"Herrmi, der Fußballgott"

Patrick Herrmann wurde als Rechtsverteidiger zur Kultfigur der Störche

"Herrmi" besitzt Kultstatus bei den Störchen

Wolfsburg, Hannover, Osnabrück, Kiel – der im Landkreis Peine in Niedersachsen geborene Patrick Herrmann ist Norddeutschland als Fußballer treu geblieben und mittlerweile bei der KSV Holstein längst eine Kultfigur. Der 28-jährige Rechtsverteidiger trägt seit Juli 2011 das Trikot der Störche, stieg mit ihnen in die 3. Liga auf und verpasste in den dramatischen Relegationsspielen gegen den TSV 1860 München im Juni 2015 nur um Sekunden den Aufstieg in die 2. Liga.  Für die Fans ist der charismatische Mann mit der Glatze schlicht „Herrmi, der Fußballgott“. Ein Porträt: 

Piano: Ich habe schon als Kind Klavier gespielt und eigentlich nie damit aufgehört. In unserem Haus steht ein E-Piano, auf dem ich regelmäßig spiele. Dabei habe ich Kopfhörer auf und schalte wunderbar ab. Welche Richtung? Ich spiele die aktuellen Hits der Popmusik nach. Lustig ist, dass mir viele Menschen gar nicht glauben, dass ich Klavier spielen kann und mich dann immer bitten, einmal für sie zu spielen – anschließend glauben sie es dann.

Angeln: Ich bin einem Ort namens Wipshausen aufgewachsen. Der hat einen kleinen See, an den mein Vater mich immer zum Angeln mitgenommen hat. Dieses Hobby habe ich beibehalten. Als Kind war es mir wichtig, Fische zu fangen, inzwischen geht es mir nur noch darum, beim Angeln abzuschalten. Meistens lasse ich die Fische wieder frei. Leider komme ich viel zu selten dazu, aber die Angelrute steht bei uns im Haus. Mein größter Fang? In Schweden habe ich einmal an einem Tag vier Hechte aus dem See geholt.

Tiere: Ich bin mit vielen Tieren aufgewachsen, Hasen, Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Hühner. Meine Frau und ich möchten uns auch gerne einen Hund zulegen, aber da wir im Moment schon zwei kleine Kinder haben, wollen wir uns mit einem Hund kein drittes zulegen. Wenn unsere jüngste Tochter, sie ist ein Jahr alt, ein wenig mobiler geworden ist, überlegen wir es uns vielleicht noch einmal anders.

Reisen: Einmal im Jahr verreisen wir mit der Familie, das ist auch für mich wichtig. Wir haben einige Länder ausprobiert, inzwischen ist Spanien zu unserem festen Ziel geworden. Ab in die Sonne – einfach wunderbar. Weitere Reisen brauche ich persönlich nicht, als Fußballer bin ich genug unterwegs, da ist es für mich schon Urlaub, wenn ich zu Hause einmal die Beine hoch legen kann.

Idol: Das war für mich Fabio Cannavaro (italienischer Nationalspieler und Weltfußballer 2006, d. Red.). Wie er habe ich lange als Innenverteidiger gespielt. Mir hat imponiert, wie er, der auch nicht der Größte ist (1,76 Meter, Herrmann ist 1,80 Meter groß, d. Red.), sich mit seinen Stärken auf dieser Position durchgesetzt hat.

Chemie: In der Schule mein Lieblingsfach, Chemie war sogar in der Abi-Prüfung eines meiner Leistungskursfächer. Meine Liebe zur Chemie hatte sicherlich mit guten Lehrern zu tun, die im Unterricht sehr gechilled waren und mit uns viele Experimente gemacht haben. Ich weiß noch nicht, ob ich meine Begeisterung für Chemie nach der Profi-Karriere noch einmal aufleben lasse. Damals ging es mir nur darum, das Abitur in der Tasche zu haben. Parallel dazu investierte ich immer mehr in den Fußball, deshalb habe ich mir bis heute noch nicht wirklich viele Gedanken über die Zukunft gemacht. Vielleicht fange ich irgendwann einmal ein Fernstudium an, aber da ist auch noch offen, in welche Richtung das gehen soll.

Kinder: Meine Frau und ich habe zwei kleine Töchter (3/1). Damit ist für uns die Familienplanung eigentlich abgeschlossen. Ich hatte immer einen Traum davon, wie Familie für mich einmal aussehen soll, und der ist voll aufgegangen! Wir teilen uns die Betreuung der Kinder, wobei ich am liebsten mit ihnen tobe, -offenbar habe ich mir meinen Spielbetrieb bewahrt.

