Schmidts prompte Antwort bringt den Dreier

Energie Cottbus - Holstein Kiel 1:2 (0:1)

Holstein Kiel feiert den ersten Sieg seit sechs Spielen. Vor 5.122 Zuschauern siegte die KSV bei Energie Cottbus mit 2:1. Die Störche hatten die ersten 45 Minuten klar dominiert und waren durch Steven Lewerenz in Führung gegangen (16.). Der FCE glich kurz nach Wiederanpfiff durch Joni Kauko aus (50.), doch Kiel antwortete mit Dominik Schmidt (54.) prompt. Durch den dritten Saisondreier springen die Kieler hoch auf den 13. Tabellenplatz. Aus zwei der drei Spielen in der zweiten englischen Woche der Saison holte die KSV bislang vier Punkte und kann am kommenden Samstag bei Erzgebirge Aue nachlegen.

Beim 0:0 gegen Hansa Rostock profitierte Tim Siedschlag von der Gelbsperre Fabian Schnellhardts. Heute musste der Mittelfeldaußen zurück ins zweite Glied. Die einzige nominelle in Holsteins Startelf.

Die Gastgeber begannen tiefstehend und abwartend. Holstein sollte das Spiel machen und hatte früh die Riesenchance zum perfekten Start. Dominik Schmidt beförderte einen 30 Meter-Freistoß von Maik Kegel von der Grundlinie zu Manuel Schäffler, der freistehend vom Elfmeterpunkt die Kugel neben den linken Pfosten drehte (8.). Dem FCE war die Verunsicherung nach der Trainerentlassung deutlich anzumerken. Die Störche wussten diese zu nutzen: Fabian Schnellhardt steckte durch auf den kreuzenden Steven Lewerenz, der an René Renno zum 0:1 vorbeichippte (16.). Die Kieler Dominanz war beinahe erdrückend. Die Gäste hatten 70 Prozent Ballbesitz, während der FCE sich vor lautlosen Rängen um Kopf und Kragen tölpelte. Als Schnellhardt aus 17 Meter neben das Tor knallte, ertönten erstmals Pfiffe aus dem Publikum (28.). Energie versuchte die Unmutsbekundungen als Antrieb zu nehmen. Thomas Hübener schaufelte das Leder aus 24 Metern deutlich neben den Pfosten (31.). Beim Versuch von Richard Sukuta-Pasu musste Robin Zentner dann erstmals zupacken (34.). Auf der anderen Seite rettete René Renno in höchster Not nach einer Direktabnahme von Marc Heider (37.). Rafael Czichos knallte einen 17-Meter-Freistoß in die Mauer (39.), Renno klärte weit außerhalb des Strafraums vor dem herausspringenden Lewerenz (41.). Wenn man Kiel einen Vorwurf machen wollte, dann den, dass der 0:1-Pausenstand um ein Tor zu niedrig ausfiel.

Während in der Halbzeitpause die Verpflichtung von Vasile Miriuta als neuer Energie-Trainer bekannt gegeben wurde, reagierte Interimscoach René Rydlewicz auf den verunsicherten Auftritt seiner Elf mit einem Doppelwechsel. Und der FCE setzte den Startschuss: Joni Kauko ging ins Luftduell mit KSV-Schlussmann Zentner, der das Spielgerät fallen ließ und der Cottbuser stocherte zum 1:1 ein (50.). Doch die Störche antworteten cool: Dominik Schmidt verlängerte die erste Kieler Ecke zum 1:2 ins lange Eck (54.). Renno verhinderte nach einem Flatterball von Schnellhardt erneut eine höhere Kieler Führung (64.). In einer vergleichbaren Szene wie beim 1:2, tropfte Rafael Czichos’ Kopfball nach der zweiten Kieler Ecke um Zentimeter am langen Pfosten vorbei. Und doch war der FCE agiler und mutiger als im ersten Abschnitt. Kauko hielt den Kopf in eine Ecke von Torsten Mattuschka, verfehlte das Kieler Tor jedoch deutlich (72.). Die Lausitzer bemühten sich um die Herrschaft im eigenen Hause, doch die Neitzel-Elf verteidigte clever. Echte Gefahr strahlten die „Roten“ kaum aus. Zentner parierte einen 18-Meter-Kracher von Sukuta-Pasu (84.). Auch die Einwechslung des Ex-Kielers Andy Hebler brachte dem FCE nicht den Ausgleich, sodass die KSV drei Punkte aus Cottbus entführte.

