Keine Punkte am „Betze“

1. FC Kaiserslautern - Holstein Kiel 3:1 (2:1)

Das Debüt am legendären Betzenberg endete für die KSV Holstein am Freitagabend mit einer 1:3 (1:2)-Niederlage. Überragender Spieler in Reihen des 1. FC Kaiserslautern war vor mehr als 20.000 Zuschauern Stürmer Osayamen Osawe, der an allen drei Toren beteiligt gewesen war. Die Störche glichen durch David Kinsombi aus, verschossen durch Marvin Ducksch einen Strafstoß und verkauften sich in einer rasanten Partie gut – aber die „Roten Teufel“ erzielten ihre Wirkungstreffer zu Beginn der Halbzeiten und ließen die Störche dann anrennen.

Markus Anfang hatte seine Elf im Vergleich zum 1:1 gegen Jahn Regensburg auf zwei Positionen verändert. Für Aaron Seydel kehrte der gesperrte Dominick Drexler zurück. Auf der linken Außenbahn bekam Amara Condé, der gegen den Jahn als Einwechselspieler einen starken Eindruck hinterließ, sein Startelfdebüt. Für ihn saß zunächst Steven Lewerenz auf der Bank.

Für die KSV begann die Partie mit zweiminütiger Verspätung. 120 apathische Sekunden, in denen Osawe auf der linken Seite gleich zweimal die Störche überlief und einmal mit Brandon Borrello einen Abnehmer für seine Pässe fand. Gegen dessen platzierten Flachschuss war Kenneth Kronholm chancenlos. 120 Sekunden, in denen Patrick Herrmann seine 5. Gelbe Karte kassierte und im Heimspiel gegen den FC Erzgebirge Aue (Sonnabend, 13 Uhr) fehlen wird.

Aber ab Minute drei hatten auch die Störche endlich die Eingangstür in ein packendes Spiel gefunden, in dem allein Marvin Ducksch bis zur 17. Minute mit einem Dreierpack gefeierter Held hätte werden können. Er zielte nach einer herrlichen Vorarbeit von Dominick Drexler und Alex Mühling über die Latte, dann scheiterte er mit einem an Drexler verhängten Strafstoß an FCK-Schlussmann Marius Müller. Und schließlich nagelte er von der Strafraumkante einen zauberhaften Schindler-Pass über das Tor. Die Partie blieb rasant, so überwand der pfeilschnelle Lukas Spalvis Kronholm, doch Rafael Czichos kratzte den Ball für seinen geschlagenen Keeper noch von der Linie. Auf der Gegenseite traf Schindler den Pfosten und David Kinsombi schließlich dann aus drei Metern Torentfernung ins Schwarze (32.).

Die Störche feierten ausgelassen vor ihrer Fankurve, in der rund 400 Anhänger für guten Rückenwind sorgten. Dann spielte Drexler nach einer sehenswerten Condé-Flanke die FCK-Abwehr schwindelig, doch den Ball setzte er aus spitzem Winkel neben den Pfosten. Das zweite Tor fiel dann auf der anderen Seite. Und wieder war Osawe der Vorbereiter. Dominik Schmidt traf den bulligen Stürmer im Strafraum am Fuß und Schiedsrichter Guido Winkmann zögerte nicht – Elfmeter für die „Roten Teufel“, den Kapitän Christoph Moritz souverän verwandelte.

Die zweite Hälfte begann wie die erste, wieder erwischten die Gastgeber den besseren Start. Nach einem super Zuspiel von Philipp Mwene war Osawe diesmal der Vollender. Den ersten Schuss konnte Kronholm noch abwehren, aber im Nachsetzen machte der Ober-Teufel an diesem Abend das 3:1 perfekt. Und der gebürtige Nigerianer hätte fünf Minuten später den zweiten Heimsieg seines Vereins noch höher ausfallen lassen können, doch nach einem starken Solo verzog er knapp. Die Störche rannten weiter an, riskierten die Konter der schnellen FCK-Spitzen, doch bis zum Abpfiff sollte immer ein Abwehrbein den vierten Treffer verhindern. Aber da sich kein Bein fand, das für Kiel traf, blieb es bei der vierten Saisonniederlage der Störche.

