Störche trotzen dem Spitzenreiter

Arminia Bielefeld - Holstein Kiel 2:2 (2:1)

Auch der Spitzenreiter kann Holstein Kiel nicht bezwingen. Arminia Bielefeld und Holstein Kiel trennen sich nach einem beherzten Auftritt 2:2-Unentschieden. In einem dem Titel würdigen Spitzenspiel gingen die Störche froh durch Tim Siedschlag in Führung (3.), bevor David Ulm (10., Handelfmeter) und Fabian Klos (31.) die Angelegenheit noch vor der Pause für die Arminen drehten. Doch in der Schlussminute sorgte der eingewchselte Patrick Breitkreuz vor den Augen der 1500 mitgereisten KSV-Fans noch für den verdienten Ausgleich. Die Störche blieben damit auch im 14. Spiel in Folge ungeschlagen, lösten als mindestens Tabellenvierter das DFB-Pokalticket für die kommende Saison und verdarben der Arminia die vorzeitige Aufstiegsparty.

KSV-Trainer Karsten Neitzel wartete gegenüber dem 2:1 gegen den Chemnitzer FC, wo sein Team das 0:1 noch in einen Sieg drehen konnte, mit zwei Änderungen auf: Marlon Krause rückte für Marcel Gebers in die Startelf. Tim Siedschlag begann anstelle von Jarek Lindner.

Das Spitzenspiel hätte für die Störche nicht besser beginnen können. Patrick Kohlmann flankte millimetergenau auf den Scheitel von Tim Siedschlag, der unhaltbar in den Winkel zur frühen Führung köpfte (3.). Doch die Gastgeber reagierten schnell: Fabian Klos zog aus 14 Metern ab, Rafael Kazior sprang das Leder an den Arm und Schiedsrichter Sascha Stegemann zeigte sofort auf den ominösen Punkt. Obendrein erhielt der Kieler Kapitän seine 5. Gelbe Karte und wird im nächsten Spiel gegen Fortuna Köln fehlen. Per Elfmeter schob David Ulm dann zum schnellen Ausgleich ein (10.). Es entwickelte es sich ein packender Drittligagipfel mit tollen Szenen. Beide Mannschaften spielten mutig nach vorne. Kenneth Kornholm reagierte bei einem Kopfball aus sechs Metern von Daniel Junglas prächtig (23.). In der nächsten Szene klingelte es wieder: Flanke aus dem Halbfeld auf Fabian Klos, der seine 1,94 Meter in die Luft wuchtete und unhaltbar zum 2:1 einköpfte (31.). Beim 18-Meter-Schuss von Sebastian Schuppen aufs kurze Eck war Kornholm wieder der Sieger. Die Kieler kombinierten sich durchaus sehenswert nach vorne, der letzte Pass kam aber zu selten beim Mitspieler an.

Die Störche kamen auch im zweiten Durchgang stark aus den Startlöchern. Kazior flankte auf der Grundlinie auf Manuel Schäffler, der aus vier Metern das Leder an die Latte köpfte (49.). DSC-Schlussmann Alexander Schwolow tauchte bei einem 21-Meter-Schuss von Kazior ab (53.). Es war zu spüren, die Neitzel-Elf wollte den Ausgleich. Siedschlag konnte eine zu kurze Rückgabe von Stephan Salger nicht mehr Richtung Tor drehen (56.). Die KSV drängte, von der Arminia kam nur noch wenig. Top-Torjäger Klos war bei Holsteins Hauke Wahl nahezu abgemeldet und wurde eine Viertelstunde vor Schluss ausgewechselt. Sollten den Arminen nach dem Pokalmittwoch nun die Kräfte schwinden? Im Gegenteil. In den letzten zehn Minuten und nach drei Auswechslungen drehte der DSC noch einmal auf. Die scharfen Standards von Florian Dick konnte die Kieler Defensive jedoch klären. Und so erfuhr ein großartiges Drittligaspiel seine Krönung. In der Offensive zimmerte Patrick Breitkreuz aus 24 Metern zunächst drüber, sorgte in der Schlussminute jeoch per Doppeltunnel noch für den hochverdienten Ausgleich (90.), nachdem die Bielefelder Abwehr nicht entschieden hatte klären können. Der hohe Aufwand der zweiten Halbzeit hatte sich ausgezahlt und der Jubel unter den 1500 mitgereisten Kielern war grenzenlos.