Stimmen nach dem Spiel

Steven Lewerenz: „Es war ein hart umkämpftes Spiel. Wir haben es super gemacht. Cottbus hatte viel vor. Der erste Dreier nach langer Zeit tut gut und wir fahren überglücklich ins Hotel zurück.“

Dominik Schmidt: „Wir haben in den letzten Wochen auch einen hohen Aufwand betrieben, uns aber nicht belohnt. Daher war der Sieg heute wichtig für die ganze Mannschaft, die ein sehr gutes Spiel gezeigt hat.“

Rafael Czichos: „Wir haben uns den Sieg erarbeitet. Es gab viele strittige Situationen, das 1:1 war für mich nicht regulär und wir bekommen einen Handelfer nicht. Und doch gehen wir als Gewinner vom Platz.“

KSV-Präsident Roland Reime: „Es war ein guter Auswärtssieg und die drei Punkte waren wichtig. Aber wir haben uns den Sieg verdient, weil wir letztlich die bessere Mannschaft waren.“

Karsten Neitzel (Trainer Holstein Kiel): Ich mache der Mannschaft heute einfach einmal ein Kompliment für einen insgesamt sehr, sehr guten Auswärtsauftritt. Auch deswegen, weil unsere Situation nicht viel anders gewesen ist als in Cottbus. Wir hatten nach neun Spielen neun Punkte. Deswegen ist es dann auch nicht selbstverständlich, dass die Mannschaft ganz überzeugend versucht, den Gegner vorne anzulaufen. Hinten haben wir lange Zeit sehr sicher und kompakt gestanden. Auch fußballerisch war das ansehnlich, was wir auf den Platz gebracht haben. Dass wir hier in Cottbus ein paar Momente überstehen mussten, wo wir mit der einen oder anderen Portion Glück auch nochmal den Fuß dazwischen bekommen haben, ist völlig normal. Für uns ist es jetzt ganz, ganz wichtig, dass wir kurz mal die Spannung abfallen lassen, aber umso wichtiger ist dann, die Spannung wieder aufzubauen, damit wir so einen guten Auftritt auch am Samstag in Aue hinbekommen.

René Rydlewicz (Interimstrainer Energie Cottbus): Wir haben uns das anders vorgestellt. Wir haben uns unter der Woche Dinge erarbeitet, die wir in der ersten Halbzeit gar nicht umsetzen konnten. Wir waren einfach zu passiv, verunsichert und haben den Gegner dadurch stark gemacht. In der zweiten Halbzeit sah das dann anders aus: Da haben wir genau die Dinge gemacht, die wir von Anfang an tun wollten. Gepaart mit den Wechseln sind wir besser ins Spiel gekommen, haben besser Fußball gespielt, die eine oder andere Chance gehabt und auch ein Tor gemacht. In so einer Situation im Abstiegskampf kann man über die erste Halbzeit nur sagen: Das war schlimm. Ich bin froh, dass die Mannschaft in der zweiten Halbzeit eine Reaktion gezeigt hat.

Energie Cottbus: Renno – Kaufmann, Mimbala, Möhrle, Szarka – Hübener (46. Zickert), Kauko – Holz (86. Hebler), Bouziane, Kyereh (46. Mattuschka) – Sukuta-Pasu. Trainer: Rydlewicz
Holstein Kiel: Zentner – Herrmann, Schmidt, Czichos, Kohlmann – Lewerenz (74. Sané), Nyarko, Kegel (86. Hartmann), Heider (81. Weidlich) – Schnellhardt, Schäffler. Trainer: Neitzel
Schiedsrichter: Kempkes (Koblenz)
Tore: 0:1 Lewerenz (16.), 1:1 Kauko (50.), 1:2 Schmidt (54.)
Zuschauer: 5.122

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