1950 – Tribüne steht, Linken geht, Schalke wankt

Zu einem Meilenstein in der Geschichte der KSV Holstein gehörte ohne Zweifel der 28. Juni 1950. Zwei Ereignisse waren es, die dem Tag prägten, zwei Ereignisse, von denen jedes in der Historie des Traditionsvereins eingemeißelt bleiben wird:

Die Einweihung der neuen Tribüne und der Abschied des Spielers Franz Linken aus der Liga-Mannschaft der Störche. So wusste es auch die Vereinszeitung der Kieler Sportvereinigung von 1900 im August 1950 zu berichten:
Das Werk ist vollendet! Was unmöglich schien, ist wahr geworden. Am Tage des Frühlingsanfanges wurde der Grundstein gelegt, genau ein Vierteljahr und eine Woche später reckt der Bau seine Arme in die Höhe und krönt damit das stolze Werk des Wiederaufbaus des Holsteinplatzes aus einem trostlosen Trümmerhaufen zu einer sportlichen Anlage, die in ihrer Fassungskraft wohl, aber in ihrer Schönheit nur schwer von ihresgleichen übertroffen werden kann. Über die bitterharten Spuren des Weltkrieges hinweg fand Karl Friese den Mut zur Wiedererstellung der Rasenfläche, seine Wiederaufbauarbeit wurde weitergeführt von Ernst Föge mit der Wiederherrichtung und Vervollkommnung der Stehterassen, das Werk wurde vollendet durch Hermann Langneß mit dem Neubau der Tribüne. Das sind die drei Etappen, die den Wiederaufbau des Holsteinplatzes abzeichnen, und das sind die Namen der drei Männer, deren Arm stark genug war, über alle Schwierigkeiten der Zeit hinweg an das schier unerreichbar scheinende Ziel zu gelangen. Wir wissen ihre Tatkraft zu würdigen und danken wärmstens von dieser Stelle aus im Sinne aller Holsteiner!

Die Übergabe und anschließende Übernahme der Tribüne am Abend des 28. Juni gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Feier, in deren Akkord eigentlich alles stimmungsvoll hineinklang, was damit zusammenhing. Dazu gehörten die gutbesetzten Staffelläufe am Anfang und in der Pause des Spiels, dazu gehörten die Ansprachen, dazu gehörte die anschließende Ehrung Franz Linkens, dazu gehörte das mitreißende Spiel gegen die königsblauen Schalker unter der Führung von Fritz Czepan und an seinem Abschluß das Kunstfahren der Motorräder, dazu gehörte die vollbesetzte Tribüne und nicht zuletzt der wunderherrliche Sommerabend selbst.

Wir alle, die wir Holsteiner sind, sind stolz auf diesen herrlichen Bau, sehr stolz! Wo und wer ist derjenige, der Hermann Langneß für unbescheiden halten wollte, wenn er über unsern allgemeinen hinweg noch ein Stück, und sei es dazu noch gar nicht einmal ein so kleines, besonderen Stolz für sich alleine in Anspruch nehmen möchte! Der 28. Juni 1950 war und wurde als Tag der Tribüneneinweihung sein Tag, und wir alle beglückwünschen ihn dazu aufs herzlichste.

Das Spiel gegen den FC Schalke 04 war aber auch der Abschied von dem vielleicht besten Holstein-Spieler der Vereinsgeschichte. Von 1936 bis 1950 hat Franz Linken so gut wie ununterbrochen in Holsteins Liga gestanden, die letzten Jahre als ihr Spielführer. Und dann kamen die Schalker Knappen nach Kiel. Sieben Jahre zuvor hatten die Störche die legendäre Mannschaft aus dem Ruhrpott im Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft – mit Spielern wie Ottmar Walter, Werner Basler, Leo Möschel und eben jenem Franz Linken – mit 4:1 vom Holsteinplatz gefegt. 18.000 Zuschauer feierten damals inmitten der Kieler Ruinen den historischen Erfolg gegen den Serienmeister des deutschen Fußballs.

Und die von restlosem Kampfgeist und letzter Einsatzfreudigkeit getragene Holstein-Elf erzielte gegen die ideenreichen Schalker ein hochverdientes 2:2-Unentschieden. Der Umstand, dass Linken einen blitzsauberen Torschuß nicht im Knappen-Gehäuse unterbringen und damit seiner aktiven Laufbahn einen letzten sichtbaren Erfolg bringen konnte, tat dem unvergesslichen Sommerabend und der Stimmung der über 20.000 Zuschauer kaum Abbruch.