Haare: Wie man sieht, habe ich keine mehr. Schon als 16-Jähriger habe ich die ersten Geheimratsecken bekommen, mein Haar ist schon sehr früh sehr licht geworden. Als 20-Jähriger habe ich sie mir kurz geschoren, in der Hoffnung, sie würden noch einmal richtig nachwachsen. Wie ein Rasen. Aber das hat nicht geklappt. In Kiel habe ich mir schließlich zum ersten Mal eine Glatze rasiert. Das hat meiner Frau zunächst gar nicht gefallen, aber inzwischen hat sie sich damit angefreundet. Wenn ich mir heute alte Bilder von mir anschaue, stelle ich immer wieder fest, dass diese Entscheidung richtig gewesen ist. Die Haarpflege kostet so auch fast nichts mehr, die Glatze pflege ich immer mit dem Nassrasierer unter der Dusche.

Essen: Ich bin ein guter Esser! Saß ich als Kind mit sechs anderen um eine Schale Chips herum, war sie trotzdem meine. Wirklich sporttauglich ist meine Ernährung wahrscheinlich nicht, ich esse, wozu ich Lust habe. Da ich Fußball spiele, ist meine Art der Ernährung kein Problem, wenn ich aber eines Tages meine Karriere beende, muss ich mir wohl einmal richtig Gedanken machen, wenn ich meine Figur behalten will.

Rosen: Verschenke ich Blumen, dann sind es Rosen. Meiner Frau bringe ich ab und zu einen Strauß mit, auch einmal überraschend. Das kommt immer ganz gut an.

Rasen: In den habe ich mich durch meine Leidenschaft zum Fußball zwangsläufig verliebt. Ich weiß noch genau, wie meine Mutter mich damals, da war ich acht Jahre alt, zum Training gebracht hat. Das erste Mal wollte ich auf dem Weg zum Rasen ihre Hand gar nicht mehr loslassen, doch nach dem Training wollte ich vom Feld nicht mehr runter. Da war meine Liebe zum Fußball entbrannt. Ich habe zwar auch Tischtennis gespielt, als Leichtathlet Mehrkampf betrieben und bin als Handballer in Auswahlmannschaften berufen worden, doch vom Rasen bin ich nicht mehr losgekommen. Meine Handball-Trainerin hat zwar wirklich alles versucht, so durfte ich, der Linksaußen gewesen ist, einmal sogar mit Stefan Kretzschmar (218-maliger Nationalspieler, d. Red.) üben – aber es war alles vergeblich. Und bereut habe ich meine Entscheidung nicht.

München: Ein schönes Stadion! Ich habe mir ein Jahr nach der verlorenen Relegation gegen den TSV 1860 München (0:0 im Hinspiel in Kiel, 1:2 in München, d. Red.) noch einmal das Spiel angesehen. Vorher hatte ich einen großen Bogen um dieses Erlebnis gemacht. Aber damals war wieder die Zeit der Relegationsspiele angebrochen, da dachte ich mir, ich blicke noch einmal zurück. Und es kamen wieder genau die gleichen Gefühle hoch. Wir sind damals mit einem guten Gefühl nach München geflogen, nach unserem Tor zum 1:0 waren die Hoffnungen noch größer geworden. Auch das späte 1:1 erinnere ich nicht als ernsthaftes Problem, aber an die letzten zehn Minuten bis zum Abpfiff habe ich keine überhaupt Erinnerungen mehr. Dieses Erlebnis habe ich offenbar erfolgreich verdrängt, das fehlt einfach völlig in meinem Kopf!

Abwehr: Ich habe zwar früher in der Jugend auch Stürmer gespielt, aber in der Abwehr fühle ich mich am wohlsten. Meine Motivation ist, besser zu sein als meine Gegner. Und dieses Kräftemessen erlebe ich als Verteidiger unmittelbar.

Name: Mein Name wird oft falsch geschrieben, mal fehlt ein „r“, mal ein „n“. Früher war mir das egal, inzwischen reagiere ich zunehmend empfindlicher darauf. Mein Spitzname? Ich hieß schon „Patte“ und „Rick“. In Kiel wurde es dann irgendwann „Herrmi“. Der Name entstand in einer Phase, in der an alle Spielernamen einfach ein „i“ angehängt wurde. Ich kann mit „Herrmi“ ganz gut leben.

Niederlage: Ich bin ein sehr schlechter Verlierer, das ist auch beim Kartenspielen nicht anders. Bahnt sich da eine Niederlage an, werde ich auch deutlich reizbarer. Zum Glück habe ich inzwischen eine Familie! Wenn ich nach einem verlorenen Fußballspiel zu meiner Frau und unseren Töchtern komme, geht es mir schnell wieder besser.

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