Jakusch hält Punkt fest

Holstein Kiel - Hannover 96 II 3:3 (2:3)

Marcel Schied traf gegen Hannover zweimal ins Schwarze

Holstein Kiel und Hannover 96 trennten sich in einem nervenaufreibenden Spiel, das alles bot, mit 3:3 (2:3). Marcel Schied schoss die Störche vor 3.151 Zuschauern zwar früh in Führung (6.), Lars Fuchs (15.), Meik Karwot (30.) und Willi Evseev (34.) drehten die Partie aber binnen 20 Minuten, bevor Patrick Herrmann (39.) den 2:3-Pausenstand herstellte. Holstein agierte nach der Pause besser und erzielte den verdienten Ausgleich erneut durch Schied (75.). Damit bleibt die KSV im 22. Spiel in Folge zu Hause ungeschlagen.

Die Störche begannen zum 2:1-Auftaktsieg gegen ETSV Weiche Flensburg auf einer Positon verändert. Marc Heider begann im Sturm an Stelle von Casper Johansen.

Es sollte das Tor-Festival werden, dass die Offensivreihen beider Mannschaften auf dem Papier versprachen. Die Kieler Zuschauer durften schon nach fünf Minuten jubeln: H96-Torwart Samuel Radlinger ließ sich im eigenen Fünfer auf ein Eins-gegen-Eins gegen Routinier Marcel Schied ein, der luchste dem Torwart den Ball ab und schob lässig zum 1:0 ein. Der Gast war aber alles andere als geschockt. Schnell eroberten die Roten die Bälle und in der 15. Minute fiel der Ausgleich. Konter über die linke Angriffsseite, Willi Evseev legte in die Mitte auf den völlig freien Lars Fuchs, der keine Probleme hatte, den Ball aus neun Metern ins Netz zu jagen. Holstein spielte weiter überhastet. Viel zu schnell wurde immer wieder der Weg nach vorne gesucht. Das verursachte Ballverluste. Hannover spielte cleverer und vor allem ballsicherer. Ein Ecken-Powerplay führte schließlich zum zweiten 96-Treffer: Diesmal schlug Meik Karwot am zweiten Pfosten volley zu, nachdem der Kieler Marcel Gebers die Ecke verlängert hatte (30.). Und es kam noch schlimmer: Wieder konterte Hannover entschlossen und flüssig. Im Rückraum lief Evseev mutterseelenallein ein, der den Rückpass von Deniz Aycicek aus 17 Metern ins linke Eck versenkte. „Wir wollen Euch kämpfen sehen!“, forderten die KSV-Fans. Holstein kämpfte und erarbeitete sich auch das nötige Glück. Erst stocherte der Hannoveraner Sascha Schünemann den Ball im Zweikampf mit Heider mustergültig in den Lauf zu Patrick Herrmann, der flankte. Anstatt vors Tor zischte der Ball aber unhaltbar ins kurze Eck zum 2:3-Anschlusstreffer (39.). Dann war Halbzeit.

Die erste Gelegenheit nach der Pause hatten die Gäste: Einen 19-Meter-Freistoß von Evseev boxte KSV-Schlussmann Niklas Jakusch stark aus dem Eck (51.). Auf er anderen Seite marschierte der Kapitän voran: Entschlossen tankte sich Rafaek Kazior mit einem 30-Meter-Sprint bis vor Radlinger durch, scheiterte aber an dem gut reagierenden Hannover-Schlussmann. Holstein jetzt endlich auf 100 Prozent, jeder Blaue kämpfte bis zum Letzten. Hannover stellte die Räume aber geschickt zu. Selten hatten die Gastgeber Chancen: Heider zog den Ball aus spitzem Winkel hinters Tor (69.). Die Störche blieben dran. Das Eckenverhältnis stand mittlerweile 9:7 für Holstein. Und nach der 9. Ecke fiel der Ausgleich. Schied wartete bei einem auftropfenden Ball mit all seiner Routine den richtigen Moment ab und überlupfte mit der Pieke den herausstürzenden Radlinger zum 3:3 (75.). Holstein weiter am Drücker, aber mit Lücken in der Abwehr. Fuchs stürmte allein auf Jakusch zu, der mit einer Glanztat seine Farben vor einem erneuten Rückstand bewahrte (83.). In einer nervenaufreibenden Schlussphase mit gefährlichen Aktionen auf beiden Seiten fielen keine Treffer mehr. Der bis dahin blasse Kadah köpfte den Ball in der Nachspielzeit aus einem Meter am leeren Tor vorbei. Dann folgte der Abpfiff.

