Peitz feierte Jubiläum

Holstein-Routinier absolvierte sein 200. Zweitligaspiel

Beim 1:1 auf der Bielefelder Alm bestritt Dominic Peitz bereits sein 201. Zweitligaspiel

Beim 2:1-Sieg gegen den 1. FC Heidenheim bestritt Dominic Peitz das 200. Zweitligaspiel seiner Karriere. Eine beeindruckende Zahl, die er sich in den Trikots des VfL Osnabrück, Union Berlin, Hansa Rostock, Karlsruher SC und zuletzt der KSV Holstein erarbeitete, bei der er noch bis Juni 2019 unter Vertrag steht. Der 33-Jährige, in Geseke bei Paderborn geboren, ist einer der Väter des Kieler Höhenfluges. Einer, dessen Traum es gewesen war, EIN Spiel in der Zweiten Liga bestreiten zu dürfen. Im Holstein Magazin erinnert er sich an fünf ganz besondere Partien:

Mein erstes Zweitligaspiel

In der Regel dauern Fußballspiele 90 Minuten, mein erstes in der Zweiten Liga war schon nach 28 Minuten vorbei. Ich spielte mit dem VfL Osnabrück beim FC St. Pauli, es war der 1. Spieltag der Saison 2008/09, und ich hatte am Morgen im Mannschaftshotel erfahren, dass ich zur Startelf gehöre. Wir lagen 0:2 zurück, als mein Trainer Claus-Dieter Wollitz mich vom Feld nahm. Nachvollziehbar, wenn ich mich recht entsinne. Ich hatte in der 3. Liga zwar schon das eine oder andere Mal am Millerntor gespielt, aber ein Zweitliga-Spiel in diesem Stadion ist noch einmal eine ganz andere Sache. Eine intensivere Atmosphäre, mehr Journalisten, überall Kameras – ich war mit dieser Situation überfordert und habe viele Fehler gemacht. Wie es mir mit der Auswechslung ging? Ich war der einsamste Mensch der Welt, fühlte mich schuldig und habe mich gefragt, ob ich den Ansprüchen dieser Liga gewachsen bin. Ich erinnerte mich an einen Rat zu meinen Zeiten bei Werder Bremen II. Da durfte ich bei den Profis mittrainieren, und Torsten Frings erzählte mir, dass er in einem seiner ersten Bundesligaspiele ausgewechselt worden sei. Und der einzig richtige Umgang damit der ist, weiter an sich zu glauben und hart zu trainieren. Das habe ich getan. In den folgenden vier Spielen bin ich eingewechselt worden, dann, beim 1:0-Sieg gegen den TuS Koblenz, stand ich wieder in der Startelf. Wie das Spiel gegen St. Pauli endete? Ohne mich gelang dem VfL ein 2:2. 

Das Berlin-Derby

Mit Union Berlin traf ich, im zweiten Jahr nach unserem Aufstieg, im Berliner Olympiastadion auf Hertha BSC. Wir hatten im Hinspiel in Köpenick 1:1 gespielt, zum Rückspiel im Februar 2011 begleiteten uns rund 25.000 Fans. Die Blöcke links und rechts vom Marathontor waren komplett in Rot getaucht – ein beeindruckendes Bild! Das Stadion war mit 74.244 Zuschauern ausverkauft und die Hertha hatte eine Mannschaft, die nach dem Abstieg fast komplett zusammengeblieben und gegen uns haushoher Favorit war. Das Spiel hatte nicht nur wegen des Stadt-Derbys einen besonderen Charakter, hier spielte, gefühlt, der arme Osten gegen den reichen Westen. Es war für Union das erste Pflichtspiel im Olympiastadion nach der Wende, auch das trug zur Brisanz bei. Obwohl Hertha die bessere Mannschaft war, gewannen wir 2:1. Die Vorlage zum 0:1-Rückstand kam von mir. Anschließend haben wir eine gefühlte Meisterfeier abgehalten, drei Stunden nach dem Abpfiff saßen wir in der Kabine noch im Whirlpool, dann machten wir in Köpenick die Nacht zum Tag. Bei Union, hier spielte ich übrigens mit Patrick Kohlmann (heute Co-Trainer der KSV, d. Red.) zusammen, durfte ich zum Zweitliga-Spieler reifen. 

