Zehn Mark für jedes Tor

Porträt: Johannes van den Bergh über Spanien, Backfisch und Stammhalter Jonathan

Johannes van den Bergh

Das Transferfenster war schon so gut wie geschlossen, als die KSV Holstein in Johannes van den Bergh noch einen Ersatz für den verletzten Linksverteidiger Christopher Lenz fand: Der 30-Jährige wurde beim Bundesligisten Borussia Mönchengladbach zum Profi, erlebte vier erfolgreiche Jahre bei Fortuna Düsseldorf und schloss sich nach seiner Zeit bei Hertha BSC im Sommer 2016 dem spanischen Zweitligisten FC Getafe an. Beim 3:1-Erfolg in Duisburg gab der Blondschopf ein starkes Debüt im Dress der Störche. Johannes van den Bergh – das Buchstaben-Porträt:

Jonathan: Mit Jonathan ist der Stammhalter schon einmal da. Er ist jetzt knapp drei Monate alt und wenn er schläft, dann ist er auch ein richtig ruhiger Typ. Im Ernst: Wir können uns wahrlich nicht beschweren, er ist ein aufgeweckter, interessierter und fröhlicher Junge. Wie der Name entstand? Wir haben uns zwei Listen mit Mädchen- und Jungs-Namen gemacht. Als dann klar war, dass es ein Junge werden wird, blieb nur noch eine übrig. Dann haben wir nach und nach die Namen gestrichen, die für uns mit negativen Assoziationen verbunden waren. So zum Beispiel zu der Nachbarskatze, die meine Frau in ihrer Kindheit erlebt hat. Bei „Jonathan“ gab es bei uns beiden diese Erinnerungen nicht – also wurde es am Ende „Jonathan“.   

Oldtimer: Ich bin zwar nicht der Typ, der an alten Autos herumschrauben kann, aber ein Traum ist es schon, eines Tages einmal einen Oldtimer in der Garage stehen zu haben. Einen Wagen, der dann aber auch nur für die Ausflüge genutzt wird, kein Fahrzeug für den Alltag. Alte Autos faszinieren mich grundsätzlich, ein Porsche 356 Speedstar besonders.

Hund: In Madrid ist „Frida“, ein Deutsch-Kurzhaar, in unser Leben gekommen. Sie ist ein Jahr alt und lebte zuletzt in einem Tierheim. Sie bereichert unser Leben täglich, stellt es mit ihrer Energie und Rastlosigkeit aber auch jeden Tag auf den Kopf. Zuletzt hat sie meine Schwiegermutter ordentlich auf Trab gehalten, da wir hier in Kiel im Moment noch in einem Hotelzimmer leben. Aber nach unserem Umzug in die neue Wohnung kommt auch „Frida“ zu uns nach Kiel. Die Bedingungen für sie sind hier einfach paradiesisch, überall gibt es Hundestrände, das Düsternbrooker Gehölz ist direkt vor unserer Haustür – einfach perfekt. Nur das Schwimmen wird sie noch lernen müssen.

Ausland: Ich bin insgesamt acht Monate lang beim FC Getafe (Ein Vorort von Madrid, d. Red.) gewesen. Das war eine schöne Erfahrung, die ich immer wieder machen wollen würde und jedem nur empfehlen kann. Wir haben zwar nicht direkt in der Innenstadt gelebt, weil das verkehrstechnisch wahnsinnig gewesen wäre. Aber trotzdem habe ich in meiner Zeit in Madrid viel von dieser tollen Stadt mitbekommen. Lustig war, dass ich meinen Lebensrhythmus erst einmal ändern musste. Wenn ich abends um sechs im Restaurant an die Fensterscheibe geklopft habe, weil ich meine Pasta haben wollte, passierte erst einmal lange gar nichts – kein Wunder, der Koch kam ja immer erst um neun Uhr. Aber als ich mich erst einmal daran gewöhnt hatte, habe ich diese Lebensweise sehr genossen. Im Schatten von Real und Atletico hatte Getafe es als Zweitligist schwer, mehr als 5000 bis 6000 Zuschauer hatten wir bei den Heimspielen in der 2. Liga nicht. Jetzt, nach dem Aufstieg, ist der Andrang aber größer geworden. Interessant war auch, dass die Fans immer erst mit dem Anpfiff kamen. Beim Aufwärmen waren die Ränge noch völlig verwaist. Der Fußball, der in dieser Liga gespielt wurde, ist ein anderer als der in der 2. Bundesliga in Deutschland. Die Einzelspieler sind gut, aber der Ball wird dort doch eher lang und hoch nach vorne geschlagen, Fußball wird in erster Linie gearbeitet, nicht gespielt.

Nora: So heißt meine bezaubernde Frau. Wir kennen uns seit fünf Jahren und haben am 10. April in Düsseldorf geheiratet. Im kommenden Jahr wollen wir dann auf Mallorca eine richtige Hochzeitsfeier machen. Nora hat einen Bachelor in BWL und schreibt gerade an ihrer Masterarbeit in Gesundheitsökonomie, deshalb kann sich mich auch gut mit Jonathan nach Kiel begleiten.

Nachname: Das „Van“ in meinem Nachnamen deutet zwar darauf hin, dass ich holländische Wurzeln habe. Aber das muss mein Ur-Ur-Großvater gewesen sein, in meinem aktuellen Familienkreis ist das Holländische nicht vertreten.

Essen: Ein Koch bin ich nicht, aber ich esse gerne und auch gerne viel. Mein Lieblingsgericht? Es macht mir großen Spaß, Gerichte aus allen möglichen Ländern auszuprobieren.

Spanien: Das war schon vor meiner Zeit beim FC Getafe mein liebstes Urlaubsziel. Sonne, Strand, Spanien – so entspanne ich am besten.

