Fußball furioso am Millerntor

FC St. Pauli II - Holstein Kiel 2:4 (0:0)

Holstein setzte St. Pauli in der Schlussphase unter Dauerdruck

So geil kann Fußball sein! In einem verrückten Nachholspiel besiegte Holstein Kiel den FC St. Pauli mit 4:2. Vor 980 Zuschauern, davon die Hälfte aus Kiel, hatte es am Millerntor zur Pause nach zähen 45 Minuten noch keine Treffer gegeben. Nach dem Seitenwechsel brach der Bann: Zunächst sah es nach einem Sieg für die Kiezkicker aus, die zweimal durch Lämmerhirt (46.) und Pini (48.) binnen vier Minuten in Führung gingen. Zwischenzeitlich hatte Fiete Sykora per Handelfmeter ausgeglichen (50.). Nach dem 2:2-Ausgleich durch einen Traumfreistoß von Rafael Kazior (64.) rollte der Holstein-Express und sorgte nach einem Doppelschlag durch Casper Johansen (70.) und erneut Fiete Sykora (72.) für den verdienten Auswärtssieg.

Holstein-Trainer Thorsten Gutzeit vertraute der gleichen Startelf, die schon beim 2:1-Heimsieg gegen den Goslarer SC am vergangenen Samstag begonnen hatte. Auf Seiten der Kiezkicker fehlte Abwehrchef und Ex-Storch Hauke Brückner nach der fünften Gelben Karte. Auch auf Zweitligakräfte verzichtete die Pauli-Reserve.

Die 300 mitgereisten Kieler Fans heizten ihren Störchen vom Anpfiff an laustark ein. Und so kam die KSV zur ersten guten Gelegenheit: Eine Freistoßflanke von Gerrit Pressel köpfte Fiete Sykora aus sieben Metern über die Latte des Pauli-Gehäuses (13.). Vier Minuten später konnte Marcel Schied eine Flanke von Fabian Wetter nicht mehr Richtung Tor lenken. Auf der anderen Seite jagte Erdogan Pini das Leder per Fallrückzieher spektakulär in die Fangnetze hinter de Holstein-Tor (24.). Es war ein zähes Duell. Pauli tat nicht mehr als nötig, Holstein machte aus einer leichten Überlegenheit noch zu wenig. Als dann Fiete Sykora den völlig frei startenden Patrick Herrmann mitnahm, hatten die Kieler Fans den Torschrei schon auf den Lippen. Aber Holsteins Nummer 19 entschied sich für den Querpass, statt selbst abzuschließen und die Pauli-Abwehr konnte klären (34.). Kurz vor der Pause noch ein Lebenszeichen des Zweitliganachwuchses. Nach einem langen Einwurf drückte André Lämmerhirt den Ball aus sechs Metern allerdings genau in die fangbereiten Hände von Morten Jensen (43.). Dann war Pause.

Nach der Pause brachte Holstein-Coach Gutzeit Marc Heider für Marcel Schied in die Sturmspitze. Und wer bislang Tore vermisst hatte, kam ab sofort voll auf seine Kosten. Erst überlupfte André Lämmerhirt den verdutzten Holstein-Keeper Jensen zur Pauli-Führung, nachdem die Kieler Abwehr den Ball nicht hatte klären können (46.). Nicht mal eine Minute später klatschte Andrej Startsev das Leder im eigenen Strafraum an die Hand. Den Handelfmeter verwandelte Fiete Sykora sicher (48.) zum 1:1. Doch der Ausgleich hielt nur 100 Sekunden. Pini köpfte aus vier Metern zur 2:1-Führung ein (50.). Allerdings auch die Pauli-Fans durften sich nicht lange freuen. Rafael Kazior zirkelte einen 18-Meter-Freistoß maßgenau in den Winkel (54.). Und schon schnupperten die Störche an der Führung: FC-Schlussmann Robin Himmelmann lenkte einen Heider-Schuss an den Pfosten und Ex-Paulianer Marlon Krause jagte den Abpraller zehn Meter über das Tor (64.). Dann folgten erneut kuriose Minuten. Erst staubte Casper Johansen aus zwei Metern zur Kieler Führung ab, nachdem die Paulianer Defensive „nimm Du ihn, ich hab sicher“ gespielt hatte (71.). Die Pauli-U23 verlor nach dem Anstoß den Ball sofort wieder und den folgenden Holstein-Angriff veredelte Fiete Sykora mustergültig aus 20 Metern halblinker Position zum 4:2 aus Störche-Sicht (72.). Es sollte der Garaus für die Zweitligareserve gewesen sein. Holstein spielte die Minuten souverän runter und nahm die drei Punkte mit nach Kiel.

Holstein Kiel: Jensen –  Herrmann, Hartmann (77. Aust), Müller (88. Kizil), Wetter – Krause, Kazior – Johansen, Sykora, Pressel – Schied (46. Heider).

Schiedsrichter: Wenzel (Gnarrenburg)
Tore:  1:0 Lämmerhirt (46.), 1:1 Sykora (48., Handelfmeter), 2:1 Pini (50.), 2:2 Kazior (54.),  2:3 Johansen (71.), 2:4 Sykora (72.)
Zuschauer:  980 

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