Happy birthday, Schleswig-Holstein

Und was war bei den Störchen vor 70 Jahren los?

Die Störche 1946 auf der Waldwiese.

Heute vor genau 70 Jahren erklärte die britische Besatzungsmacht Schleswig-Holstein zu einem eigenständigen Land und die Stadt Kiel zu deren Hauptstadt. Kiel sah damals nach den Kriegswirren trotz des schnellen Wiederaufbaus noch immer sehr ramponiert aus. In der Altstadt, in der Brunswik und auch in Ellerbek standen nach Kriegsende kaum mehr intakte Häuser. Die Einwohnerzahl war von 265.000 auf 135.000 gesunken. Der Holsteinplatz an der Projensdorfer Straße hatte ebenfalls Bombentreffer abbekommen, Tribüne und Spielfeld waren völlig zerstört. Doch schon bald rollte der Ball wieder. Am 1. September 1945 hatte eine vermutlich in schwarze Trikots gehüllte Holstein-Mannschaft vor 5.000 Zuschauern an der Waldwiese den VfB Kiel mit 3:2 besiegt. Wenige Wochen später wurde Egon Fleßner zum neuen Vorsitzenden der KSV ernannt.

Mit einer bunten Mischung aus Jugendlichen, alten Haudegen, zufällig in Kiel weilenden Fußballern, Flüchtlingen aus den Ostgebieten sowie den nach und nach eintrudelnden Kriegsgefangenen begaben sich die Störche auf Freundschaftsspieltour. Doch schon bald wurde es ernst. 1945/46 landete Holstein in der Bezirksmeisterschaft hinter dem Eckernförder SV auf Platz 2. Am 10. Juli 1946 qualifizierte sich die KSV vor 10.000 Zuschauern auf der Waldwiese durch ein 4:2 im „Entscheidungsspiel“ gegen den ESV für die Norddeutsche Meisterschaft. Wie wichtig Holstein dieses Spiel nahm, beweist die Tatsache, dass extra für diese Partie zwei alte Recken aus Kriegstagen, Werner Basler aus Kaiserslautern und Rudi Jennewein aus Neckarau, in den Norden geholt wurden, was bei den damaligen Verhältnissen einen enormen Aufwand darstellte.

Die Militärregierung hatte Holstein und dem ESV allerdings frühzeitig die Spielgenehmigung für die Norddeutsche verweigert. Holsteins Vorstand wurde auf Lebenszeit gesperrt, die Störche durften bis auf weiteres keine Fußballspiele austragen. Die Auseinandersetzungen zwischen den Vereinen und der Militärregierung überschatteten das fußballerische Geschehen noch einige Monate. Dennoch nahmen im März 1947 vierzehn Vereine Schleswig-Holsteins – darunter die Kieler Clubs Holstein, VfB, Polizei, Union-Teutonia und Kilia – das Rennen um die Landesmeisterschaft.

 

 

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