Stimmen nach dem Spiel

Patrick Breitkreuz: „Der Ball fällt mir vor die Füße und ich treffe ihn nicht mal gut, aber er geht halt rein. Ich freue mich riesig. Das war der verdiente Lohn für unsere Leistung. Wir haben gesehen, wie stark Bielefeld ist, haben aber auch gezeigt, wie stark wir sind. Heute hat einfach alles gestimmt und dank unserer Fans hatte ich echt Gänsehaut.“

Rafael Kazior: „Wir haben eine ganz ordentliche erste Halbzeit gespielt. In der zweiten Halbzeit waren wir klar besser und nehmen verdient den Punkt mit. Die Stimmung war heute überragend und erinnert mich ein bisschen an unseren Aufstieg in Kassel.“ 

Ralf Heskamp (Sportlicher Leiter): „Unsere Mannschaft hat bis zum Schluss Gas gegeben. Wenn Du zum Schluss so das Tor machst, ist es natürlich etwas glücklich aber hochverdient.“

Roland Reime (Präsident KSV): „Ich bin mit dem Gefühl hierher gefahren, dass wir einen Punkt mitnehmen – dass in der letzten Minute und vor einer so großartigen Kulisse. Das begeistert mich einfach.“ 

Wolfgang Schwenke (Geschäftsführer): „Es war ein rassiges Drittligaspiel, Wir waren auf Augenhöhe und haben ein tolles Spiel abgeliefert. Und wenn ich die mitgereisten Fans sehen, ist das einfach großartig. Das ist Kieler Energie pur.“

Karsten Neitzel (Holstein Kiel): „Es ist schön, wenn man in der letzten Minute das 2:2 macht. Dann fährt man lockerer nach hause, als nach einer Niederlage. Es war ein sehr gutes Spiel von beiden Mannschaften. Wir haben uns in der ersten Halbzeit bei den Standards der Bielefelder nicht glücklich angestellt. Und man hat auch in anderen Situationen gesehen, dass der Gegner eine riesige Qualität auf den Platz bringt. Wir haben mit einem unglaublichen Teamspirit dagegen gehalten und haben einmal mehr von der Bank noch einmal richtig nachlegen können. Ein großer Dank an die Zuschauer: Das war für Kieler Verhältnisse fast schon eine Invasion. So wollen wir weitermachen bis zum Schluss der Saison!“

Norbert Meier (Arminia Bielefeld): „Es ist ärgerlich, in der allerletzten Minuten den Ausgleich zu kassieren. Zumal der große Druck eigentlich weg war. Die Mannschaft hat den Rückstand weggesteckt, ist mit 2:1 in Führung gegangen und hat mal wieder einen enormen Aufwand betreiben müssen. Sie hat sich gewehrt bis zum Schluss. Vorwürfe kann ich keinem machen. Trotzdem heißt es die Köpfe oben zu behalten, wir werden keinen Zentimeter nachlassen.“

Arminia Bielelfeld: Schwolow – Dick, Hornig, Salger, Schuppan – Junglas, Ulm, Brinkmann (72. Müller), Schütz – Hemlein (59. Mast), Klos (75. Testroet). Trainer: Meier
Holstein Kiel: Kronholm – Herrmann, Krause (85. Gebers), Wahl, Kohlmann – Siedschlag, Vendelbo (72. Lindner), Kegel, Heider (60. Breitkreuz) – Schäffler, Kazior. Trainer: Neitzel
Schiedsrichter: Stegemann (Niederkassel)
Tore: 0:1 Siedschlag (3.), 1:1 Ulm (10., Handelfmeter), 2:1 Klos (31.), 2:2 Breitkreuz (90.)
Zuschauer: 24.249

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