt, dass ihr immer ein offenes Ohr für die Mannschaft habt, vermutlich besonders in sportlich schwierigen Zeiten so wie aktuell?
Britta: „Auf jeden Fall. Besonders bei verletzten Spielern finde ich es wichtig, die Jungs aufzubauen und sie auf ihrem Weg zu begleiten. Ich glaube, das braucht jeder, auch wenn er nicht jedes Wochenende auf dem Platz stehen kann.”
Stephan: „Natürlich geht es bei Holstein viel um den Fußball und die sportlichen Leistungen, aber es ist wichtig, auch mal über private Themen zu sprechen – auch dafür sind wir da.“
Seit wann arbeitet ihr schon als Teambetreuer der U23 und wie seid ihr damals dazu gekommen?
Stephan: „Los ging es im Jahr 2011. Damals hat unser Sohn in der C-Jugend bei Holstein Kiel angefangen und wir sind erstmals näher mit dem Verein in Kontakt gekommen. Ein Jahr später fehlte in der U16-Mannschaft ein Teambetreuer und der damalige Co-Trainer, mit dem ich ein sehr gutes Verhältnis hatte, fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, den Posten zu übernehmen. Zugesagt habe ich erst einmal für ein Jahr, mittlerweile sind es schon 13. In der Saison darauf wurde ich dann zum Teambetreuer in der U19 und wollte nach drei Jahren eigentlich aufhören. Allerdings klingelte kurze Zeit später mein Telefon. Ole Werner, der damals noch Holsteins U23 trainierte, war dran und bat mich, an einem Spieltag auszuhelfen … so ging die Geschichte weiter.“
Britta: „Zu diesem Zeitpunkt haben wir aber gesagt, dass wir an den Wochenenden wieder mehr Zeit miteinander verbringen wollten. Die Kinder waren aus dem Haus, sodass ich viel alleine gewesen wäre. Deshalb haben wir gefragt, ob ich nicht miteinsteigen könnte. Das war damals gar kein Problem und seitdem machen wir den Job als Team. Es ist wie ein gemeinsames Hobby für uns.“
Es ist sicherlich auch eine Seltenheit, diesen Job als Ehepaar gemeinsam auszuüben, aber für euch funktioniert es gut?
Stephan: „Wir haben im Laufe der Jahre schon einige Vereine kennengelernt, aber bisher war es nirgendwo anders der Fall. Es gab mal ein Gespann aus Mutter und Sohn, aber ein Ehepaar als Teambetreuer kenne ich außer uns nicht.“
Britta: „Das kommt sicherlich auch daher, dass es insgesamt weniger Frauen gibt, die als Teambetreuerinnen aktiv sind. Aber für uns funktioniert es gemeinsam hervorragend. Wir haben immer viel Freude an den Spieltagen und mit der Mannschaft. Insgesamt ergänzen wir uns in diesem Job sehr gut.“
Habt ihr eine klare Aufgabenverteilung untereinander?
Britta: „Stephan geht gerne Einkaufen vor den Spielen und kümmert sich um das Abgleichen der Trikots mit den Schiedsrichtern. Dadurch, dass ich ihn als ehrenamtlich bei seinem Nebenjob unterstützte, liegt natürlich mehr Verantwortung bei ihm. Ich helfe ihm, wo ich kann.“
Stephan: „Grundsätzlich weiß jeder, was zu tun ist. Wir ergänzen uns wirklich gut. Als erstes muss immer Kaffee gekocht werden, sonst läuft gar nichts!“
Was mögt ihr besonders gerne am Job des Teambetreuers?
Stephan: „Hauptsächlich mag ich den Umgang mit den Jungs. Die Mannschaften halten uns immer auf Trab und dadurch auch jung. Holstein war mal eine große Familie, das ist durch das große Wachstum des Vereins natürlich nicht mehr so möglich wie früher, was aber auch völlig verständlich und in Ordnung ist. Nichtsdestotrotz haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, diese familiäre Art und Weise innerhalb der U23 weiterzuleben.“
Britta: „Mir gefällt es besonders, dass wir als Teambetreuer aktiv bleiben und uns gebraucht fühlen. In den letzten Jahren haben wir zum Beispiel durch Mannschaftsabende und Teamaktivitäten auch viel abseits des Platzes erlebt. Wir waren beim Fußballgolf, Wasserski und Bootsbau. Unsere Kinder sagen immer, dass sie es toll finden, was wir in unserem Alter noch alles freiwillig und so leidenschaftlich machen.“








Wie ist es für euch, jede Saison neue Spieler kennenzulernen?
Beide: Cool! (lachen)
Britta: „Da sind wir uns beide einig. Es ist immer wieder interessant, neue Charaktere kennenzulernen, teilweise sogar mit unterschiedlichen Sprachen. Man ist auch stolz auf die Jungs und die Beziehung, die man zueinander aufgebaut hat.“
Stephan: „Mittlerweile sind ehemalige Spieler, die wir begleitet haben, deutschlandweit verteilt. Teilweise haben wir noch sehr guten Kontakt und statten auch bei Spielen mal Besuche ab. Es ist immer wieder interessant und schön, so viele neue Jungs kennenzulernen.“
Gab es für euch in den vergangenen Jahren ein richtiges Highlight?
Stephan: „Das war definitiv das Trainingslager in Kanada. Aber auch an den Aufstieg in die Regionalliga vor sieben Jahren mit Ole Werner denke ich sehr gerne zurück. Das waren für mich die schönsten Momente.“
Britta: „Das Trainingslager in Kanada war eine ganz besondere Reise und auf jeden Fall mein persönliches Highlight. Da hat man die Jungs von vorneherein ganz anders kennengelernt. Wie sie ticken, was sie brauchen, wer Frühaufsteher ist, was sie gerne essen und noch Vieles mehr. Das hilft uns als Betreuern natürlich ungemein.“





Gruppenfotos & Impressionen aus dem U23-Trainingslager in Kanada im Sommer 2023
Was zeichnet den Verein Holstein Kiel für euch aus?
Stephan: „Es ist immer noch sehr familiär. Der positive Umgang mit Jugendlichen und die stetige Weiterentwicklung im Nachwuchsbereich machen Holstein für mich persönlich aus. Was hier in den letzten Jahren für Trainingsmöglichkeiten geschaffen wurden, ist beeindruckend.“
Britta: „Ich glaube, dass der enge Kontakt zur Liga noch etwas ganz Besonderes ist. In anderen Vereinen ist der Kontakt zu den Profis teilweise gar nicht mehr möglich, das ist bei Holstein alles noch sehr eng verzahnt.“
Vielen Dank für das Interview und eure Zeit!