1911 bis 1943 – Ursprung und Ausbau

Bereits am 15. Oktober 1911 wurde das Holstein-Stadion vom damaligen FV Holstein, der sich gerade auf dem Höhepunkt seines sportlichen Erfolges befand, nach nur fünf Monaten Bauzeit mit einem Freundschaftsspiel gegen Preußen Berlin eingeweiht.

Seinerzeit war die im boomenden Norden Kiels gelegene Arena noch ein Glücksfall für die Störche gewesen. Vor allem die rund 200 Plätze bietende hölzerne Tribüne hatte ihnen zahlreiche neue Fans zugeführt. Nicht irgendwelche, sondern vor allem die „Lackschuhträger“ – also die wohlhabende und einflussreiche Einwohnerschaft der Stadt. Dadurch war dem Verein eine erheblich bessere Grundlage für seine wirtschaftliche Entwicklung gegeben worden. Das spiegelte sich rasch auch auf dem Holstein-Platz wider, denn dem noch durch Darlehen und unverzinsliche Schuldscheine finanzierten Hauptplatz konnte zwei Jahre später aus eigenen Mitteln ein unterhalb des A-Platzes gelegenes Gelände hinzu gepachtet werden, auf dem ein zweiter Sportplatz entstand – wichtig vor allem für die Nachwuchsarbeit der Störche.

Holsteins Fusionspartner 1. KFV hatte übrigens ein regelrechtes Nomadenleben geführt. Zunächst hatten die Schwarz-Grünen auf einer Wiese an der Ecke Eckernförder Allee/Hohenzollernring gekickt, ehe sie auf den Großen Exerzierplatz wechselten, dessen Nutzungserlaubnis ihnen jedoch 1903 entzogen wurde. Übergangsweise musste der KFV daraufhin auf einem als „kärglich“ bezeichneten Platz an der Eichhofstraße spielen, ehe man auf den Großen Exerzierplatz zurückkehren konnte. Nach Einweihung des Städtischen Sport- und Spielplatzes im September 1907 fand der KFV schließlich ebenso wie der FV Holstein an der Eckernförder Chaussee seine neue Heimat. Ab 1912 kamen dann allerdings angesichts der beengten Verhältnisse auf dem Städtischen Platz, der mit zahlreichen Vereinen geteilt werden musste, auch im KFV Bestrebungen zum Bau eines eigenen Platzes auf, und im April 1914 konnte gegenüber des Städtischen Platzes an der Ecke Mühlenweg/Kronshagener Weg tatsächlich der erste Spatenstich für den KFV-Sportplatz vollzogen werden. Die Schwarz-Grünen hatten jedoch Pech, denn die für August 1914 vorgesehene Eröffnung fiel dem Krieg zum Opfer und musste am 6. September 1914 in einer Art „Notfeier“ nachgeholt werden. Nach der Fusion mit Holstein wurde der Platz im März 1918 an den KMTV von 1844 abgetreten.

Zurück zum Holstein-Platz, für den nach Ende des 1. Weltkriegs, an dessen Ende die neugebildete KSV Holstein das Areal übernahm, angesichts der immens steigenden Zuschauerzahlen eine Erweiterung fällig war. Im Juli 1920 wurde deshalb ein „Sportplatzfonds“ gebildet, dem zehn Prozent aller Spieleinnahmen zufließen sollten. Erstes Ziel war alsdann der Kauf des bis dato nur gepachteten Geländes, was im März 1921 gelang. Lotterien und Wohltätigkeitsveranstaltungen hatten bereits weiteres Geld für den Umbau eingebracht, als die Natur zuschlug: Am 3. November 1921 wurde das Tribünendach durch eine Windhose weggefegt. Da sich eine Reparatur als zu kostspielig erwies, entschloss man sich zu einem völligen Neubau auf der gegenüberliegenden Seite (heutige Gegengerade), wo inmitten der turbulenten Inflationszeit eine 420-Plätze-Tribüne mit Umkleidekabinen, Verwaltungszimmer und Wohnung für den Platzwart im Bauch entstand. Das neue Bauwerk wurde am 6. August 1922 mit einem Freundschaftsspiel gegen Kilia (3:0) eingeweiht. Seinerzeit erhielt der Holstein-Platz zudem erstmals Stehplatztraversen in Form von aufgeschütteten Erdwällen, womit seine Kapazität auf rund 8.000 Plätze anstieg. Anlässlich eines Gastspiels der Spielvereinigung Fürth im Jahre 1923 wurde diese Zahl erstmals erreicht.

Angesichts der weiter steigenden Zuschauer- und Mitgliederzahl musste der Platz stetig erweitert werden. Im Mai 1923 wurde zunächst die etwas zu knapp bemessene Spielfläche um zehn Meter in der Breite und zwei Meter in der Länge vergrößert, ehe im Herbst 1927 ein Generalumbau anstand. Grund war, neben dem stetig wachsenden Zuschauerinteresse, dass der KSV Holstein inzwischen viele Leichtathleten angehörten, deren Trainings- und Wettkampfbedingungen überaus schlecht waren. Unter Anleitung von Otto Stocks wurde das gesamte Spielfeld nun um 25 Meter nach Nordosten verschoben, wodurch einerseits eine umlaufende Aschenbahn entstehen konnte, andererseits aber die Tribüne plötzlich auf Höhe des Strafraums lag. Das wurde jedoch als unproblematisch empfunden, zumal gleichzeitig die Zuschauerwälle durch Schotter gefüllte Stehtraversen erhielten: Auf der Gegengeraden (heutige Tribünenseite) fanden auf zwölf Stufen nunmehr rund 6.000 Menschen Platz, in den Kurven wurden je sechs Stufen installiert. Darüber hinaus wurden vor der Tribüne sechs Sitzplatzreihen mit weiteren 650 Plätzen angebracht. Die befestigten Stehränge erhöhten den Komfort vor allem bei dem so typischen Schmuddelwetter enorm – nun bekam niemand mehr dreckige Schuhe, wenn er zur KSV Holstein ging. Der Holstein-Platz wies damit deutliche Ausmaße eines „Stadions“ auf und bot rund 15.000 Fans Platz. Eine Zahl, die bis 1943 Bestand hatte. Seinerzeit wurde anlässlich des Schlagerspiels gegen Schalke 04 noch einmal „nachgemessen“, und die Kapazität auf 18.000 erhöht.