Achtelfinale! Pokalsensation perfekt!

Kazior und Sykora schießen Störche eine Runde weiter

Holstein steht erstmals seit 32 Jahren im Pokal-Achtelfinale.

Holstein Kiel steht im Achtelfinale des DFB-Pokals – und das hochverdient. Dank einer starken Mannschaftsleistung besiegten die Störche den Zweitligisten MSV Duisburg mit 2:0. Nach einer guten erste Hälfte drehten die Störche nach der Pause weiter auf und machten die Pokalsensation per Doppelschlag perfekt. In der 54. Minute staubte Kapitän Rafael Kazior nach krassem Fehler von MSV-Torwart Fromlowitz zum 1:0 ab. Zwei Minuten später erhöhte Fiete Sykora per Kopf zum 2:0. In den restlichen 30 Minuten brachten die starken Störche gemeinsam mit den knapp 9.000 Zuschauern die Gäste zur Verzweiflung und zogen sicher ins DFB-Pokalachtelfinale ein.

Holstein-Trainer Thorsten Gutzeit stellte seine Störche zum 5:2-Sieg gegen den FC Energie Cottbus II auf zwei Positionen um. Rafael Kazior rückte für Karsten Fischer ins defensive Mittelfeld. Tim Siedschlag begann auf dem rechten Flügel für Jacob Sachs.

Kein Unterschied zwischen RL und 2. Liga

Schon vor dem Anpfiff glich das Holstein-Stadion einem Hexenkessel. In den ersten fünf Minuten schien der MSV die Gastgeber schon in der eigenen Hälfte früh attackieren zu wollen. Doch der Druck erwies sich als Strohfeuer. Denn Holstein kam in den folgenden Minuten immer besser ins Spiel. Kazior und Toksöz räumten in der Mitte auf, Lindner und Heider zündeten in der Offensive den Turbo. Nach 16 Minuten die Riesenschance für die Störche. Heider hatte sich stark auf rechts durchgetankt, auf Sykora in den MSV-Strafraum gelegt. Nach kurzer Drehung stand Kiels Nummer 22 alleine vor Zebra-Schlussmann Fromlowitz, zielte aber etwas zu präzise und der Ball strich wenige Zentimeter am langen Pfosten vorbei. Von Duisburg bis dahin nichts zu sehen. Ab der 20. Minute zog sich die KSV etwas zurück und es folgte eine bessere Phase des Zweitligisten. Störche-Schlussmann Jensen hielt einen Jula-Kopfball sicher (23.) und lenkte einen Schuss aus zehn Metern von Pamic (28.) über die Latte. Der MSV-Linksverteidiger Wolze schoss aus guter Position weit über das Tor (35.). Auch Holstein blieb gefährlich. Jaroslaw Lindner konnte nur in letzter Sekunde vor dem Strafraum gelegt werden. Den 18-Meter-Freistoß setzte Siedschlag allerdings in die Mauer (40.). Torlos ging es in die Kabinen. Dabei hätte es genau so gut 1:1 oder 2:2 stehen können. Ein Leistungsunterschied zwischen Regional- und Zweitligist war bislang nicht erkennbar.

Kazior und Sykora stehen goldrichtig 

Thorsten Gutzeit und Milan Sasic schickten ihre Teams unverändert zurück auf den Rasen. Holstein spielte weiter munter nach vorne, angetrieben von einem starken Toksöz, der nur durch Fouls zu bremsen war. So auch nach 52 Minuten. Den fälligen Freistoß zirkelte Siedschlag aufs Tor, MSV-Schlussmann Fromlowitz wollte den Ball locker vor der Latte runterpflücken, ließ den Ball aber fallen und KSV-Kapitän Kazior drückte aus wenigen Zentimetern ein zur 1:0-Führung (54.). Holstein wie aufgedreht. Zweite Störche-Ecke, Siedschlag flankt passgenau auf den Kopf von Sykora, 2:0 (58.). Mannschaft und Fans – alle Störche standen wie eine Wand gegen den Zweitligisten, dem immer weniger einfiel und stattdessen gelbe Karten für Frustfouls sammelte. Die Störche wackelten in der Defensive nicht und konterten stattdessen. Fabian Wetter sprintete von der Mittellinie allein auf Fromlowitz zu, der das Eins-gegen-eins gewann. In den letzten Minuten erhöhte Duisburg noch einmal den Druck, ohne große Gefahr oder einen Torerfolg. Holstein siegte hochverdient mit 2:0. Die knapp 9.000 Zuschauer hatten die letzten Minuten mit stehenden Ovationen und Jubelstürmen verbracht.

