„Ich bin ein Strandkind“

Tom Weilandt über seine Liebe zum Meer und sein Idol, den Papa

Tom Weilandt im Spiel gegen seinen Ex-Club VfL Bochum

Bei diesem Vater war der Weg für den Sohn eigentlich schon vorgezeichnet: Der ehemalige DDR-Nationalspieler Hilmar Weilandt bestritt für Hansa Rostock die meisten Ligaeinsätze der Vereinsgeschichte (365) und hinter Juri Schlünz, einer weiteren Hansa-Legende, die zweitmeisten Pflichtspiele (405) für den ehemaligen Bundesligisten. Sohn Tom machte sich früh daran, in die großen Fußspuren zu treten. Der mittlerweile 25-jährige Offensivspieler trug in der U18 das Nationaltrikot und ließ sich zu Saisonbeginn vom Zweitligisten VfL Bochum an die Störche ausleihen. Im Buchstabenporträt spricht Tom Weilandt über den Papa - sein Idol -, die Familie, seinen Hund und die Liebe zum Meer.  

Tier: Meine Eltern waren dagegen, dass ich als kleines Kind schon einen Hund haben durfte. Damals war ich damit natürlich nicht einverstanden, aber im Rückblick weiß ich, dass sie richtig entschieden haben. Wahrscheinlich hätte ich mich nur anfangs um das Tier gekümmert, danach wären meine Eltern an der Reihe gewesen. Aber jetzt, als Erwachsener, habe ich mir diesen Wunsch erfüllt – und nicht bereut. Amy, eine Labrador-Hündin, habe ich vor knapp zwei Jahren als acht Wochen alten Welpen ausgesucht und schon alles mit ihr durchgemacht. Hundeschule, nachts aufstehen, etc…  Spaziergänge mit ihr sind für mich der perfekte Ausgleich. Der Name? Ich wollte einen Namen, der nett klingt, also irgendwas mit „i“ oder „y“, am Ende wurde es Amy. 

Oma & Opa: Ich bin ein Familienmensch, der eine sehr enge Beziehung zu seinen Großeltern hat. Sie wohnen in Rostock und haben sich sehr darüber gefreut, dass ich durch meinen Wechsel nach Kiel wieder in ihre Nähe gekommen bin. Sie haben mich hier auch schon besucht. Als Kind habe ich fast jedes Wochenende bei ihnen verbracht. Sie haben selbst nie Fußball gespielt, aber sie sind meine größten Fans. 

Meer: Ich bin ein absoluter Küstenmensch! Im Sommer 2013 habe ich Rostock verlassen, um erst für die SpVgg Fürth und dann den VfL Bochum zu spielen. Auch in diesen Gegenden gibt es schöne Ecken, aber das Meer habe ich immer vermisst. Als ich nach Kiel wechselte, bin ich in den ersten Tagen in jeder freien Minute am Wasser gewesen. Ich bin auch der Typ, der bei Wind und Wetter badet, in diesem Jahr war ich am 1. Oktober zum letzten Mal in der Ostsee. Das war ziemlich kalt, aber toll. Einer meiner Lieblingsorte ist Heidkate, auch, weil es hier einen schönen Hundestrand gibt. 

Weilandt: Mein Vater Hilmar, von allen nur „Hille“ genannt, ist mein Idol. Ich habe jedes seiner Spiele im Ostseestadion verfolgt, was auch deshalb beeindruckend gewesen ist, weil Hansa ja nach der Wiedervereinigung ewig in der 1. Liga gespielt hat und Mannschaften wie der FC Bayern München in Rostock zu Gast gewesen sind. Für mich war immer klar, dass ich auch Fußballer werden will. Mein Vater ist dabei gar nicht der Typ, der das unbedingt wollte. Er hat auch sehr offen über die andere Seite der Medaille im Profigeschäft gesprochen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir immer gekickt haben. Im Garten hatten wir beispielsweise ein Netz gespannt und dort Fußballtennis gespielt. Ich habe von ihm auch den Spitznamen übernommen. Mein Jugendtrainer Hermann Hagen, der inzwischen leider verstorben ist, hat bei Hansa auch schon meinen Vater trainiert. Und weil wir seiner Meinung nach den gleichen Laufstil haben, hat er mich oft mit ihm verwechselt und „Hille“ gerufen – das haben meine Mitspieler dann übernommen. 

