Störche fehlen drei Minuten für die Sensation

TSV 1860 München - Holstein Kiel 2:1 (0:1)

Holstein Kiel verpasst die 2. Bundesliga um drei Minuten. In der Relegation reichten starke 78. Minuten nicht, um bei der TSV 1860 München das nötige 1:1 über die Zeit zu bringen. Die Störche gingen früh durch ihren Kapitän Rafael Kazior in Führung (16.). Von dem Druck, zwei Treffer erzielen zu müssen, erholten sich die Löwen erst spät. Daniel Adlung traf aus dem nichts den Ausgleich. Nach Ablauf der regulären Spielzeit netztKai Bülow zum überflüssigen 2:1 aus Kieler Sicht. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga wäre das Sahnehäubchen auf eine überragende Saison der KSV Holstein, die in 2015/16 alles daran setzen wird, so stark wieder zu kommen.

Holstein-Trainer Karsten Neitzel entschied sich für eine Änderung zum 0:0-Hinspielremis: Jaroslaw Lindner stand für Marc Heider in der Startelf. Auch Löwen-Coach Torsten Fröhling tauschte einmal und schickte mit Stephan Hain eine echte zweite Spitze für mehr Offensivdruck ins Spiel der Spiele.

Es war eine unglaubliche Kulisse, die die Störche hier erwartete.  60.000 Zuschauer im WM-Stadion Allianz-Arena – es  war ein Fußballfest der Extraklasse. Und nach sechs Minuten lag der Ball plötzlich im Löwen-Tor. Jarek Lindner stocherte das Leder ins Netz, Schiedsrichter Knut Kircher entschied allerdings auf Abseits. Wie schon im Hinspiel verhallte der Jubel der 2.000 mitgereisten Kieler Fans schnell. Doch zehn Minuten später klingelte es wirklich: ein Ecke von Tim Siedschlag verlängerte Lindner auf den zweiten Pfosten, wo Rafael Kazior das Leder in die Maschen grätschte (16.). Jetzt brauchten die Löwen zwei Tore. Auch der nächste Abschluss gehörte den Gästen: Manuel Schäfflers Volleyabnahme ging über das Gehäuse von Vitus Eicher (22.). Die Führung gab den Störchen Sicherheit – auch in der Defensive. Den Sechzgern fiel trotz zweier nomineller Spitzen kaum etwas gegen den KSV-Beton ein. Die meisten Zweikämpfe gingen klar an den Drittligisten. Kazior setzte noch einen 22-Meter-Freistoß über das Tor, dann wurden die Seiten gewechselt.

In der 50. Minute durften auch die Löwen-Fans einen vermeintlichen Treffer bejubeln. Doch Kenneth Kornholm war nach der dritten Löwen-Ecke zu hart angegangen worden. Der Treffer von Daniel Adlung zählte nicht. 1860 musste jetzt kommen. Holstein stand aber weiter engmaschig und setzte den Zweitligisten permanent unter Druck. Einen echten Torabschluss gelang dem Favoriten nicht. In der 67. Minute zog Matthias Hain aus 18 Metern ab, zielte aber einige Etagen zu hoch. Im Gegenzug jagte der eingewechselte Marc Heider das Leder nur um Zentimeter über den Balken (70.). Sechzig rannte immer verzweifelter an, versuchte Elfmeter zu schinden und kam aus dem Nichts zum Ausgleich. Adlung zirkelte das Leder aus 16 Metern unhaltbar ins lange Eck (78.). Die Arena stand plötzlich wieder und feuerte ihre Löwen nach vorne. Wieder lag die Torfabrik im Kieler Gehäuse, wieder war Kornholm angegangen worden. Es blieb beim 1:1. Adlung hämmerte einen 22-Meter-Freistoß einen Hauch drüber. Holstein konterte: Maik Kegels Flugeinlage kratzte Eicher von der Linie (87.). Und dann fiel es doch noch: Valdet Rama zog aus 18 Metern ab und den Abpraller vom Pfosten vollendete Kai Bülow zur Löwen-Führung (90.+1). Die Löwen tanzten den Sieg an der Eckfahne nach Hause. Verkehrte Welt in München. Starke Störche wurden nicht für beherzte 78 Minuten belohnt.

Stimmen nach dem Spiel

Manuel Schäffler: „Wir haben ein großartige Saison gespielt und es ist einfach nur bitter, dass wir uns heute nicht die Krone aufgesetzt haben.“

KSV-Trainer Karsten Neitzel: „Glückwunsch an 1860 München zum Klassenerhalt. Zum Spiel möchte ich heute nicht viel sagen sagen. Es muss uns gelingen, aus diesem Tag heute Stärke zu ziehen. Es gab sehr viele Menschen, die uns ehrlich den Erfolg gegönnt haben. Es ist jetzt schwer, den Fans die richtigen Worte entgegenzubringen. Was Schlimmeres habe ich im Sport noch nicht erlebt. Für uns wird es wichtig sein, dass wir das verarbeiten und abhaken.“

TSV-1860-Trainer Torsten Fröhling: „Es ist schade, dass es bei zwei so packenden Spielen einen Verlierer geben muss. Hochachtung vor der Leistung von Holstein Kiel. Wir konnten diese schwierige Saison noch einigermaßen positiv abschließen. Die Fans haben das verdient. Durch die Wucht, die am Ende hingelegt wurde, kann man stolz auf die Mannschaft sein.“

TSV 1860 München: Eicher – Kagelmacher, Bülow, Schindler, Wittek – Stahl (13. Weigl), Adlung – Rama, Bandowski (56. Wolf) – Okotie (70. Vollmann), Hain. Trainer: Fröhling.
Holstein Kiel: Kronholm – Herrmann, Krause, Wahl, Kohlmann – Siedschlag, Kegel (89. Gebers), Vendelbo, Lindner (51. Heider) – Kazior, Schäffler (60. Breitkreuz). Trainer: Neitzel.
Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
Tore: 0:1 Kazior (16.), 1:1 Adlung (78.), 2:1 Bülow (90.+1)
Zuschauer: 57.000

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