Störche fliegen Löwen davon

Holstein Kiel - Hessen Kassel 2:0 (1:0)

Holstein Kiel macht einen großen Schritt in Richtung 3. Liga. Vor 9382 Zuschauern besiegten die Störche den KSV Hessen Kassel mit 2:0. Fiete Sykora traf zur Pausenführung (31.), die Fabian Wetter zum Endstand erhöhte (52.). Die KSV war über die 90 Minuten das klar bessere Team, gegen das der behäbig agierende KSV kaum etwas entgegen zu setzen hatte. Am kommenden Sonntag können die Kieler um 14 Uhr im Kasseler Auestadion den Aufstieg in die 3. Liga perfekt machen. 

Holstein-Trainer Thorsten Gutzeit änderte die Startelf zum 3:0-Saisonabschlusssieg gegen Victoria Hamburg auf drei Positionen: Rafael Kazior, Patrick Herrmann und Manuel Hartmann kehrten fit zurück auf den Rasen, Deran Toksöz, Casper Johansen und David Urban blieben zunächst auf der Bank. 

Angepeitscht von 10.000 Zuschauern begannen die Störche druckvoll. Nach der zweiten Ecke brachte Marcel Schied eine Kopfball-Ablage von Fiete Sykora noch aufs Tor, Kassel-Keeper Carsten Nulle war schon geschlagen, doch Nico Hammann kratzte das Leder von der Linie (3.). Kiels Torjäger hatte auch die zweite gute Gelegenheit. Die Flanke von Tim Siedschlag konnte Holsteins Nummer 30 aber nicht Richtung Tor drücken (12.). Die Gäste kamen durch einen 25-Meter-Freistoß von Andreas Mayer zu ihrer ersten gefährlichen Aktion. Doch Holstein-Keeper Niklas Jakusch entschärfte den Kracher in die Torwartecke. (23.). Die Gastgeber blieben gefährlicher und trafen auch, doch Schiedsrichterassistent Thomas Münch hatte eine Abseitsstellung nach dem Siedschlag-Freistoß gesehen – eine sehr fragwürdige Entscheidung (25.). Doch Holsteins Bemühungen wurden belohnt. Patrick Herrmann klärte einen Ball zu Sykora, der die Kontersituation erkannte, über 30 Meter marschierte und Nulle tunnelte – das verdiente 1:0 für die Störche (31.). Die Löwen wirkten angeschlagen. Einen 20-Meter-Knaller von Marc Heider konnte Nulle noch nach vorne abwehren, den Abpraller konnte Schied zu Kassels Glück nicht aufs leere Tor platzieren (38.). Gästetrainer Uwe Wolf fluchte am Spielfeldrand, da sein Team den lauf- und spielstarken Kielern kaum etwas entgegen zu setzen hatte. Marcel Gebers hinterlief die Abseitsfalle und zwang Nulle aus spitzem Winkel zu einer Glanztat (43.). Zur Halbzeit führte eine sehr gut eingestellte Heim-Elf hochverdient mit 1:0.

Die Störche kamen wild entschlossen aus der Kabine! Die achte Ecke der Störche zog Siedschlag lang auf Marcel Gebers, der brachte den Ball in die Mitte, wo Fabian Wetter aus vier Metern zum 2:0 eindrückte (52.). Das Holstein-Stadion stand kopf. Der KSV wirkte gehemmt, einfallslos und behäbig, Kiel zog fast ein Powerplay auf und auch Kassels Abseitsfalle funktionierte nicht immer. Ein Drehschuss von Rafael Kazior wurde abgeblockt, Schieds Versuch, den Abpraller zu verwerten, hielt Nulle (68.). Erst als Holstein sich nach 70 Minuten eine Verschnaufpause gönnte, kamen die Gäste zum ersten Mal besser ins Spiel und versuchten es ohne hohe und lange Bälle. Jakusch faustete einen Hammann-Freistoß von der Linie (74.). Aber auch die Kieler Konter waren gefährlich. Patrick Herrmann flankte auf den eingewechselten Jarek Lindner, der brachte das Leder aber nicht aufs Tor (79.). Für die Gastgeber galt weiterhin primär das Zu-Null und so forderte Trainer Thorsten Gutzeit am Seitenrand immer wieder lautstark das Umschalten in die Defensive. Das Eckenverhältnis lautete 10:2, das Ergebnis 2:0. Am Ende ein hochverdienter Sieg für die Kieler Störche, die am Sonntag in Kassel den Aufstieg in die 3. Liga perfekt machen können.

Stimmen nach dem Spiel

Rafael Kazior: „Der erste Schritt ist gemacht. Es war eine sensationelle Stimmung im Stadion mit DFB-Pokalcharakter. Heute hat die Disziplin gesiegt, jeder hat die Ordnung gehalten, war für den anderen da. Und so haben wir eine gute Ausgangsposition fürs Rückspiel geschaffen.“

Fiete Sykora: „Es war wichtig, dass wir mindestens ein Tor schießen und keins bekommen. Wir heute richtig, richtig stark, das habe ich lange nicht mehr erlebt. Ich bin richtig stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein!“

Niklas Jakusch: „Schon beim Warmmachen haben uns die Fans nach vorne gepeitscht. Es hat riesigen Spaß gemacht, hier zu spielen. Und am liebsten würde ich schon morgen das Rückspiel in Kassel bestreiten.“

Kassel-Trainer Uwe Wolf: „Wir haben gewusst, dass uns hier heute eine Wucht – gerade im Offensivbereich – erwartet. Unser Umschaltspiel war heute nicht so, wie ich es mir gewünscht habe. Dann lagen wir zurück, hatten offensiv in der ersten Halbzeit bis auf einen Freistoß nichts und waren froh, dass wir nur mit 0:1 in die Kabine gingen. Dort haben wir haben uns vorgenommen ein Tor erzielen, dann kam aber gleich das 0:2. Und so wurde es schwer. Mit einem 1:2 wären wir wieder im Spiel gewesen, aber Kiel hat gut verteidigt. Jetzt müssen wir die Köpfe frei bekommen. Wir zählen im Rückspiel auf unsere tollen Fans und hoffen, dass wir das Rückspiel ebenfalls zu-Null gewinnen können, um noch in die Verlängerung zu kommen.“

Holstein-Trainer Thorsten Gutzeit: „Es war ein verdienter Sieg. Wir haben kaum Torchancen zugelassen, sind ein unheimliches Tempo gegangen und haben alles gegeben. Die Mannschaft hat heute die Vorgaben super umgesetzt, vor allem wollten wir zu-Null spielen. Es ist nichts entschieden, auch wenn die Ausgangslage für Sonntag sehr gut ist – mehr aber auch nicht.“

Holstein Kiel: Jakusch – Herrmann, Gebers, Hartmann, Wetter – Krause, Kazior – Siedschlag, Sykora, Heider (80. Pressel) – Schied (72. Lindner).

Hessen Kassel: Nulle – Hammann, Rahn, Müller, Becker – Gaede, Pinheiro – Schmeer, Gallus, Mayer – Henel (77. Dawid).

Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)

Tore: 1:0 Sykora (31.), 2:0 Wetter (52.)

Zuschauer: 9382

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