Dominante Störche kassieren Lucky Punch

Holstein Kiel - VfL Osnabrück 0:1 (0:0)

Die KSV Holstein muss in letzter Sekunde eine 0:1-Niederlage gegen den VfL Osnabrück einstecken. Dabei war ein Sieg des Neitzel-Teams greifbar. Die Störche erspielten sich vor 5.039 Zuschauern ein klares Chancenplus und hätten spätestens mit dem Pausenpfiff in Führung gehen können, als Schiedsrichter Justus Zorn zweimal Blau-Weiß-Rot benachteiligte. Der VfL hatte allerdings das Glück des Obenstehenden und schockte die Kieler in letzter Sekunde mit dem 0:1 durch Addy Waku-Menga.

Gezwungenermaßen änderte Holstein-Trainer Karsten Neitzel die Sechs-Punkte-Startelf der letzten 14 Tage. Für den verletzten Tim Siedschlag begann Finn Wirlmann im defensiven Mittelfeld.

Für den VfL Osnabrück lautete das Motto des heutigen Tages: Alles kann, nichts muss. Immer wieder nahmen die in Auswärts-Grau spielenden Gäste Tempo aus dem Spiel, in dem sie bis zu ihrem Torwart Marvin Schwäbe zurückspielten. Die Störche versuchten Druck aufzubauen, pressten mutig gegen den Osnabrücker Ballbesitz und waren dem Torerfolg näher als der Gegner: Nach einem Kopfball von Willi Evseev streckte sich Schwäbe (9.), bei einer Doppelchance durch Finn Wirlmann und Mathias Fetsch retteten der Innenpfosten und Christian Groß, der Höhepunkt folgte unmittelbar vor dem Pausenpfiff. Der 25-jährige Schiedsrichter Justus Zorn lag mit einer Abseitsentscheidung von Willi Evseev daneben und versäumte zuvor eine klare Attacke an Fetsch mit Elfmeter zu ahnden. So ging es mit vielen Diskussionen aber ohne Tore in die Kabinen.

Offenbar motiviert den Patzer des Schiedsrichters zu korrigieren, entwickelte sich der zweite Durchgang zum Sturmlauf der Störche. Rafael Czichos und Steven Lewerenz scheiterten an Schwäbe (60., 62.). Der VfL kam über Nadelstiche nicht hinaus. Anthony Syhre hebelte das Spielgerät aus 14 Metern über das Kieler Tor. Auf der anderen Seite grätschte Evseev unmittelbar vor Schwäbe erst um Zentimeter am Leder vorbei (76.), um es wenig später aus der Distanz nicht besser zu machen. Sein 19-Meter-Schuss zischte über die Latte (80.). Die Störche versuchten im Schlussspurt noch den Lucky Punch zu setzen, der gelang aber dem Gast: Dem eingewechselten Addy Waku-Menga fiel das Leder vor die Füße und stocherte es über den Innenpfosten ins Netz. Der VfL konnte sein Glück nicht recht fassen, während die die KSV der eigenen Chancenverwertung und dem Last-Minute-Gegentreffer hinterher trauerte.

Stimmen nach dem Spiel

Rafael Czichos: „Osnabrück weiß nicht so genau, wie sie hier drei Punkte mitgenommen haben. Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Vor allem in der ersten Halbzeit haben wir nichts zugelassen.  Am ende ist es aber zu wenig, da muss man auch ein 0:0 einfahren.“

Robin Zentner: „Das Ding heute wirft uns nicht um. Wie haben ein gutes Spiel gemacht, daran ändert auch die letzte Situation nichts. Wir werden schnell die Köpfe wieder nach oben bekommen und am Freitag geht’s weiter.“

Uwe Stöver (Geschäftsführer Sport): „Das ist bitter, vor allem, wenn man die 90 Minuten betrachtet. Wir mussten zur Halbzeit 1:0 oder 2:0 führen. Wir hatten die deutlich besseren Torchancen. Aber so ist Fußball. Eine Unachtsamkeit, gerade zum Ende hin, und dann gehst du ohne Punkt von der Platte. Das ist brutal ärgerlich.“

Trainer Joe Enochs (VfL Osnabrück): „Die letzte Viertelstunde der ersten Hälfte standen wir enorm unter Druck und gingen glücklich mit 0:0 in die Pause. In der zweiten Halbzeit hatten wir keine Chancen, haben aber gut verteidigt und auch diese Phase überstanden. Dass der Sieg unheimlich glücklich ist, das sehen wir auch. Aber wir müssen uns nicht schämen dafür.“

Trainer Karsten Neitzel (Holstein Kiel): „Eine sehr gute erste Halbzeit der Mannschaft, mit genügend Situationen in Führung gehen zu müssen. Auf der Gegenseite haben wir auch nichts zugelassen. Wir hatten eine totale Präsenz in allen Mannschaftsteilen. Die zweite Halbzeit war nicht mehr ganz so flüssig. Wr müssen es das 0:0 nach Hause fighten. Uns haben vorne 1,5 Prozent gefehlt und am Ende auch 1,5 hinten. Wir können die Zeit aber nicht zurückdrehen und müssen die Niederlage schnell aus den Köpfen bekommen.“

Holstein Kiel: Zentner – Herrmann, Sigurbjörnsson, Czichos, Kohlmann – Lewerenz, Wirlmann (71. Kegel), Evseev (87. Schmidt), Schnellhardt – Fetsch (77. Schäffler), Heider. Trainer: Neitzel
VfL Osnabrück: Schwäbe – Falkenberg, Pisot, Willers, Dercho – Syhre, Groß – Ornately (45. Tigges), Hohnstedt (87. Waku-Menga) – Alvarez, Savran (67. Sembolo). Trainer: Enochs
Schiedsrichter: Zorn (Opfingen)
Tore: 0:1 Waku-Menga (90.+1)
Zuschauer: 5.039

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