eSport: Ich spiele gerne mal eine Runde an der Playstation und weiß noch wie cool ich es fand, als ich als Spieler des FC Hansa Rostock zum ersten Mal selbst bei FIFA aufgetaucht bin. Ein Zocker, der Tag und Nacht an der Playstation sitzt, bin ich nicht. Aber bei schlechtem Wetter habe ich dazu Lust, gerne auch online. Dabei entwickele ich großen Ehrgeiz. Wer möchte, der kann mich gerne einmal herausfordern (lacht). Hier bei Holstein Kiel wollten wir immer mal ein Turnier untereinander machen, aber das haben wir bislang noch nicht geschafft. Dome (Dominik Schmidt, d. Red.) ist ja fest davon überzeugt, der Beste von uns an der Konsole zu sein – aber vor diesem Duell fürchte ich mich nicht! Grundsätzlich glaube ich, dass eSport sich etablieren wird. Der VfL Bochum hat gerade erst einen Spieler eingestellt, der nichts anderes macht, als den VfL an der Playstation zu vertreten. Eigentlich sollte ich das ja werden, aber dann habe ich mich doch entschieden, in Kiel Fußball auf einem richtigen Rasen zu spielen (lacht).

Idealer Tag: Der sah schon zu Schulzeiten in Rostock so aus: So früh wie möglich an den Strand, dort den ganzen Tag Volleyball spielen und hier anschließend den Sonnenuntergang genießen.  

Laura: Meine Freundin und ich haben uns in Rostock kennengelernt. Sie folgt mir auf meinen Stationen, lebt im Moment noch in Bochum, kommt aber immer zu den Heimspielen zu mir nach Kiel. Sie ist eine hervorragende Köchin, auch deshalb vermisse ich sie. Meine Fähigkeiten am Herd sind eher bescheiden, deshalb gehe ich regelmäßig in Restaurants, wenn sie nicht bei mir ist. Welches Essen ich mir am ersten Abend unseres Wiedersehens von ihr wünsche? Curry mit Gemüse und Kartoffeln oder Reis. Ich stehe auf asiatische Gerichte.

Amerika: Der Wunsch, einmal nach Amerika zu fliegen, ist schon alt. Aber ich habe es nie geschafft, der Flug war mir zu lang. Aber im vergangenen Sommer haben Laura und ich dann zum ersten Mal Amerika bereist. Wir haben uns in Miami ein Auto gemietet und sind über Orlando an die Westküste gefahren, die sind wir dann abgefahren. Uns hat der Wechsel zwischen Wolkenkratzer und Natur total begeistert. Erst Miami, dann die Everglades mit Krokodilen – das war sehr beeindruckend. Als Strandmensch hat mir natürlich das Klima und das warme Wasser gut gefallen. Wahrscheinlich sind das auch zwei Gründe, warum die dort lebenden Amerikaner so entspannt sind. Für uns ist klar, dass wir nicht zum letzten Mal in Amerika gewesen sind, das Land hat ja noch viele schöne Ecken zu bieten. 

Neujahr: Darauf freue ich mich schon heute! Diesen Tag verbringen wir traditionell bis Mitternacht als Familie bei meinen Eltern in Rostock. Meine Großeltern kommen, meine jüngere Schwester, Laura, ihre Eltern – und dann wird zusammen Raclette gegessen. Nach Mitternacht feiern Laura und ich dann mit Freunden weiter. Was ich mir wünsche? Gesundheit, sonst nichts. Mir geht es gut. 

Düsseldorf: Die Fortuna aus Düsseldorf ist für mich schon deshalb unvergesslich, weil ich in einem Spiel gegen diesen Verein im April 2012 mein erstes Tor als Profi geschossen habe. Für Hansa Rostock in der 2. Liga. Ein unvergesslicher Moment: Der Ball kam von der rechten Seite in den Strafraum, ich nahm ihn an, schoss mit dem rechten Fuß ins linke untere Eck. Wer Stürmer ist, träumt davon, eines Tages als Profi ein Tor zu schießen. Vielleicht kann ich das ja gegen den gleichen Gegner am kommenden Wochenende wiederholen. Leicht wird es für uns nicht, Düsseldorf hat eine große Qualität. Die Mannschaft wird sich in jeden Zweikampf werfen und versuchen, unsere Spielweise zu unterbinden. Aber wir müssen uns gerade im eigenen Stadion auch vor dieser Fortuna nicht verstecken. 

Tattoo: Tja, in diesem Punkt bin ich ein Außenseiter. Das war für mich noch nie ein Thema. Und wird auch keins.

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