Kieler Comebacker entführen Punkt aus Franken

1. FC Nürnberg - Holstein Kiel 2:2 (0:0)

Holstein Kiel hat dank einer großen Moral beim 1. FC Nürnberg 2:2-Unentschieden gespielt. Denn nach torloser erster Halbzeit geriet die Elf von Trainer Markus Anfang im zweiten Durchgang mit 0:2 in Rückstand, schaffte aber dank einer wahren Willensleistung vor 27274 Zuschauern im Max-Morlock-Stadion noch den Ausgleich. Durch den Punktgewinn im Frankenland sind die Störche zumindest bis zum Sonntag Tabellenführer der zweiten Liga.

Anfang hatte seine Startelf im Vergleich zum 3:0-Heimsieg gegen Dynamo Dresden nur auf einer Position verändert: Dominic Peitz begann für David Kinsombi im defensiven Mittelfeld. Großes Abtasten gab es in diesem Topspiel des Zweiten aus Kiel gegen den Vierten aus Nürnberg nicht. Es waren keine 20 Sekunden gespielt, da hatten die Hausherren schon die erste Riesengelegenheit: Eduard Löwen tauchte frei vor Kenneth Kronholm auf, doch der KSV-Torhüter parierte glänzend (1.). Auf der Gegenseite hatte Dominick Drexler nur eine Minute später aus zwölf Metern die Chance zur Führung, scheiterte aber an Nürnbergs Torhüter Fabian Bredlow (2.). Auch danach blieben die Störche die aktivere Mannschaft. Marvin Ducksch trieb die Kugel bei einem Konter über den halben Platz und bediente Steven Lewerenz, dessen Schuss gerade noch von Enrico Valentini zur Ecke geblockt wurde (14.). Kingsley Schindlers Flachschuss wurde abgefälscht und strich am langen Pfosten vorbei (19.). In einer intensiven Partie schaffte es Nürnberg anschließend nicht mehr, für die nötige Entlastung in Form von Torchancen zu sorgen – bis zur 44. Minute: Der starke Löwen dribbelte sich bis zur Grundlinie durch, brachte den Ball scharf in die Mitte, doch dem freistehenden Hanno Behrens gelang es nicht, den Ball aus fünf Metern per Flugkopfball über die Linie zu drücken. Stattdessen strich der Ball Zentimeter am langen Pfosten vorbei. So ging es torlos in die Halbzeit.

Aus dieser kamen die Gastgeber wacher als die Blau-Weiß-Roten. Die Pausen-Ansprache von FCN-Trainer Michael Köllner schien gefruchtet zu haben, denn nur neun Minuten nach Wiederanpfiff durfte Hanno Behrens aus zentraler Position frei abziehen. Sein Schlenzer schlug unhaltbar für Kronholm aus 18 Metern im linken Torwinkel ein (54.). Beflügelt von der Führung nahmen die Gastgeber nun eindeutig das Heft des Handelns in die Hand, setzten die Störche weiterhin unter Druck – und legten nur acht Minuten später nach: Löwen bediente von der rechten Seite FCN-Toptorjäger Mikael Ishak, der das Spielgerät per Direktabnahme aus acht Metern im rechten oberen Eck unterbrachte (62.). Während die Clubberer nun auf die Entscheidung drängten, brachte Markus Anfang mit David Kinsombi und Aaron Seydel frischen Wind von der Bank. Mit Erfolg: Keine 120 Sekunden nach seiner Einwechslung bewies Seydel seine bereits in der U21-Nationalmannschaft präsentierten Joker-Qualitäten und köpfte nach überragender Vorarbeit von Drexler zum Anschlusstreffer ein (70.). Das erste Pflichtspieltor des von Mainz 05 ausgeliehenen Angreifers im KSV-Trikot brachte Kiel zurück ins Spiel. Holstein investierte nochmal mehr nach vorne, ohne aber Nürnberg-Keeper Bredlow ernsthaft zu fordern. Der Club schaffte es unterdessen nicht, seine Konter zuende zu spielen. So kam es, dass die KSV erneut ihre starken Comeback-Qualitäten unter Beweis stellen konnte: Nach einem langen Ball in den Strafraum legte Peitz per Kopf auf Alexander Mühling ab, der ganz cool aus zwölf Metern den Ball flach im rechten unteren Eck versenkte (86.). Das war gleichzeitig auch der Endstand, sodass am Ende ein leistungsgerechtes Remis zu Buche stand. Nürnberg verpasste es, nach der 2:0-Führung den Sack endgültig zuzumachen, sodass Kiel noch zurückkommen konnte. Für die KSV geht es nun am kommenden Wochenende mit dem Heimspiel gegen den FC Ingolstadt (25. November, 13 Uhr) gegen den nächsten Aufstiegsaspiranten weiter.

Stimmen nach dem Spiel

Aaron Seydel: Die Leistung heute war nicht optimal, aber es spricht für uns, dass wir auch dann, wenn wir keinen Sahnetag haben, trotzdem auswärts punkten können.

Rafael Czichos: Es war kein gutes Auswärtsspiel von uns. Wir hatten zwar einige Chancen, aber spielerisch war das nicht das, was wir hier zeigen wollten. Aber was die Mannschaft dann an Moral gezeigt hat, war wieder unfassbar. Nach dem 2:0 hat keiner mehr mit uns gerechnet. Aber wir nehmen den Punkt mit. Wir sind schwer zu schlagen. Das haben wir heute wieder gezeigt.

Nürnberg-Trainer Michael Köllner: Das Ergebnis ist hart, das tut mir für die Mannschaft und die Fans leid, dass wir am Ende noch zwei Tore fressen mussten. Wir haben richtig guten Fußball gespielt, waren mutig in unseren Aktionen, haben es aber leider verpasst, mit einem Konter den Deckel auf das Spiel zu machen. Das Ergebnis fühlt sich an wie eine Niederlage. Aber: Man hat gesehen, dass Kiel nicht umsonst in der Liga vorne dabei ist.

Markus Anfang: Es ist ein richtiges Gefühl gewesen, in diesem Stadion bei dieser tollen Atmosphäre spielen zu können. Fußballerisch haben wir heute nicht das gespielt, was wir eigentlich können. Aber es ist auch keine Selbstverständlichkeit, dass wir das Woche für Woche machen. Die Jungs haben an sich geglaubt, es war bewundernswert, wie sie auf den 0:2-Rückstand reagiert haben. Grundsätzlich hätten wir heute auch einmal verlieren können, deshalb sind wir sehr zufrieden darüber, dass wir am Ende noch ausgeglichen haben.

Spielinfo

1. FC Nürnberg: Bredlow – Margreitter, Ewerton, Löwen – Valentini, Leibold – Behrens, Kammerbauer (89. Petrak)– Hufnagel (69. Fuchs), Salli – Ishak (81. Teuchert). Trainer: Köllner
Holstein Kiel: Kronholm – Herrmann, Schmidt, Czichos, van den Bergh – Peitz – Schindler, Mühling, Drexler (90.+3 Heidinger), Lewerenz (68. Kinsombi) – Ducksch (68. Seydel). Trainer: Anfang
Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
Tore: 1:0 Behrens (54.), 2:0 Ishak (62.), 2:1 Seydel (70.), 2:2 Mühling (86.).
Zuschauer: 27.274

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