HSV und Holstein punktgleich an der Spitze

Holstein Kiel - VfB Lübeck 4:1 (0:1)

Landesderby im Holstein-Stadion.

Der Schleswig-Holstein-Klassiker zwischen Holstein Kiel und VfB Lübeck war auch in seiner 119. Auflage nichts für schwache Nerven. Nach 90 Minuten siegte die KSV Holstein hochverdient mit 4:1. Zur Pause hatten noch die Gäste aus der Marzipanstadt mit 1:0 geführt. Doch im dritten Spiel in Folge drehte Holstein ein Spiel. Die Treffer für die Störche erzielte Lindner (73.), Sachs (76.), Heider (80.) und Steil (89.). Deniz Kadah hatte in der 40. Minute das 0:1 erzielt.

Zum 2:1-Auswärtserfolg in Havelse änderte Holstein-Trainer Thorsten Gutzeit die Startaufstellung auf einer Position. Dan-Patrick Poggenberg rückte für Fynn Gutzeit wieder in die erste Elf. Die 4.871 Zuschauer im Holstein-Stadion mussten sich gedulden, bis das Derby etwas an Fahrt gewann. Auf schwer bespielbarem Geläuf neutralisierten sich beide Teams zunächst. Die erste dicke Gelegenheit der ersten Hälfte verpassten die Störche nach 26 Minute, als Siedschlag und Heider den Ball in guter Position weiterleiteten und Lindner schließlich am VfB-Keeper Toboll scheiterte. Danach war die KSV das bessere Team und drängte auf das 1:0. Doch die Lübecker blieben gefährlich. Zunächst musste Holstein-Keeper Jensen im Eins-gegen-eins gegen Zekiri Kopf und Kragen (34.) riskieren, sechs Minuten lag der Ball dann im Netz. Deniz Kadah hatte keine Probleme den Ball aus drei Metern nach Flanke von Zekiri im Holstein-Tor zu versenken (41.). In den letzten Minuten der ersten Halbzeit fehlte in zwei guten Situationen der Blau-Weiß-Roten, wie in der gesamten ersten Hälfte, die letzte Präzision beim finalen Pass.

Holstein explodiert in den letzten 20 Minuten

Zur zweiten Halbzeit legten die Störche eine Schippe drauf und setzten die weiterhin tief stehenden Gäste unter Druck. Kurzer Jubel nach 51 Minuten als ein Siedschlag-Freistoß auf dem, aber nicht im Tor landete. Es folgten weniger spielerische Glanzpunkte, sondern kämpferische. Nach vielen Zweikämpfen folgten Wortgeplänkel. Lübeck kämpfte, Holstein drückte und erspielte sich Torgelegenheiten. Lübeck-Verteidiger Schaffrath kratzte einen Ball von Heider von der Linie (67.). Drei Minuten später schaufelte Schaffrath bei einer Klärungsaktion den Ball beinah ins eigene Tor. Bei der folgenden Ecke blieb ein Schuss von Müller in der Lübecker Abwehr hängen. Zwei Minuten später kochte das Holstein-Stadion: In der 73. Minute erlöste Jarek Lindner mit einem fulminanten 23-Meter-Schlenzer genau unter die Latte das KSV-Fans. Endlich der hochverdiente Ausgleich. Jetzt waren die Störche nicht mehr zu halten. Nach einem Querschläger von Lübecks Samide sprang der Ball zum Ex-Lübecker Sachs, der VfB-Keeper Toboll tunnelte – 2:1. Die Holstein-Fans in Feierlaune. Und die Störche-Show ging weiter: 28-Meter-Hammer Steve Müller, Toboll klatschte den Ball vor die Füße von Marc Heider, der aus sieben Metern zum 3:1 einschoss. Nach weiteren Wortgefechten und kurzer Rudelbildung erhöhte Marco Steilnach Gewühl in Lübecks Sechzehner noch auf 4:1. Dann waren die drei Punkte eingefahren.

Lindner: „Vielen Dank an unsere super Fans!“

Rafael Kazior meinte nach dem Spiel erleichtert: „Meinetwegen können auch wir im nächsten Spiel mal wieder in Führung gehen. Aber so haben wir jetzt zum dritten Mal hintereinander gezeigt, in welcher großartigen Verfassung wir derzeit sind.“ Jarek Lindner war nach seinem Ausgleichtreffer hochzufrieden: „Jedes Tor ist wichtig, denke ich. Aber es war schon ein tolles Gefühl, hier heute die Mannschaft auf die Siegerstraße zurück zu schießen. Ein Lob gilt noch unseren Zuschauern, die uns von der ersten Minute an nach vorne gepeitscht haben. Das war super“  Kapitän Christian Jürgensen freute sich über Sieg und Tabellenführung: „Wenn man erst mal da oben steht, will man natürlich auch dort bleiben. Aber der erneute Rückstand hat uns gezeigt, dass wir weiter hart arbeiten müssen.“ Marco Steil meinte nach seinem Treffer augenzwinkernd: „Für mindestens ein Tor pro Runde bin ich immer zu haben. Heute tat es besonders gut, da der erneute Rückstand schon ein bisschen an meinem Ego gekratzt hat.“

Gutzeit: „Wir musten uns erst ins Derby reinkämpfen“

Holstein-Trainer Thorsten Gutzeit sagt zufrieden: „Wir haben in den ersten 25 Minuten druckvoll nach vorne gespielt, aber erneut den letzten Willen zum Tor vermissen lassen. Dann haben wir nicht mehr so aggressiv gespielt, sind oft nur nebenher gelaufen und diese Fehler wurden von Lübeck bestraft. In der Pause haben wir gesagt, dass wir uns in dieses Derby reinkämpfen müssen, dass schön spielen nicht reich. Das ist uns gelungen und zum Glück haben wir heute die Tore gemacht – auch wenn das Ergebnis um ein Tor zu hoch ausgefallen ist. Wobei der Sieg natürlich insgesamt aufgrund der zweiten Halbzeit verdient war.“

Schubert: „Das Team hat eine so hohe Niederlage nicht verdient.“

Lübecks Trainer Peter Schubert erklärte nach der 4:1-Niederlage sichtlich enttäuscht: „Wir haben zu Beginn des Spiels gemerkt, dass wir das Leipzig-Spiel noch nicht verdaut hatten. Dann kamen wir aber gut ins Spiel, hatten zwei Torchancen und gingen durchaus verdient in Führung. Da war ich zufrieden mit meiner Mannschaft. In der zweiten Halbzeit kamen wir nicht mehr in die Zweikämpfe und der Druck wurde größer. Der Ausgleich brachte dann die Verunsicherung zurück und wir haben uns dann die Dinger beinah selbst reingelegt. Das Team hat so eine hohe Niederlage allerdings nicht verdient, auch wenn Holstein natürlich zurecht gewonnen hat.“

Holstein Kiel: Jensen – Herrmann, Steil, Jürgensen (90. Fischer), Poggenberg – Müller, Kazior –, Siedschlag (69. Sachs), Sykora, Lindner – Heider (90. Wulff).

Tor: 0:1 Kadah (41.), 1:1 Lindner (73.), 2:1 Sachs (76.), 3:1 Heider (80.), 4:1 Steil (89.)

Zuschauer: 4781

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