Lindner mit Köpfchen zum Sieg

VfR Neumünster – Holstein Kiel 1:4 (1:2)

Holstein Kiel gewinnt das Nordderby beim VfR Neumünster vor 4.437 Zuschauern mit 4:1. Das Gutzeit-Team ging durch Jaroslaw Lindner (18.) früh in Führung. Den Ausgleich durch Christoph Maliszewski (37.), beantwortete Marcel Schied im direkten Gegenzug. (38.). Kurz vor Schluss beendete Lindner zum zweiten Mal per Kopf alle Neumünsteraner Hoffnungen (81.), bevor er mit seinem dritten Treffer den 1:4-Endstand herstellte (90.+1). Holstein Kiel holt im dritten Saisonspiel den zweiten Dreier und belegt nach dem 4. Spieltag Tabellenplatz 5.

Die Störche begannen zum Pokalspiel beim TSV Kropp mit einer Änderung: Tim Siedschlag begann auf der offensiven Außenbahn anstelle von Andy Hebler. Aufgrund der langen Verletztenliste nahm auf der Bank erstmals U23-Kapitän Raphael Gertz Platz, während Fiete Sykora, Gerrit Pressel und Morten Jensen zeitgleich die U23 unterstützten.

Das Derby erinnerte zu Beginn an das Pokalspiel der Vorwoche: Neumünster wartete tief in der eigenen Hälfte auf offensivere Störche und hoffte auf Fehler. So kam das Gutzeit-Team zu den ersten Gelegenheiten: Siedschlag brachte einen 23-Meter-Freistoß vor das Gehäuse von VfR-Keeper Marcus Hesse, der das Leder sicher abfing (5.). In der 7. Minute tankte sich Siedschlag über rechts durch, die Flanke traf Schied aber nicht richtig, sodass die Chance verpuffte. Neumünster wartete auf Fehler, machte aber selbst den ersten entscheidenden. Ex-Storch Yannik Jakubowski verlor an der Außenseite den Ball leichtfertig an Rafael Kazior, der Marcel Schied auf der Grundlinie freispielte. Die Flanke köpfte Jaroslaw Lindner unhaltbar an die Unterkante der Latte und von dort ins Tor (18.). Eigentlich hatte die KSV das Spiel im Griff, Unkonzentriertheiten in der Defensive brachten die Veilchen aber zurück in die Partie. Erst setzte sich Christian Rave energisch gegen Patrick Herrmann und Marcel Gebers durch und legte auf Patrick Fürst, der aus fünf Metern aber kläglich neben das Gehäuse von Niklas Jakusch zirkelte (29.). Dann war es Rave selbst, der Jakusch prüfte. Den Kracher aus spitzem Winkel entschärfte der Holstein-Schlussmann aber überragend (32.). Im dritten Anlauf war dann aber auch Jakusch machtlos: Schneller Konter über die völlig offene linke Kieler Abwehrseite, Rave enteilte Johansen, wartete auf Maliszewski am langen Pfosten, der nach der exakten Flanke das Leder nur noch über die Linie drücken brauchte (37.). Riesenjubel auf den Rängen und auch auf der Ersatzbank, die spontan komplett aufs Feld geeilt war. Der letzte VfR-Reservist hatte gerade wieder Platz genommen, als Toksöz auf Schied flankte, der zur erneuten Führung einköpfte (38.). Bis zur Pause blieb es beim 2:1 für Holstein.

