Vom Tiefschlaf ins Torspektakel

Holstein Kiel - SV Meppen 4:1 (3:1)

Marc Heider bejubelt mit Andy Hebler seinen Treffer zum 1:1-Ausgleich

Torfestival im Holstein-Stadion beim 4:1-Sieg von Holstein Kiel über den SV Meppen. Zwar gelang den Gästen vor 3.403 Zuschauern früh die Führung durch Jan Meyer (9.). Danach spielten aber nur noch die Störche, die durch Treffer von Marc Heider (18.), Marcel Schied (22.) und Rafael Kazior  (42.) bereits zur Pause die Partie zu einem 3:1 gedreht hatten. Nach dem Wechsel traf Casper Johansen (51.) zum 4:1-Endstand. Da Hannover 96 Ii in letzter Minute noch in Rehden mit 2:1 gewann, bleiben die Störche nach diesem Spieltag Tabellenzweiter.

KSV-Trainer Thorsten Gutzeit änderte seine Startelf nach dem starken 3:1-Auswärtssieg bei Werder Bremen II einmal: Nach abgesessener Gelbsperre kehrte Rafael Kazior zurück. Deran Toksöz blieb dafür auf der Bank.

Während die Störche geistig noch in der Kabine zu sein schienen, war Meppen hellwach. Erster Eckball Kiel, blitzsauberer Konter der Gäste und Jan Meyer, von Ex-Storch Michael Holt freigespielt, schob das Leder präzise mit Kontakt des Innenpfosten ins Tor. Die aufgerückten Störche hatten viel zu lange für die Rückwärtsbewegung gebraucht – so stand es bereits in der 9. Minute 0:1. Das Gutzeit-Team reagierte trotzig auf den Traumstart der Gäste – mit Erfolg: Andy Hebler setzte zum Solo an, legte ab auf den freien Marc Heider, der vernaschte noch Sebastian Schepers und schlenzte sehenswert in den Winkel zum 1:1-Ausgleich (18.). Das Spiel kannte weiter nur noch eine Richtung, auf das Tor von SVM-Schlussmann Benjamin Gommert: Marcel Schied ließ den Ball von der Brust auf Casper Johansen tropfen, der von der Strafraumkante knapp vorbeidrosch (22.). Meppen konnte sich nicht befreien und gewann auch keinen Zweikampf mehr. So spitzelte Kazior den Ball durch zu Marcel Schied, der über den herausstürzenden Gommert zur 2:1-Führung lupfte (24.). Die Störche näher an dem 3:1 als Meppen am Ausgleich: Erst scheitere Johansen im Eins-gegen-Eins an Gommert, blieb aber vom Torwart verfolgt am Ball, legte auf Hebler, der das Leder über das leere Tor feuerte (35.). Und es ging turbulent weiter in Meppens-Strafraum: Binnen Sekunden reagierte Gommert gegen Hebler, Johansen und Heider überragend (38.). Das 3:1 sollte aber doch noch fallen: Aus dem Holstein-Powerplay drehte Kazior einen Ball aus 19 Metern genau in die Ecke (42.) – ein weiteres Traumtor. Jetzt entsprach das Ergebnis dem Spielverlauf: Holstein Kiel hatte den SV Meppen nach dem Rückstand in allen Belangen beherrscht.

Die Störche boten den eigenen Zuschauer weiterhin Fußball vom Feinsten: Johansen tanzte sich durch drei Gegenspieler auf der rechten Außenbahn, schickte Heider auf die Grundlinie, der in die Mitte flankte wo Johansen seine eigene Vorarbeit mit dem 4:1 krönte (51.). Holstein wollte mehr und ließ nicht nach gegen einen Gegner, der jetzt nur noch auf Schadensbegrenzung aus war – aber die Störche nicht an weiteren Torchancen hindern konnte. Hebler hatte das 4:1 auf dem Fuß, hebelte aus vier Metern aber drüber (69.), der eingewechselte Fiete Sykora erwischte zehn Meter vor dem Tor das Leder nicht richtig (76.) und Heider schoss rechts neben das Meppener Gehäuse (79). Das Stadion skandierte „Spitzenreiter! Spitzenreiter!“, da Hannover 96 II zwischenzeitlichl in Rehden zurücklag. SVM-Keeper Gommert bewahrte seine Farben bei einem Kopfball von Maniel Hartmann und einem Drehschuss von Heider vor einem höheren Rückstand. Dann war das 4:1 perfekt.