Dem 1. FC Kaiserslautern scheint dagegen unter dem neuen Trainer Michael Frontzeck die Trendwende gelungen zu sein. Dem 2:1-Erfolg in Braunschweig am vergangenen Wochenende ließ der Tabellenletzte nun den zweiten Heimsieg folgen und glaubt nun wieder an das Wunder, den Klassenerhalt.

Stimmen nach dem Spiel

Alexander Mühling: „Wir sind mit dem Gegentor schlecht reingekommen ins Spiel, haben es danach aber ganz gut gemacht, zumindest was das Fußballerische anging. Wir kamen zu vielen Chancen und hätten mehr rausholen müssen als ein 1:1. Und dann haben wir uns in den Zweikämpfen zu wenig gewehrt und bekommen direkt vor und nach der Pause zwei schnelle Gegentore. Und dann läufst du nur noch hinterher.“

Johannes van den Bergh: „Wir haben uns eigentlich selbst geschlagen. Nach dem schnellen Gegentor machen wir es eigentlich gut. Wir bringen unser Spiel durch, haben eine Menge Torchancen. Wobei man auch sagen muss, dass wir hinten immer Probleme im Eins-gegen-Eins hatten und einen Spieler nie richtig in den Griff bekommen haben. Aber, wir wissen, dass wir es besser machen können, und so müssen wir die richtigen Schlüsse aus dieser Niederlage ziehen.“
 
Dominik Schmidt: „Wir waren von Anfang an nicht richtig im Spiel, haben immer wieder in der Defensive gepennt. Auch ich muss mich bei meiner Mannschaft wohl entschuldigen, es war nicht mein bester Tag. Wir waren in den Zweikämpfen häufig einen Schritt zu spät und waren nicht so richtig überzeugt von dem, was wir spielen wollten. Und dann kannst du dieses Spiel nur verlieren. Kaiserslautern steht mit dem Rücken zur Wand, hat mit den Fans alles in die Partie geworfen und hat uns den Willen voraus gehabt. Deswegen gehen sie als Sieger vom Platz.“

Markus Anfang, KSV-Trainer: „Ich gratuliere dem 1. FCK zu den erkämpften drei Punkten. Es war klar, dass es ein solches Spiel werden würde, Kaiserslautern hat von Beginn an große Leidenschaft gezeigt. In den ersten fünf Minuten haben wir nicht stattgefunden, danach aber guten Fußball gespielt. Aber wir haben es heute nicht geschafft, Osawe zu verteidigen. Er war der beste Mann auf dem Platz. Kein Vorwurf aber an meine Mannschaft, für uns bricht keine Welt zusammen. Wir sind Aufsteiger und durften heute auf dem Betzenberg spielen.“

Michael Frontzeck, 1. FC Kaiserslautern: „Markus hat es auf den Punkt gebracht. Hätte ich noch Haare, wären sie angesichts unserer Defensivleistung grau geworden. Wenn Kiel diesen Weg so weiter geht, wird es auf Platz drei bleiben. Aber nach vorne hat mir meine Mannschaft gut gefallen. Die Stimmung im Stadion war außerordentlich gut und die nehmen wir jetzt nach Sandhausen mit.“

Spielinfo

1. FC Kaiserslautern: Müller – Mwene, Callsen-Bracker, Vucur, Guwara – Moritz, Seufert (82. Fechner) - Borrello, Jenssen (64. Altintop) – Spalvis (86. Andersson), Osawe. Trainer: Anfang 
Holstein Kiel: Kronholm – Herrmann, Schmidt, Czichos, van den Bergh – Kinsombi – Schindler (78. Peitz), Mühling (71. Seydel), Drexler, Condé (67. Lewerenz) – Ducksch. Trainer: Anfang
Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
Tore: 1:0 Borrello (2.), 1:1 Kinsombi (32.), 2:1 Moritz (44., Foulelfmeter), 3:1 Osawe (50.)
Zuschauer: 20.664 im Fritz-Walter-Stadion.

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