Powerstörche, Platzverweis, Pleite

Holstein Kiel - SG Sonnenhof Großaspach 1:2 (1:1)

Holstein Kiel unterliegt der SG Sonnenhof Großaspach nach abwechslungsreichen 90 Minuten unglücklich mit 1:2. Vor 4.368 Zuschauern krönte Kingsley Schindler mit einem 23-Meter-Kracher in den Winkel (11.) den Störche-Sturmlauf der ersten 20 Minuten, dem aber das zweite Tor fehlte. So kamen die Gäste vor der Pause durch Nicolas Jüllich (40.) zum Ausgleich. Nach dem Platzverweis für Dominik Schmidt (51.) versuchte die KSV zwar weiter auf Sieg zu spielen, das glücklichere Ende hatte aber der „Dorfklub“, der durch Michael Maria noch den Siegtreffer (89.) markierte.

KSV-Trainer Markus Anfang änderte die Startelf lediglich da, wo er musste: Mathias Fetsch stürmte anstelle des gelbgesperrten Dominick Drexler. Sonst stand die Mannschaft auf dem Rasen, die in der Vorwoche Hansa Rostock mit 4:1 vom Platz gefegt hatte.

Die Störche begannen so, als ob sie den Gästen aus Süddeutschland das stürmische Norddeutschland von der extremsten Seite zeigen wollten. Nach einer Viertelstunde hätte es gut und gerne 4:0 für die Gastgeber stehen können. Nachdem Kingsley Schindler (2.) und Steven Lewerenz (5.) noch um Haaresbreite verpasst hatten, krönte Schindler seine entfesselte Anfangsoffensive aus 23 Metern mit einem Strich in den Winkel (11.). Auch wenn die Anfang-Elf nach der Führung das Tempo etwas drosselte, kontrollierte sie das Geschehen nach Belieben. Mathias Fetsch hätte nach 28 Minuten erhöhen können, drückte das Leder nach perfekter Vorarbeit von Alexander Bieler und Patrick Hermann aber über die Latte. Und der „Dorfklub“? Bei aller Ehrfurcht versuchte die SGS ein Offensivspiel aufzuziehen, fand gegen die umsichtige KSV-Defensive aber kein Durchkommen – bis zur 40. Minute. Im plötzlich stillen Holstein-Fanblock herrschte aufgrund eines Gerangels Irritationen, die Holstein-Defensive offenbarte zum ersten Mal eine Lücke, die nach Flanke von Lucas Röser Nicolas Jüllich aus 14 Metern zum Ausgleich nutze. 

Die Kieler suchten mit dem Wiederanpfiff den Schwung der ersten 30 Minuten, schwächten sich jedoch zunächst selbst. Nach einem Stockfehler baute sich Dominik Schmidt als Prellbock auf, um den heraneilenden Lucas Röser auszubremsen. Schiedsrichter Eric Müller sah den Holsteiner als letzten Feldspieler, wertete das Foul als Notbremse und zückte Rot (51.). Bereits zuvor war der zweite Innenverteidiger Niklas Hoheneder mit einer Bänderverletzung ausgeschieden. Die Holstein-Fans feuerten Blau-Weiß-Rot nach vorne und hätten ihren Anteil an der erneuten Führung gehabt, doch Kevin Broll kratzte reaktionsschnell einen Schindler-Schuss von der Linie (56.). Die SG erhöhte mit einem Mann mehr nur spärlich das Risiko. Daniel Hägele feuerte aus 22 Metern neben das Tor von Kenneth Kronholm (66.). Die KSV wollte dagegen mehr als einen Punkt: Schindler blieb alleine vor Broll zweiter Sieger (80.). Fetschs Hackenversuch drosch Ex-Storch Marlon Krause von der Linie (82.). Das Auslassen der Chancen rächte sich: Aus dem Nichts stolperte der eingewechselte Michael Maria das Leder zum Siegtreffer über die Linie (89.). So ärgerten sich die Kieler zwar über die fehlenden Punkte, konnten aber mit Einsatz, Willen und Spielzügen durchaus zufrieden sein.

Stimmen nach dem Spiel 

Rafael Czichos: „Wir sind richtig gut ins Spiel gekommen, gehen verdient in Führung, haben uns dann aber einschläfern lassen. Die Rote Karte hat uns eigentlich ein bisschen die Kraft für den Endspurt genommen und doch hatten wir die besseren Chancen auf den Sieg. Dass du am Ende durch so ein Mist-Tor verlierst, ist natürlich bitter. Wir sind aber auf dem richtigen Weg.“ 

Steven Lewerenz: „Wir haben sehr gut angefangen, hätten mit 3:0 oder 4:0 in die Halbzeit gehen können. Das Gegentor war überflüssig. In der zweiten Halbzeit hat der Schiedsrichter maßgeblich Einfluss auf das Spiel genommen, aber wir haben weitergekämpft.“

Dominik Schmidt: „Wir sind klar besser ins Spiel gekommen. Was nach der Führung passiert ist, ist einfach bitter. Vor der Roten Karte muss ich den Ball schon klären. Es tut mir sehr leid für die Mannschaft, da sie alles gegeben hat.“

SG94-Trainer Oliver Zapel: „Man hat gesehen, wie schwer wir in die Partie gefunden haben. Über uns ist ein kleiner Orkan hinweggefegt und wir haben ein Traumtor als Gegentreffer kassiert. Danach waren wir griffiger, sind zu Möglichkeiten gekommen und haben nach einem tollen Spielzug den Ausgleich gemacht. Bis zur Roten Karte plätscherte es etwas dahin. Wir haben dann souverän gespielt, aber die Lücke nicht gefunden. Dann kam jedoch die eine Möglichkeit, die wir genutzt haben. Wir fahren zufrieden nach Hause.“

KSV-Trainer Markus Anfang: „Wir sind richtig gut in die Partie gekommen. Nach der Führung haben wir nicht mehr so konsequent durchgespielt und wurden bestraft. Wir haben zuvor versäumt, das Tor nachzulegen. Aus einem eigenen Fehler haben wir die Rote Karte bekommen. In Unterzahl haben sich die Jungs gut reingehauen, wir hätten dann wieder in Führung gehen müssen. Solche Spiele wie heute kann man nur verlieren, wenn etwas Besonderes verliert. Das ist passiert, durch das Gegentor mit der ersten Gelegenheit des Gegners, das Ausscheiden eines verletzten Spielers, Niklas Hoheneder, und die Rote Karte für Dominik Schmidt.“

Spielinfo 

Holstein Kiel: Kronholm – Herrmann, Schmidt, Hoheneder (42. Sicker), Czichos – Peitz – Schindler, Siedschlag (53. Sigurbjörnsson), Bieler, Lewerenz (83. Janzer) – Fetsch. Trainer: Anfang
SG Sonnenhof Großaspach: Broll – Krause, Gehring, Leist – Schiek, Jüllich, Hägele, Lorch – Sohm (83. Binakaj), Röser (90.+2 Hoffmann), Osei Kwadwo (58. Maria). Trainer: Zapel
Schiedsrichter: Müller (Bremen)
Tore: 1:0 Schindler (11.), 1:1 Jüllich (40.), 1:2 Maria (89.)
Zuschauer: 4.368
Rote Karte: Schmidt (51., Notbremse)

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