Wachmacher 15 Sekunden nach Wiederanpfiff: Bock von Steve Müller, der eine Querpass zu kurz spielte. Den Lupfer von Abdul Yilmaz klärte Jakusch zur Ecke, die nichts einbrachte. Ohnehin konnten sich die Gastgeber erstmals in der Kieler Hälfte festsetzen. Herrmann klärte einen Maliszewski-Schuss zur Ecke (54.). Neumünster versuchte früher zu stören, Holstein bekam mit Verlauf der zweiten Halbzeit das Spiel aber wieder in den Griff und beruhigte immer wieder über die eigene Defensive. Lange Zeit kam das Spiel ohne Torgelegenheiten aus. In der 74. Minute grätschte Siedschlag knapp an einem Kazior-Freistoß vorbei. Zehn Minuten vor Abpfiff beendete Lindner dann die Hoffnungen des VfR. Auf Flanke des eingewechselten Marc Heider brauchte er für seinen zweiten Treffer das Leder aus drei Metern nur noch über die Linie zu köpfen – 1:3. Sekunden später zappelte der Ball erneut im VfR-Gehäuse, Heider hatte den Ball in den Winkel gezirkelt, Schiedsrichter Dornieden aber einen zunächst gewährten Vorteil doch noch abgepfiffen. Die Kombination Lindner-Heider setzte dann noch den Schlusspunkt. Heider setzte sich über rechts durch, legte in die Mitte auf Lindner, der erneut den Ball nur noch ins leere Tor schieben brauchte (90.+1). Zwei Minuten später war der 4:1-Sieg perfekt.

Stimmen nach dem Spiel

Holsteins Sportlicher Leiter Andreas Bornemann sagte nach dem Abpfiff: „Es war ein Aufwärtstrend zu erkennen, auch wenn wir uns noch zwei, drei individuelle Fehler zu viel erlaubt haben. Wichtig war die direkte Antwort auf das 1:1, sodass wir Neumünster nach der Pause locken konnten und sich für uns Räume ergaben, die wir zur Entscheidung nutzen konnten." 

Der dreifache Torschütze Jarek Lindner erklärte zufrieden: „Natürlich freue ich mich über die drei Tore – einen Doppelpack per Kopf erziele ich ja auch nicht alle Tage –, aber wichtiger waren die drei Punkte. Irgendwann werde ich mich in dieser Spielzeit bei Heidi noch für die beiden Vorlagen revanchieren.“

Verteidiger Steve Müller sagte: „Wir haben hier verdient gewonnen und, wenn ich die Spielanteile betrachte, auch in der Höhe. Uns war klar, dass Neumünster uns das Leben sehr schwer machen wird, dafür haben wir nachher die Tore sehr gut rausgespielt.“

Holstein-Trainer Thorsten Gutzeit: „Der Knackpunkt war das schnelle 2:1 nach dem Ausgleich. Wir wollten nicht wie andere Mannschaften in die Falle des VfR tappen. Durch individuelle Fehler haben wir uns das Leben dann doch wieder schwer gemacht. Auch wenn der Sieg um ein Tor zu hoch ausfällt, haben wir hier verdient gewonnen. Die Zuschauer mögen uns es nachsehen, dass wir in der 2. Halbzeit viel hinten herum gespielt haben. Aber für ein 2:1 hätte es auch nur drei Punkte gegeben.“

VfR-Trainer Ervin Lamce sagte auf der Pressekonferenz: „Schade für die Jungs, die sich heute viel erarbeitet haben. Dass man gegen Holstein so viele Chancen bekommt, hatte ich nicht erwartet. Wenn wir die nutzen, sieht es anders aus. Nach der 80. Minute sind wir mehr Risiko gegangen, was zu den zwei Toren führte. Im Großen und Ganzen kann ich meiner Mannschaft aber keinen Vorwurf machen.“

 

Holstein Kiel: Jakusch – Herrmann, Müller, Gebers, Wetter – Kazior, Toksöz – Siedschlag (78. Hebler), Johansen (85. Hartmann), Lindner – Schied (78. Heider).

Tore: 0:1 Lindner (18.), 1:1 Maliszewski (37.), 1:2 Schied (38.), 1:3 Lindner (81.), 1:4 Lindner (90.+1)

Schiedsrichter: Dornieden (Osnabrück)

Zuschauer:  4.437

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