Stimmen nach dem Spiel

Torschütze Marcel Schied sagte nach dem Spiel: „Wäre die erste Viertelstunde nicht gewesen, wäre der Sieg souverän gewesen. So haben wir erst wieder einen Weckeffekt gebraucht, haben dann aber hochverdient gewonnen.“

Kapitän Rafael Kazior zog ein ähnliches Fazit: „Wir haben 20 Minuten gebraucht, um ins Spiel zu finden. Und auch das Gegentor war unnötig, aber dann lief alles nach Plan. Am Ende hätten wir durchaus noch ein zwei Treffer mehr schießen können.“

Holsteins Sechser Marlon Krause erklärte zufrieden: „Wir ernten jetzt die Lorbeeren unserer harten Arbeit. Wir haben viele Neue dazubekommen und mussten uns erst finden. Langsam greift ein Rädchen ins andere und dann macht das Fußballspielen so richtig Spaß!“

Marc Heider freute sich über seinen schönen Treffer und sein starkes Spiel: „Ich war ja schon etwas unter Zugzwang und daher freue ich mich um so mehr. Ich denke, dass ich mich jetzt auf der Außenbahn eingefunden habe. Letzte Woche in Bremen war vornehmlich Defensivarbeit angesagt. Heute hatte ich offensiv mehr Freiheiten.“

Heiko Flottmann, Trainer des SV Meppen, war nach seiner Spielanalyse voll des Lobes für Holstein Kiel: „Es war eine eindeutige Geschichte: Wir hatten uns schon etwas vorgenommen, wollten das Spiel nicht herschenken und sind auch 1:0 in Führung gegangen. Aber Kiel konnte unseren guten Start zu schnell korrigieren. So kam keine Unruhe auf und wie in Bremen hat sie dann auch letztlich souverän das Spiel gewonnen. Ein Wort zur Arbeit hier in Kiel: Wie hier in Kiel nicht nur eine Mannschaft zusammengekauft wird, sondern mit dem Nachwuchsleistungszentrum nachhhaltig gearbeitet wird, ist großartig und vorbildlich.“

Holstein-Trainer Thorsten Gutzeit bedankte ich für das Kompliment und sah das Spiel ähnlich: „Mich haben die ersten 20 Minuten geärgert. Auch wenn ich die Marschroute gegeben hatte, etwas tiefer und vorsichtiger zu agieren, hat das die Mannschaft wohl falsch verstanden und Meppen Fußball spielen lasen. Daraus resultierte das 0:1. Wir haben den Weckruf aber angenommen, schnell den Ausgleich erzielt, nachgelegt, den Lauf gefunden und nichts mehr zugelassen. Die Mannschaft hat eine tolle Reaktion gezeigt. Darüber freue ich mich riesig. Nach dem goldenen Oktober geht es im November gut weiter. Ich hoffe, dass die Mannschaft nicht abhebt, wir haben noch nichts gewonnen, werden aber weiter daran arbeiten.“

Holstein Kiel: Jensen – Herrmann, Aust, Hartmann, Wetter – Kazior (71. Toksöz), Krause – Hebler (85. Kramer), Johansen (65. Sykora), Heider – Schied. 
Schiedsrichter: Eichhorst (Bremen)
Tore: 0:1  Meyer (9.), 1:1 Heider (18.), 2:1 Schied (24.), 3:1 Kazior (42.), 4:1 Johansen (51.)
Zuschauer: 3.403

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