Hitziger Jahresabschluss endet ohne Punkte für Störche

SV Sandhausen - Holstein Kiel 3:1 (0:0)

Zum Jahresabschluss kassiert Holstein Kiel nach zehn Spielen ohne Niederlage eine empfindliche 1:3-Pleite beim SV Sandhausen. Nach torloser erster Halbzeit schlugen effiziente Sandhäuser dreimal binnen 14 Minuten zu (Paqarada/57., Höler/61. Foulelfmeter, Sukuta-Pasu/(71.), bevor Dominic Peitz zum Endstand köpfte (78.). Empfindlich war die nicht das Ergebnis, sondern folgenschwere persönliche Strafe binnen der 90 Minuten: Alexander Mühling und Rafael Czichos sahen die fünfte Gelbe Karte und fehlen im ersten Spiel im neuen Jahr gegen Union Berlin ebenso wie Dominik Schmidt, der mit Gelb-Rot vom Platz musste.

Die KSV ging mit zwei Änderungen ins letzte Spiel des Jahres 2017: Trainer Markus Anfang schickte im Vergleich zum 0:0 in Braunschweig Tom Weilandt und Aaron Seydel für Kingsley Schindler und Marvin Ducksch (beide Bank) auf das unebene Geläuf.

Die Störche starteten mit mehr Schwung und hatten durch Aaron Seydel zwei erste gute Situationen im Sandhäuser Strafraum. SVS-Keeper Marcel Schuhen bekam letztlich seine Finger dazwischen (7. und 10.). Nach einer Viertelstunde wollten die Gastgeber das Spiel nicht komplett den ganz in Rot spielenden Störchen überlassen und rückten weiter auf. Drei Ecken in drei Minuten konnte die KSV-Defensive entschärfen. Kenan Kocak schien seine Elf jedoch nicht griffig genug, daher wechselte Sandhausens Chefcoach bereits nach 30 Minuten. Beide Teams versuchten flüssige Kombinationen aufs Geläuf zu bringen, bei den vielen Löchern im Rasen blieben jedoch häufig lange Bälle das effektivere Mittel der Wahl.  Kocaks Spielerwechsel zeigte vorerst keine Wirkung, zur Pause hatten die Kieler 65 Prozent Ballbesitz und 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, nach Toren stand es jedoch 0:0. Auch weil Schuhen kurz vor der Pause noch einen 17-Meter-Schuss von der Linie gekratzt hatte.

Die zweite Hälfte begann wie die erste: Holstein war das aktivere Team, ohne echte Gefahr aufs Sandhäuser Tor beschwören zu können. Dann rückte Schiedsrichter Thorben Siewer in den Mittelpunkt: Denis Linsmeyer klärte mit dem Oberarm zur Ecke, die Kieler Reklamationen nach einem Handelfmeter blieben ohne Wirkung. Auf der anderen Seite ahndete der 30-jährige Referee ein Blocken von Rafael Czichos am KSV-Strafraum als Foul und zeigte dem Störche-Kapitän noch die fünfte Gelbe Karte. Den Freistoß zirkelte Leart Paqarada zum 1:0 in den Winkel (57.). Es folgte die nächste knifflige Szene: Herrmann grätschte im Fünfmeterraum gegen Maximilian Jansen, traf halb den Ball und halb den Gegenspieler. Siewer zeigte unter norddeutschen Protesten auf den ominösen Punkt und Höler verwandelte zum 2:0 (61.).  Das Spiel war binnen vier Minuten zugunsten der Süddeutschen gekippt und überschlug sich vollends. Richard Sukuta-Pasu dribbelte sich durch die Störche-Abwehr und ließ Kenneth Kronholm keine Chance – 3:0 (71.).  Dieser Jahresabschluss hatte binnen 14 Minuten eine unglaubliche Wendung genommen. Drei Tore schlechter war die KSV auf keinen Fall gewesen. Das dachte sich auch Dominic Peitz und köpfte nach der neunten Kieler Ecke zum 3:1 ein (78.). Die Gäste warfen noch einmal alles nach vorne: Peitz war auf und davon, bis Kister ihn regelwidrig stoppte und mit Gelb-Rot vorzeitig duschen musste (85.). Die Elf von Markus Anfang warf noch einmal alles nach vorne, einen Konter unterband der bereits verwarnte Schmidt mit einem Foul und musste ebenfalls vorzeitig mit Gelb-Rot runter (90.+2). Nach 95 Minuten mussten sich die Störche letztlich nach einer unglücklichen zweiten Halbzeit mit 1:3 geschlagen geben. Es war zugleich die erste Niederlage nach zehn Spielen ohne Pleite.

Stimmen nach dem Spiel

Johannes van den Bergh: „Ärgerlich, dass es uns vor Weihnachten doch noch erwischt hat. Aber das wirft uns nicht um. Wir haken das schnell ab und werden uns für die restliche Saison gut vorbereiten.“ 

Kenneth Kronholm: „Ich will gar nicht viel über das Ergebnis sprechen. Es war kein einfaches Spiel auf schwierigen Platzverhältnissen. Wir haben es eigentlich gut gemacht, aber dann bekommt die Sache durch zwei ruhende Bälle eine völlig andere Wendung. Aber wir davon dürfen wir uns nicht ablenken lassen, wie geil das Jahr gewesen ist.

Dominik Schmidt: „Der Spielverlauf war bitter für uns, weil wir bis zum Gegentor das bessere Team waren. Wir haben trotz der Unruhe bis zum Ende alles versucht, hatten aber heute das Glück nicht auf unserer Seite. Schade für unsere Fans, denen wir gerne einen schöneren Jahresabschluss bereitet hätten.“

Markus Anfang, Trainer der KSV: „Das war heute sehr bitter für uns, wir haben eine richtig gute erste Halbzeit gespielt. Wir haben trotz der schwierigen Platzverhältnisse versucht, Fußball zu spielen. In der zweiten Halbzeit bekommen wir in der ersten Situation das Gegentor, dann den Elfmeter - damit war das Spiel komplett gedreht. Meine Jungs haben alles versucht, sich nie aufgegeben, das zeichnet diese Mannschaft aus. Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung diese Mannschaft.“ 
 
Kenan Kocak, Trainer der SVS: „In den ersten 30 Minuten kamen wir mit dem Offensivspiel der Kieler nicht klar, aber nach und nach hat es besser geklappt. Respekt vor der Mannschaft, wie sie in der zweiten Halbzeit aufgetreten ist. Vor drei Wochen waren hier im Umfeld noch alle nervös, wir sollten uns als SV Sandhausen aber in Demut üben und uns darüber freuen, dass wir die beiden letzten Spiele gewonnen haben.“  

Spielinfo

SV Sandhausen: Schuhen - Kister, Seegert (30. Jansen), Knipping - Linsmayer, Zejnullahu (81. Derstroff) - Gipson, Paqarada - Sukuta-Pasu, Höler (88. Förster), Daghfous. Trainer: Kocak
Holstein Kiel: Kronholm – Herrmann  (72. Ducksch), Schmidt, Czichos, van den Bergh - Kinsombi – Weilandt (65. Schindler), Mühling, Drexler, Lewerenz (72. Peitz) – Seydel. Trainer: Anfang
Schiedsrichter: Siewer (Olpe)
Tore:  1:0 Paqarada (57.), 2:0 Höler (61., Foulelfmeter), 3:0 Sukuta-Pasu (71.), 3:1 Peitz (78.)
Zuschauer: 4.829
Gelb-Rote Karte: Kister (85.), Schmidt (90.+2)

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