Relegation gegen den HSV

Zeitgleich mit den Störchen, die am Ende der Saison 2014/15 gegen den TSV 1860 München um den Aufstieg in die
2. Liga spielten, trafen wir mit dem Karls­ruher SC in der Relegation zur 1. Liga auf den Hamburger SV. Wir hatten uns schon Wochen zuvor entschieden, bis zum Aufstieg die Bärte wachsen zu lassen, entsprechend wild sahen wir aus. Im Volkspark war ich zuletzt als 18-Jähriger bei einer Stadionführung gewesen, aber gespielt hatte ich vor dieser Kulisse noch nie. Die Stimmung in Karlsruhe war schon Tage  zuvor außergewöhnlich gewesen. Als klar war, dass wir als Dritter die Relegation erreicht haben, standen die Menschen in einer 500 Meter langen Schlange rund um unser Stadion an, um Tickets zu kaufen. Sie applaudierten uns, als wir zum öffentlichen Training rauskamen – ein Gänsehaut-Moment. Als wir im Bus zum Volkspark fuhren, haben 3000 bis 4000 HSV-Fans Spalier gestanden und mit den Fäusten dagegen geschlagen. Und dann gehen wir in der vierten Minute durch Rouwen Hennings mit einem 20-Meter-Schuss in Führung! Wir waren das bessere Team, trafen noch Pfosten und Latte. Wir hätten dort gewinnen müssen, aber am Ende hieß es 1:1. Ich kassierte die 10. Gelbe Karte, eine berechtigte, und musste im Rückspiel aussetzen. Ich weiß noch, dass ich damals ein krasses Statement („Wenn 50 Millionen nichts mehr einfällt…“) abgegeben habe, das bundesweit in den Medien lief. Der Hamburger Kader war extrem namhaft und hochkarätig besetzt, aber wir haben diesem Gegner mit Euphorie und Leidenschaft den Schneid abgekauft. Wir sind in dieser Nacht in Hamburg geblieben, ich war bis halb eins in der Sauna, anschließend an der Bar, um noch zwei Gläser Wein zu trinken. Im Wissen, dass diese Saison für mich vorbei ist. Und leider verloren wir dann das Rückspiel….(1:2 in der Verlängerung, dem KSC fehlten zwei Minuten zum Aufstieg, d. Red.).

Abschied vom Karlsruher SC

In der Saison 2015/16 wurde ich beim Karlsruher SC verabschiedet, beim Heimspiel gegen Arminia Biele­feld. Auch dieses Spiel ist für mich unvergesslich, auch wenn ich mich an das Ergebnis gar nicht mehr erinnere. Den Blumenstrauß, das weiß ich noch, schenkte ich einer Rollstuhlfahrerin. Und als ich mich dann zur Fankurve umdrehte, sah ich die Choreographie, die die Fans für mich entwickelt hatten. Für einen Spieler!! Viel mehr Ehre geht nicht. Das hat mich sehr berührt. Ich war nicht in der Startelf, bin schon in der Halbzeit, als ich mich aufwärmte, zu den Fans gegangen, um mich zu bedanken. 20 Minuten vor dem Ende wurde ich mit stehenden Ovationen von den Fans gefordert und eingewechselt. Karlsruhe ist für mich eine besondere Station, auch weil ich dort meine Frau Britta geheiratet habe und auch unsere erste Tochter geboren wurde. Mit dem KSC erlebte ich zudem eine erfolgreiche Zeit. Gemeinsam sind wir aus der Dritten Liga aufgestiegen, im ersten Jahr Fünfter geworden, dann die Relegation erreicht, und in meiner letzten Saison belegten wir Platz sieben. Ich bin verletzungsfrei geblieben und habe das Gros der Spiele mitmachen dürfen. Bei den Vertragsverhandlungen konnten wir uns dann nicht einigen, deshalb ging ich nach Kiel.  

Der Aufstieg in Großaspach

Meine erste Saison bei der KSV hatte unglücklich begonnen. Ich verletzte mich in der Vorbereitung, fehlte bei den ersten fünf Spielen und habe eine gewisse Anlaufzeit gebraucht. Erst in der Rückrunde lief es für mich rund. Das war keine einfache Situation, schließlich hatte der Verein Ambitionen und deshalb auch zweitligaerfahrene Spieler wie Dominick Drexler, Alexander Mühling und mich geholt. Deshalb war
es umso befreiender, dass wir schon in der ersten Saison den Aufstieg erreichen konnten. Ein Ziel, das wir uns für die kommenden drei Jahre gesteckt hatten. An das entscheidende Spiel, das wir 1:0 in Großaspach gewannen, kann ich mich auch deshalb so gut erinnern, weil drei Tage zuvor unsere zweite Tochter geboren wurde. Ich reiste, nach zwei schlaflosen Nächten und intensiven Tagen, in denen ich mich um ihre Schwester gekümmert habe, der Mannschaft hinterher und kam am Freitag, dem Tag vor dem Spiel, erst kurz vor Mitternacht im Hotel an. Beeindruckend war auch, wie viele Fans uns begleitet hatten. Als ich mich im Vorfeld zu dem Spruch („Wer was Großes erleben will, setzt sich ins Auto und fährt nach Großaspach“) hinreißen ließ, habe ich nicht damit gerechnet, dass es dann so viele tatsächlich machen würden (Mehr als 1500 Fans begleiteten die KSV, d. Red.). Auf der Heimreise hat uns der Pilot mit einer Notlandung gedroht, wenn wir im Flieger ähnlich laut singen wie auf dem Flughafen. Aber das hat die Stimmung nicht beeinträchtigt! Der Empfang um Mitternacht am Holstein-Stadion war unglaublich, der Autokorso am Wochenende danach zum Rathausplatz einfach einmalig. Dann die Party auf dem Rathausplatz vor 10.000 Menschen: Das war der bislang tollste Moment in meiner Karriere! 

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