Verteidiger: Als Kind war ich wie alle anderen Fußballer auch Stürmer. Für jedes Tor bekam ich von meinem Vater zehn Mark als Belohnung, das Sparbuch füllte sich anfangs schnell, aber im Laufe der Jahre wurden die Einzahlungen immer geringer. In der B-Jugend von Borussia Mönchengladbach spielte ich dann zum ersten Mal Linksverteidiger. Ich bin mit der Position ganz zufrieden, aber auch nur, weil ich hier meinen Offensivdrang ausdrücklich ausleben darf.

Amerika: New York ist die spannendste Stadt,  in der ich bisher gewesen bin. Ich war einmal im Sommer da, das war einfach „Wow“. Ich möchte gerne bald wieder hin, dann aber zur Weihnachtszeit. Das stelle ich mir in New York besonders toll vor.  

Nachspeise: Da wähle ich in der Regel einen Espresso und esse dazu gerne etwas mit Schokolade.

Düsseldorf: Ich habe in Düsseldorf sportlich eine gute Zeit gehabt. Insgesamt spielte ich vier Jahre für die Fortuna. In der dritten stiegen wir erstmals nach 15 Jahren wieder in die Bundesliga auf. Auch die anschließende Hinserie war eine coole Erfahrung. Wir hatten am Ende 21 Punkte und waren Zehnter. Aber dann sind wir doch noch abgestiegen, ohne dabei ein einziges Mal auf einem Abstiegsplatz gestanden zu haben. Auch auf dem Relegationsplatz lagen wir vor dem letzten Spieltag nie, aber an dem sind wir dann direkt in die 2. Liga abgestiegen. Von Düsseldorf sind es noch 20 Minuten in meine Heimat. Ich finde diese Stadt super und bin mir ziemlich sicher, dass sie auch nach dem Ende der Karriere mein Lebensmittelpunkt sein wird.  

Ehrlichkeit: Mir ist Gerechtigkeit sehr wichtig. Deshalb ärgert es mich maßlos, wenn Dinge bewusst falsch dargestellt werden.

Natur: Als Fußball-Profi fehlt die Zeit für richtige Reisen, einen Urlaub, der länger als 14 Tage ist, kenne ich gar nicht. Deshalb freue ich mich schon jetzt darauf, dass eines Tages tun zu können. Einmal auch drei Tage länger als geplant an einem Ort bleiben. Einfach nur, weil es mir dort gefällt. Wann das sein wird? Im Moment deutet noch nichts darauf hin, dass ich meine Schuhe an den Nagel hänge. Ich bin gesund, fühle mich fit. Solange ich Spaß daran habe, werde ich noch weiter Fußball spielen. Aber klar ist auch, dass ich nicht vom Platz getragen werden möchte.

Backfisch-Brötchen: Backfisch im Brötchen war bisher nicht so recht nach meinem Geschmack, aber die Kieler Variante hat das Eis gebrochen. Die passt!

Eltern: Zwei wichtige Menschen in meinem Leben, die immer für mich da gewesen sind. Ich bin mit fünf Geschwistern aufgewachsen und hatte trotzdem nie das Gefühl, deshalb zu kurz gekommen zu sein. Im Gegenteil. Ich kann ihnen nicht dankbar genug sein. Mein Vater, ein Marathonläufer, hat uns im sportlichen Bereich gefördert und uns bei Wind und Wetter durch Fußball-Deutschland getuckert. Einer meiner beiden Brüder und ich haben schon als kleine Jungs Fußball gespielt, meine drei Schwestern wuchsen mit dem Handball auf. Eine war sogar für Bayer 04 Leverkusen aktiv. Unsere Mama hat sich um unseren Bildungsweg gekümmert und darauf geachtet, dass wir alle das Abitur in der Tasche haben. Die Verbindung zu meinen Eltern und Geschwistern ist sehr eng und durch die Geburt von Jonathan, die alle in Onkel und Tanten verwandelt hat, sogar noch enger geworden. Wir sehen uns bei allen großen Feiern. Mit meinem zwei Jahre jüngeren Bruder Lukas stehe ich in einem besonders engen Verhältnis, er hatte auch das Potenzial, Profi-Fußballer zu werden. Aber er verletzte sich zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt leider schwer an der Schulter.

Gitarre: Ein schönes Instrument, das ich aber nicht spielen kann. Ich habe mir früher gerne einmal die Gitarre meiner Mutter geliehen, aber weiter bin ich als Gitarrenspieler nicht gekommen. Schade, ich werde meinem Sohn ans Herz legen, dass es wichtig ist, ein Instrument spielen zu können. Ich singe gerne, kann es aber nicht – leider bin ich völlig unmusikalisch.

Haifisch: Haie sind faszinierende Tiere, ich schaue mir auf „Discovery Channel“ alle Filme zu diesem Thema an. Grundsätzlich finde ich die Berichterstattung über Haie zu einseitig, da ist mir zu oft davon die Rede, dass sie Monster sein sollen. Tatsächlich sterben durch herunterfallende Kokosnüsse mehr Menschen als durch Haiattacken. Aber Respekt habe ich auch. Grundsätzlich zieht es mich ja ans Meer, aber sobald es dunkel und tief wird, fühle ich mich nicht mehr wohl. Was auch an dem Filmklassiker „Der weiße Hai“ liegen kann, den ich natürlich auch gesehen habe. Aber eigentlich ist der ja gar nicht so schrecklich, war die Filmproduktion doch damals noch eine ganz andere. Wenn man sich den Film heute genauer ansieht, kann man fast die Schrauben sehen, die diesen Hai zusammenhalten….

 

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