Stimmen nach dem Spiel

Doppeltorschütze Marcel Schied sagte nach dem Schlusspfiff abgekämpft: „Es war am Ende ein glücklicher Punkt für uns. Allerdings muss man sagen, dass wir nach dem Zwei-Tore-Rückstand Moral gezeigt haben. Die Art, wie wir zurückgekommen sind, macht Mut. Ich bin im Spiel gegen Weiche unter meinen Möglichkeiten geblieben. Ich wollte heute zeigen, dass ich es besser kann. Ein Lob an die Fans, die uns in den ersten beiden Heimspielen toll unterstützt haben.“

Holstein-Schlussmann Niklas Jakusch analysierte: „Wir waren heute wieder nur phasenweise gut und in vielen Situationen zu offen. In der Eins-gegen-Eins-Situation habe ich heute zum Glück gewonnen. Davor war es für mich ein undankbares Spiel. In der ersten Halbzeit habe ich drei Bälle aufs Tor bekommen und alle waren drin. Und zum Schluss haben wir Glück, dass Kadah wohl doch ziemlich geschwitzt hat. Anders kann ich mir nicht erklären, warum er die Flanke nicht reindrückt.“

Torschütze Patrick Herrmann erklärte: „Wir können mit dem Punkt gut leben und haben gesehen, dass vor uns noch viel Arbeit liegt. Wir haben viele taktische Vorgaben heute nicht umgesetzt und dadurch viel zu leicht die Gegentore bekommen.“

Trainerstimmen

Hannover-Trainer Valérien Ismaël erklärte auf der Pressekonferenz: „Für die Zuschauer war es ein unterhaltsames Spiel, dass alles geboten hat. Für uns Trainer war es ärgerlich und viel Arbeit am Seitenrand. Nach dem frühen Gegentor haben wir uns nicht beeindrucken lassen und mutig nach vorne gespielt. Da haben wir gezeigt, dass wir sehr gute Spieler haben, die tollen Fußball spielen können. Am Ende geht das 3:3 in Ordnung, wobei ich mich natürlich gefreut hätte, wenn Deniz am Ende das Tor macht. Unter Woche haut er die im Training immer rein, den entscheidenden heute leider nicht.“

KSV-Trainer Thorsten Gutzeit meinte: „Wir sind durch das glückliche Tor sehr gut ins Spiel gekommen. Was aber danach passiert ist, stimmt mich nachdenklich. Wir haben leichtfertig agiert und in vielen Situationen schlecht ausgesehen. Und Hannover hat die Konter natürlich toll zu Ende gespielt. Das Positive: Wir sind zurückgekommen. Zwar mit mehr Krampf und Kampf – haben dabei auch die spielerische Linie veloren – aber das 3:3 gemacht. Dennoch liegt eine ganze Menge Arbeit vor uns. Hannover hat uns heute in vielen Dingen unsere Schwächen aufgezeigt – war präsenter und wacher. Daher hätten wir uns nicht beschweren dürfen, wenn Kadah noch das 4:3 geköpft hätte.“

Holstein Kiel: Jakusch - Herrmann, Urban, Gebers, Wetter - Hebler (55. Siedschlag), Kazior, Hartmann (67. Johansen), Lindner - Heider (77. Toksöz), Schied.

Tore: 1:0 Schied (6.), 1:1 Fuchs (15.), 1:2 Karwot (30.), 1:3 Evseev (34.), 2:3 Herrmann (39.), 3:3 Schied (77.)

Schiedsrichter: Krohn (Hamburg)

Zuschauer: 3.151

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