KSV holt Punkt bei Heimmacht

Hallescher FC - Holstein Kiel 0:0

Holstein Kiel nimmt verdient einen Punkt beim Halleschen FC mit. Vor 8.103 Zuschauern endete eine umkämpfte Partie 0:0. Beim heimstärksten Gegner der 3. Liga waren die Störche über 90 Minuten das bessere Team, das nach der Gelb-Roten Karte gegen Klaus Gjasula (63.) nicht nur numerisch überlegen war, sondern auch die besseren Torchancen hatte. Doch am Ende blieb es beim torlosen Unentschieden, mit dem die Störche einen neuen Bestwert aufstellten. Noch nie überwinterte die KSV auf Rang 6 in der 3. Liga.

Durch die Ausfälle von Niklas Hoheneder (Bänderanriss) und Dominik Schmidt (Rotsperre) musste KSV-Trainer Markus Anfang seine erste Elf umbauen. So stand mit Rafael Czichos und Eidur Sigurbjörnsson eine komplett neuformierte Innenverteidigung auf dem Rasen. Links in der Viererkette begann Arne Sicker. Dazu kehrte der zuletzt gelbgesperrte Dominick Drexler zurück. Für ihn musste Tim Siedschlag zunächst auf die Bank. Zudem war Milad Salem für Steven Lewerenz vom Anpfiff an dabei.

Große Eingewöhnung brauchte die umformierte Anfang(s)-Elf allerdings nicht. Zwar mussten sich die Kieler im Erdgas-Sportpark, der einem Kühlschrank glich, kurz aufwärmen, hatten dann aber den ersten – und gleichzeitig einzigen – echten Hochkaräter der ersten Halbzeit, als Kingsley Schindler im gegnerischen Strafraum auf Milad Salem querlegte, der aus sechs Metern aber an HFC-Torhüter Fabian Bredlow scheiterte (12.). Danach hatten die Störche die stärkste Phase im ersten Durchgang, nutzten diese aber nicht zur Führung. Mit der Zeit erarbeiteten sich die Hallenser dann wieder ein leichtes optisches Übergewicht, kreierten aber keine gefährlichen Torchancen. So ging es torlos in die Kabinen. 

Aus diesen kamen die Gastgeber druckvoller zurück aufs Spielfeld. In der Phase nach Wiederanpfiff war dem Team von Trainer Rico Schmitt anzumerken, dass sie das letzte Heimspiel des Kalenderjahres gewinnen wollten. So sorgten Toni Lindenhahn (52.) und Sascha Pfeffer (57.) jeweils per Distanzschuss für die ersten gefährlichen Torannäherungen. Holstein antwortete mit der zweiten Riesenchance des Spiels: Dominick Drexler dribbelte sich stark bis zur Grundlinie durch und legte mustergültig in die Mitte auf Dominic Peitz, doch der Schuss des Kieler Sechsers aus sechs Metern wurde von Fabian Baumgärtel geblockt. Peitz forderte anschließend einen Handelfmeter, doch der Pfiff von Schiedsrichter Benjamin Bläser blieb aus.

In der offenen Partie holte sich Klaus Gjasula binnen zwei Minuten zunächst die Gelbe (61.) und dann die Gelb-Rote Karte (63.) ab. In Überzahl erhöhte Kiel den Druck, kam aber nur noch zu einer Topchance: Nach Flanke des eingewechselten Steven Lewerenz kratzte Bredlow den Kopfball von Schindler aus dem rechten Torwinkel (79.). Halle versuchte, Zeit von der Uhr zu nehmen und sorgte insbesondere in den Schlussminuten nochmal für Entlastung, sodass Blau-Weiß-Rot nicht mehr gefährlich vor das HFC-Tor kam. 

Aufgrund der halbstündigen Überzahl und der beiden Großchancen von Salem und Peitz wäre es durchaus möglich gewesen, den Gastgebern die erste Heimniederlage dieser Saison beizubringen. Das sah auch Heim-Trainer Rico Schmitt so, der nach dem Abpfiff von einem „glücklichen Punktgewinn“ sprach.

Stimmen nach dem Spiel 

Steven Lewerenz: „Wir müssen in Überzahl das Spiel für uns entscheiden, auch weil wir die Chancen dazu hatten. Das ist ärgerlich. Wir gehen aber dennoch mit einem guten Gefühl in die Winterpause, weil wir eine gute Hinrunde gespielt haben.“

Dominick Drexler: „Mit der Roten Karte hätten wir gerne gewonnen. Wir werden das wie nach Wiesbaden aufarbeiten, wie wir es künftig besser ausspielen können. Halle ist ein starker Gegner zu Hause, trotzdem hatten wir zwei riesige Chancen, machen sie aber nicht. Mit einem Punkt hier kann ich aber leben.“

KSV-Sportchef Ralf Becker: „Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Mit einem Mann mehr haben wir uns fast schwerer getan als in Gleichzahl. Der Gegner stand tiefer und wir haben nicht mehr die Lösung gefunden, uns klare Torchancen zu erspielen wie bei Elf-gegen-Elf.“

KSV-Trainer Markus Anfang: „Nutzen wir die erste Torchance, läuft das Spiel komplett in unsere Richtung. Das Ergebnis ist gut, aber nicht gut genug. Es ist ärgerlich, dass wir heute die drei Punkte nicht mitnehmen konnten, aber meiner Mannschaft kann ich keinen Vorwurf machen – sie hat bis zum Schluss alles versucht, um dieses Spiel zu gewinnen.“

HFC-Trainer Rico Schmitt: „In der ersten Halbzeit waren wir zu fahrig, in der zweiten Halbzeit waren wir in einigen Situationen nicht clever genug. Die Gelb-Rote Karte war ein Beispiel dafür. Aber: Die Fans können stolz auf ihre Mannschaft sein, sie hat es mit großer Leidenschaft geschafft, auch in diesem Heimspiel ungeschlagen zu bleiben. Es war sicher nicht unser bestes Spiel, aber wir haben großartig gekämpft.“

Spielinfo

Hallescher FC: Bredlow – Schilk, Kleineheismann (69. Diring), Franke, Baumgärtel – Fennell, Gjasula – Ajani (90. Sliskovic), Pfeffer (86. Brügmann), Lindenhahn – Pintol. Trainer: Schmitt
Holstein Kiel: Kronholm – Herrmann (80. Siedschlag), Sigurbjörnsson, Czichos, Sicker – Peitz – Schindler, Bieler, Drexler, Salem (64. Lewerenz) – Fetsch (88. Harder). Trainer: Anfang
Schiedsrichter: Bläser (Niederzier)
Tore: Fehlanzeige
Zuschauer: 8.103
Gelb-Rote-Karte: Gjasula (63.)

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