Stimmen

Holsteins Sportlicher Leiter Andreas Bornemann sagte nach dem 2:0 Pokaltriumph: „Der Sieg war hochverdient. Wir hatten die klareren Chancen und haben in der Defensive sicher gestanden. Dazu hatten wir einen starken Torwart, den man in solch einem Spiel benötigt.“ Der Torschütze zum 1:0, Rafael Kazior, äußerte sich glücklich nach seinem Abstauber: „Ich war ja früher mal Stürmer und habe gesehen, dass der Ball von Sido immer länger wird. Ich hab darauf spekuliert, dass der Ball an die Latte springt. Dass Fromlowitz ihn fallen lässt, damit habe ich nicht gerechnet. Ich muss mir erst mal die Fernsehbilder angucken. Ich weiß nicht mehr, wie ich ihn genau rein gemacht habe. Vielen Dank auch noch mal an diese Hammer-Fans, das war Weltklasse!“ Jarek Lindner meinte nach dem Spiel erschöpft: „Das war ein geiles Spiel vor einer geilen Kulisse. Nach den zwei Wochen Verletzung bin ich jetzt ziemlich alle.“ Der verletzte Kapitän Christian Jürgensen meinte überglücklich: „Ich bin superstolz auf diese Leistung, auf dieses Publikum und auf meine Jungs. Besonders die Defensive um Steilo und Aaron war absolut stark!“ Die Kieler waren einfach wunschlos glücklich. Keinem konnte man einen Wunschgegner fürs Achtelfinale entlocken.

Duisburg-Coach Milan Sasic zeigte sich auf der Pressekonferenz enttäuscht: „Gratulation an die Kieler. Wir kennen aus der letzten Saison dieses Erfolgsgefühl im Pokal. Aber wir wussten auch, dass uns hier ein schweres Spiel erwartet, bei dem die Qualität des Gegners nichts mit der Ligazugehörigkeit zu tun hat. In der ersten Halbzeit haben wir noch gut mitgearbeitet und uns eigentlich genügend Chancen herausgespielt und das Tor machen müssen. Das Szenario der zweiten Halbzeit kennen wir aus dieser Saison. Wir geraten in Rückstand und ich sehe Spieler, die zwar bemüht sind, das Spiel umzubiegen, aber denen die Cleverness und die Qualität im Moment fehlt. .Wir wünschen Kiel alles Gute und hoffen, dass dieses gute Team möglichst weit kommt.“

Holstein-Trainer Thorsten Gutzeit sagte zufrieden: „Wir haben ein abwechslungsreiches Spiel gesehen, in dem beide Mannschaften in Führung hätten gehen können. Auch der MSV. Wir haben im zweiten Teil der ersten Hälfte etwas nachgelassen. Da hat uns etwas der Mut verlassen. Dafür hatten wir einen Torwart zwischen den Stangen, der alles was auf die Hütte kam, gut vereitelt hat. Der Halbzeitpfiff kam zum richtigen Zeitpunkt, um Energie und Mut für die zweite Hälfte zu schöpfen. Dann hatten wir Glück, mit zwei Standards die Tore zu machen. Wobei man sagen muss, dass es schon erwähnenswert ist, dass wir gegen solch eine kopfballstarke Mannschaft ein Kopfballtor erzielen. Schließlich merkte man auch, dass heute die Gemütsverfassung der beiden Mannschaften ausschlagebend war. Wir führen die Tabelle unserer Liga an und haben eine Menge Selbstvertrauen. Der MSV hat eine schwierige Zeit und eben kein Selbstvertrauen und daher auch das Pech an den Stiefeln kleben. Trotzdem: Wir haben die zweite Halbzeit toll zu Ende gespielt und weiter auf das dritte Tor gedrängt. Tolle Leistung, tolle Fans, toller Abend. Ich freue mich riesig!“

Der Achtelfinalgegner der Störche wird am Sonntag, den 30. Oktober, live im ZDF um 17.10 Uhr in der ZDF-Sportreportage gezogen. Im nächsten Spiel treffen die Störche am Samstag, den 29.Oktober, auf den FC St. Pauli. Anstoß ist um 14 Uhr am Millerntor. 

Holstein Kiel: Jensen - Herrmann, Steil, Berzel, Poggenberg - Siedschlag (83. Müller), Toksöz (89. Schulz), Kazior, Lindner (74. Wetter)- Sykora - Heider

MSV Duisburg: Fromlowitz - Sukalo, Soares, Bajic, Berberovic - Lazok (75. Exslager), Kern (68. Gjasula), Pamic (62. Kastrati) - Brosinski, Wolze - Jula

Tore: 1:0 Kazior (54.), Sykora (58.)

Zuschauer: 8.891

Schiedsrichter: Fischer

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