Gänsehaut-Debüt für Salem

Storch spielte zum ersten Mal für sein Heimatland Afghanistan

 

Milad Salem ist zurück im Storchennest: Der Mittelfeldspieler der KSV Holstein blickt auf eine ereignisreiche Woche zurück. Eine, die ihn zum Nationalspieler seines Heimatlandes Afghanistan werden ließ.

„Auch heute, ein paar Tage nach dem Spiel, fehlen mir noch die Worte, um das Gefühl zu beschreiben, dass ich beim Abspielen der Nationalhymne hatte“, sagt der 28-Jährige, der mit seiner Auswahl ein Freundschaftsspiel im benachbarten Tadschikistan mit 0:1 verlor. „Das war Gänsehaut pur.“ Salem floh als Zweijähriger mit der Familie aus seiner Geburtsstadt Kabul und wuchs in Deutschland auf, seine Wurzeln blieben aber in Afghanistan. „Ich bin unheimlich stolz darauf, nun tatsächlich für mein Land spielen zu dürfen.“ 

Verletzung verhindert Premiere 

Vor fünf Wochen hatte ihn der afghanische Verband zu einem Freundschaftsspiel in Malaysia eingeladen, doch Salem sagte ab, spielte stattdessen für die KSV Holstein in einem Test gegen den Zweitligisten Hannover 96 in Schneverdingen (2:2). „Der Zeitpunkt wäre für mich, der zuvor verletzt gewesen ist, zu früh gewesen“, sagt Salem. „Aber jetzt passte es.“ Er hatte im letzten Punktspiel gegen RW Erfurt (0:0) 90 Minuten lang mitgespielt und sich vor den Augen seines Nationaltrainers in guter Form präsentiert. Sein Vereinstrainer Markus Anfang gab ihm grünes Licht für die Weltreise. 

Quintett aus Deutschland

Am Dienstag vergangener Woche flog er via Frankfurt und Istanbul nach Duschanbe, der Hauptstadt Tadschikistans. Ein Weg, auf dem sich die in viele Länder verstreute Nationalmannschaft nach und nach vereinte. In Frankfurt kamen fünf Kollegen hinzu, die in Deutschland aktiv sind. In Istanbul traf die Gruppe dann auf Mitspieler, die ihr Geld in Skandinavien und Holland verdienen. In Duschanbe stießen schließlich diejenigen hinzu, die in Malaysia, Thailand und Afghanistan kicken. Ob sie mit den Landsleuten, die noch in der Heimat leben, bei einem solchen Lehrgang über die aktuelle politische Situation reden? „Wenig“, sagt Salem, der im Kreis der Nationalmannschaft mit offenen Armen aufgenommen wurde. „Ihnen ist es wichtig, in unserem Kreis davon einmal abzuschalten. Sie genießen es einfach, mit uns zusammen zu sein.“ 

Wie Weltmeister

In Tadschikistan wurde die afghanische Nationalmannschaft wie ein Weltmeister empfangen. Mehr als 500 Afghanen hatten stundenlang darauf gewartet, ihre Idole am Flughafen begrüßen zu dürfen. Das Team von Milad Salem residierte in einem Fünf-Sterne-Hotel, das Länderspiel besuchten knapp 20000 Zuschauer, weltweit sollen, so Salem, mehr als 30 Millionen Menschen die Partie verfolgt haben. Für den nächsten Lehrgang, der für Anfang Januar 2017 angesetzt ist, sagte Salem allerdings bereits ab. Seine KSV fliegt zeitgleich nach Spanien, um sich dort auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten. „Holstein ist mein Arbeitgeber, deshalb ist eine solche Entscheidung für mich eindeutig.“ Aber klar ist schon jetzt, dass es im Terminkalender der Störche wieder eine Lücke geben wird, in der er ein weiteres Mal für Afghanistan spielen kann. Mit Gänsehaut.      

Ein ausführliches Interview gibt es am Freitag auf www.calcio-culinaria.de

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