Störchen klebte das Pech am Stiefel

Holstein Kiel - 1. FC Heidenheim 0:1 (0:0)

Kampf und Leidenschaft blieben gegen Heidenheim unbelohnt.

Holstein Kiel unterliegt nach einem leidenschaftlich geführten Spiel dem 1.FC Heidenheim mit 0:1. Nachdem die Störche den Spitzenreiter im ersten Durchgang mächtig unter Druck gesetzt hatten, trafen nach dem Seitenwechsel die Gäste. Vor 4991 Zuschauern erzielte Smail Morabit das Tor des Tages (57.). Holstein warf aufopferungsvoll alles nach vorne. Doch aller Einsatz, aller Kampf blieb unbelohnt. Die drei Punkte nahm der 1. FC Heidenheim mit. Holstein Kiel belegt nach dem 15. Spieltag Tabellenplatz 14.

Karsten Neitzel vertraute exakt der Elf, die in der Vorwoche beim 1:1 einen Punkt bei der SpVgg Unterhaching mitgenommen hatte. Zuletzt hatte der Holstein-Trainer seine Mannschaft am 6. Spieltag beim 2:1-Heimsieg gegen Wacker Burghausen unverändert auf den Rasen geschickt.

Die Störche begannen, als ob sie noch Orkan „Christian“ aus der Vorwoche im Rücken hätten und schnürten die Gäste in die eigene Hälfte. Bei vier Ecken binnen der ersten sechs Minuten fehlte nur der entschlossene Abschluss. Zwingend war Manuel Hartmann, der einen wuchtigen Kopfball knapp neben den kurzen Pfosten setzte (9.). Heidenheim versuchte mit langen Ballstaffetten den Kieler Druck zu unterbrechen. Marc Schnatterer fand die Lücke, doch Robert Strauß’ Abschluss aus 13 Metern nahm KSV-Schlussmann Maximilian Riedmüller sicher auf (13.). Es blieb unterhaltsam: Casper Johansen fasste sich aus 20 Metern ein Herz, sein Schuss ging abgefälscht ins Toraus (15.). Holstein hielt das Tempo weiterhin hoch und kombinierte auf dem rutschigen Geläuf: Tim Siedschlag mit Fabian Wetter im Doppelpass, der im Rücken der FCH-Abwehr Rafael Kazior bediente. Dessen Hackentrick fehlte der nötige Druck (24.). Zeitweise erinnerte das Spiel an Handball. Holstein drängte die roten Gäste über Minuten an den Strafraum, spielte sich aber nicht immer in die passende Abschlusssituation. Heidenheim-Trainer Frank Schmidt reagierte auf die Holstein-Dominanz und wechselte gleich doppelt (31.). Die Störche hatten mittlerweile sieben Ecken auf dem Konto, die durchaus gefährlich vor das Tor von FCH-Keeper Erol Sabanov kamen, aber es fehlte der Kieler Kopf oder Fuß, um das Leder über die Linie zu drücken (40.). Für einen Raunen im Publikum sorgte dann noch Marc Schnatterer mit einem strammen 21-Meter-Schuss, der knapp am linken Pfosten vorbeisauste. Dann war Pause.

So rassig der erste Durchgang war, so mäßig begann der zweite. Holstein gelang es nicht, den Druck aufrecht zu erhalten. Der 1. FC Heidenheim hatte mehr Ballbesitz, strahlte aber ebenfalls keine Torgefahr aus. Es scheint zum Drittligagesetz zu werden, dass die KSV in Rückstand gerät. Denn aus dem nichts die Führung für die Gäste. Der eingewechselte Smail Morabit fackelte nicht lange und jagte das Leder aus 17 Metern zentraler Position unhaltbar zum 0:1 ins Netz (57.). Trainer Karsten Neitzel reagierte sofort und brachte mit Fiete Sykora und George Kelbel zwei frische Offensivkräfte. Kelbel hätte gleich mit seinem ersten Ballkontakt für den Ausgleich sorgen können. Sein Rückzieher flog am langen Pfosten vorbei (70.). Die 5000 Zuschauer applaudierten ihre Störche ununterbrochen nach vorne. Das Pech schien den Störchen am Stiefel zu kleben. Ein Schuss von Fiete Sykora sauste am kurzen Pfosten vorbei (73.). Nach einer Hereingabe von Tim Siedschlag brachte Tim Danneberg keinen Druck hinter den Ball (80.). Doch aller Einsatz, aller Kampf blieb auch in der dramatischen Schlussphase unbelohnt. Die drei Punkte nahm der 1. FC Heidenheim mit.

