Paukenschlag gegen Bullen

RB Leipzig - Holstein Kiel 1:5 (1:3)

Der Stierkampf wurde zur Bullenjagd. Die KSV Holstein siegte am Freitag-Abend deutlich und auch in der Höhe verdient bei RB Leipzig mit 5:1. Die Störche zeigten nicht nur ihre beste Saisonleistung, sondern auch Moral. Nach einem 0:1-Rückstand kämpfte sich die Mannschaft zurück und spielte über den Rest der Partie einen beeindruckenden Fußball. Beste Kieler waren der dreifache Torschütze Marc Heider und Schlussmann Michael Frech.

In der letzten Viertelstunde jubelten die Leipziger Fans. Doch sie feuerten nicht ihre „Roten Bullen“ an, sondern die Kieler Störche. Und den Jubel hatte sich das Gutzeit-Team in einem beeindruckenden Spiel mehr als verdient. Lediglich in den ersten 15 Minuten konnten die Gastgeber in Ansätzen eine vorhergesagte Dominanz erspielen, die restlichen 75 Minuten glichen einer Bullenjagd. In der 16. Minute hatte Frahn die Rasenballsportler zu diesem Zeitpunkt nicht unverdient in Führung gebracht, KSV-Keeper Frech hatte zuvor schon zweimal klären müssen, dann begann der eiskalte Holstein-Sturmlauf. Nach zwei Abseitsstellungen legte sich Marc Heider einen langen Pass optimal mit der Brust vor und schloss satt ins lange Eck zum 1:1 ab (21.). Nur drei Minuten später ein Traumkonter über Heider und Meyer, der nur noch ins leere Tor zum 2:1 einschieben musste (24.). RB Leipzig zeigte sich zunächst nicht geschockt und drängte auf den Ausgleich. Bis zur 35. Minute klärte Kapitän Michael Frech gleich dreimal sensationell. In der 39. Minute dann die frühe Vorentscheidung: Sofied Chahed hatte intelligent Marc Heider freigespielt der zum 3:1 Pausenstand einschoss. Die Störche-Dominanz nahm von Minute zu Minute zu. Kurz vor der Pause skandierten die 3.600 Leipziger Anhänger „Wir wollen Euch kämpfen sehen.“

Nach der Pause spielte Holstein mit der Führung im Rücken weiter selbstbewusst und stand zugleich dicht gestaffelt in der Defensive. Und wenn die Bullen mal zum Abschluss kamen, scheiterten sie am bärenstarken Michael Frech. Ab der 60. Minute ebbte die Leipziger Angriffslust ab und Holstein schlug sofort zu. Marc Heider, bislang an allen Treffern beteiligt, tankte sich kraftvoll über außen durch die RB-Abwehr, flankte in die Mitte, wo Steve Müller klasse aus zehn Metern zum 4:1 einschoss (61.). In der 71. Minute machte der überragende Marc Heider den Sack zu: Von Flo Meyer geschickt, vollendete er alleine vor RB-Schlussmann Gäng zum 5:1. Die letzten 19. Minuten vergingen mit schönen Kieler Ballstafetten, Auswechslungen auf beiden Seiten und verzweifelten RB-Spielern. Beide Vorhersagen des RB-Sprechers Hans-Georg Felder, 6.000 Zuschauer und drei Punkte für die Gastgeber, traten nicht ein.

Das 5:1 der Störche war nicht nur aufgrund der Höhe ein beeindruckender Sieg, sondern auch aufgrund der hervorragenden Leistung. Aggressivität, taktische Disziplin und Spielfreude stimmten bei den Störchen und belegten das Potential, das in der Gutzeit-Elf steckt. 

Holstein-Coach Gutzeit meinte nach dem Kantersieg: „Nach dem Rückstand haben wir zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht und hatten in einigen Situationen viel Glück. Marc Heider mit seiner Dynamik war heute sicher der überragende Mann. Bemerkenswert war für mich auch, dass sich die erneut völlig neu formierte Viererkette so gut präsentiert hat. Und Benjamin Schüßler sowie Sofien Chahed haben ihre Sache nach langer Verletzungspause auch sehr gut gemacht. Ich sehe heute gewisse Parallelen zu unserem Erfolg in Chemnitz. Ich bin mit diesem Ergebnis natürlich sehr, sehr zufrieden.“

Thomas Oral zeigte sich nach dem Debakel ratlos: „Es ist schwer, jetzt nach Erklärungen zu suchen. Wir hatten unsere Chancen in der Anfangsphase, haben alles versucht, sind aber immer wieder bestraft worden. Holstein hatte eine hervorragende Effektivität. Und wir sind noch nicht stabil genug, um solche Rückschläge wegzustecken.“

Der Torschützenkönig der Regionalligasaison 2009/10, Daniel Frahn, sagt: „So eine Niederlage ist mir unverständlich. Wir müssen jetzt schnellstmöglich selbst den Karren aus dem Dreck ziehen.“

RB Leipzig: Gäng - Hertzsch, Kläsener, Rosin, L. Müller (ab 72. Sebastian) - Rost (ab 72. Franke) - Baier (ab 56. Kutschke), Kammlott, Rockenbach da Silva, Schinke - Frahn.

Holstein Kiel: Frech – Petersen, Steil, Jürgensen, Gutzeit – Müller, Fischer – Schüßler (ab 85. Lindner), Chahed (ab 72. Sykora), Meyer – Heider.

Tore: 1:0 Frahn (16.), 1:1 Heider (21.), 1:2 Meyer (24.), 1:3 Heider (39.), 1:4 Müller (61.), 1:5 Heider (71.)

Zuschauer: 3.621

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