Stimmen nach dem Spiel

Rafael Kazior: „Das ist derzeit der kleine aber feine Unterschied. Heidenheim macht aus zwei Chancen ein Tor und wir aus vier oder fünf Chancen keins. Wir haben uns fast keine Fehler erlaubt, setzen den Tabellenführer 80 Minuten unter Druck, aber gehen ohne Punkt vom Platz. Das ist brutal.“

Manuel Hartmann: „Nächste Woche sind wir einfach mal wieder dran, da bin ich mir sicher. Wer so viel investiert Woche für Woche wie wir, der hat sich das Glück verdient. Wir werden weiter an den kleinen Dingen arbeiten, denn das meiste hat heute gestimmt.“

Tim Siedschlag: „Es nervt derzeit! Wir spielen das ganze Match besser als der Tabellenführer, erarbeiten uns viele Chancen, aber keiner geht rein. Heidenheim war nicht besser, und nimmt den Dreier mit. Nächste Woche hauen wir die Dinger rein – Ende.“

Tim Danneberg: „Die letzten vier Spiele waren wir ungeschlagen und sind auch heute wieder gut ins Spiel gekommen. Bis zum Strafraum haben wir auch richtig gut gearbeitet. Aber dann fehlte da, wo’s brennt, der letzte Kick. Für mich war die eine Szene in der ersten Halbzeit symptomatisch: Die Ecke kommt scharf vors Tor und fliegt ohne Berührung durch den Fünfer. Wenn’s gut läuft drückt den einer rein. Heute eben nicht.“

FCH-Trainer Frank Schmidt: „Wir haben gewusst, dass es hier heiß hergehen wird. Daher habe ich wenig Verständnis, wie sich die Jungs hier am Anfang präsentiert haben. Schlafmützig, kaum Ballkontrolle, mit wenig Laufbereitschaft. Das hat mich geärgert. Und wir hatten Glück, dass Holstein hier nicht in Führung geht. Wir haben reagiert und es dann besser gemacht. Hut ab vor Kiel, wie die hier marschieren, keinem Zweikampf aus dem Weg gehen und den Gegner unter Druck setzen. Ich weiß, es haben schon viele gesagt, aber gegen diese starken Kieler muss man erstmal bestehen. Wir haben einen guter Konter zum entschiedenen Tor genutzt und nehmen gerne den Dreier mit.“

Holstein-Trainer Karsten Neitzel: „Ich habe das Spiel genau so gesehen wie Frank Schmidt. Ich will aber gar nicht so viel zu den 90 Minuten sagen. Wir haben 80 Minuten richtig gut gespielt, 10 Minuten nicht so gut. In diese Phase fällt das 0:1. Das ist sehr schade. Wir belohnen uns in der Liga seit Wochen nicht, das wissen wir. Wir werden weiter an den Dingen arbeiten und heute sage ich den Satz nicht, den habe ich in den letzten Wochen zu häufig gesagt.“

Holstein Kiel: Riedmüller – Herrmann, Gebers (63. Sykora), Wahl, Wetter – Siedschlag, Danneberg, Hartmann (84. Schied), Johansen (69. Kelbel) – Kazior, Heider. Trainer: Neitzel.

1. FC Heidenheim: Sabanov – Malura, Göhlert, Wittek, Heise – Reinhardt, Griesbeck – Strauß (74. Bagceci), S. Sökler (31. Morabit), Schnatterer – Niederlechner (31. Thurk). Trainer: Schmidt.

Schiedsrichter: Steinhaus (Hannover)

Tore: 0:1 Morabit (57.)

Zuschauer: 4991

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