Wille und Wucht, aber kein Tor

Holstein Kiel - FC St. Pauli 0:1 (0:1)

Kampf bis zur letzten Patrone: Kiels Dominic Peitz

Am 19. September verliert Holstein Kiel das erste Heimspiel des Jahres. Im hart umkämpften Nordderby behielt der FC St. Pauli am Ende mit 1:0 glücklich die Oberhand. Johannes Flum hatte dem dem Pausenpfiff die Führung erzielt, die die Kiezkicker in einer Defensivschlacht im zweiten Durchgang über die Uhr brachten. Die Störche verloren nicht nur die Punkte, sondern auch Patrick Hermann nach einer Gelb-Roten Karte (83.).

Holstein-Trainer Markus Anfang entschied sich nach dem 3:0 in Aue für einen Wechsel in der Startelf. David Kinsombi begann wieder anstelle von Dominic Peitz (Bank). 

Das Spiel drohte gar nicht erst angestoßen zu werden. 20 Minuten vor dem eigentlichen Anpfiff stürmten Chaoten aus dem Kieler Fanblock den Rasen und wurden erst durch die Sicherheitskräfte zurückgedrängt. Mit zehn Minuten Verspätung pfiff Schiedsrichter Osmers das Derby an.

Es war schnell offensichtlich, dass die 11.935 Zuschauer eine enge Kiste erwarten würde. Kingsley Schindler setzte den ersten Warnschuss neben das Tor (10.). David Kinsombi verlängerte eine Flanke von Rafael Czichos mit dem Hinterkopf, doch Robin Himmelmannn angelte das Leder noch aus der Ecke (12.). Auf der anderen Seiten hechtete Kenneth Kronholm gegen Richard Neudecker schnell nach unten (14.). Aziz Bouhaddouz wollte wohl aufs Tor schießen, sein Schuss streifte aber den Scheitel von Waldemar Sobota, von dem das Leder übers Tor prallte (17.). Beide Farben arbeiteten sich aneinander ab, versuchten den Gegner durch System- und Positionswechsel zu irritieren. Nach einer knappen halben Stunde nahm die KSV den Drücker in die Hand, kam aber nicht Abschlussposition. Dann setzten die Gäste den ersten spielerischen Akzent: Bernd Nehrig schickte Jeremy Dudziak, der nach innen zog und aus 17 Metern Kronholm prüfte (36.). Je näher die Pause rückte, desto intensiver wurde die Angelegenheit und Schiedsrichter Osmers zückte binnen zehn Minuten viermal Gelb. Mitten in der emotionalen Phase schüttelte sich Richard Neudecker am Kieler Strafraum frei, legte quer auf den freigelaufenen Johannes Flum, der mit einem präzisen Strahl unter die Latte Kronholm keine Chance ließ (44.) und zur Pausenführung traf.

Die Störche suchten mit dem Wiederanpfiff ihre Spielstärke der letzten Wochen. Die Paulianer legten jedoch den Fokus ab sofort voll auf Defensivarbeit und warfen sich mit allem Willen in die Kieler Angriffsversuche. Torraumszenen blieben Mangelware, auch weil die Kiezkicker früh versuchten, an der Uhr zu drehen und Verletzungspausen in die Länge zogen. Schiedsrichter Osmers ermahnte die Gäste, sich auf keine weiteren Liegemanöver einzulassen. Eine Viertelstunde vor Schliss gab’s endlich wieder einen Aufreger: Alexander Mühling flankte in die Box, der eingewechselte Aaron Seydel spritzte in den Ball, der aber knapp am Außenpfosten vorbeizischte (76.). Das Holstein-Stadion war jetzt da. Die Störche versuchten in den Schlussminuten mit langen Bällen auf die beiden Funktürme Dominic Peitz und Seydel Gefahr heraufzubeschwören. Die braun-rote Wand wankte, fiel aber nicht. Um den Konter zu vermeiden, packte der bereits verwarnte Patrick Herrmann die Grätsche aus und musste vorzeitig zum Duschen (83.). Auch mit einem Mann weniger warf Holstein alles nach vorne. Seydel traf bei seinem Drehschuss aus 16 Metern das Spielgerät nicht voll (88.), Peitz’ Kopfball fehlte ebenfalls der Druck (89.). Eine scharfe Drexler-Hereingabe fand nur einen Paulianer (90.+2). Den 20-Meter-Strahl von David Kinsombi fischte Himmelmann aus dem Eck (90.+4). Dann war Schluss und der FC St. Pauli entführte mit Glück und Geschick drei Punkte.

Stimmen nach dem Spiel

Marvin Ducksch: „Wir haben uns für das Nordderby einiges vorgenommen, haben aber die erste Halbzeit ein bisschen verschlafen, unseren Fußball nicht so durchbringen können. Für die zweite Halbzeit muss ich der Mannschaft aber ein Riesenkompliment für eine starke Reaktion machen, bei wir uns leider nur nicht belohnt haben.“

David Kinsombi: „Wir waren erst in der zweiten Halbzeit aggressiv in den Zweikämpfen und auch dem Ausgleichs sehr nah. Schade, dass das Tor nicht mehr gefallen ist.“ 

Alexander Mühling: „Es war ein sehr intensives Spiel mit wenigen Chancen auf beiden Seiten. Pauli hat leider eine genutzt, wir nicht.“

FCSP-Trainer Olaf Janßen: „Wir haben bis zum letzten Körnchen alles reingeworfen. Wir haben Kiel alles abverlangt. Die erste Halbzeit war ansprechend, wir haben wenig zugelassen und selbst das Tor gemacht, das super herausgespielt war. Kiel wird in dieser Liga einen guten Weg gehen, es ist eine taktische Herausforderung, gegen diese Mannschaft zu spielen. Das Tor ist zum richtigen Zeitpunkt gefallen und war super herausgespielt. In der zweiten Halbzeit war es dann viel Kick and Rush. Dafür wären wir mit der letzten Chance fast noch bestraft worden. Ein Unentschieden wäre nicht ungerecht gewesen. Deshalb bin ich umso glücklicher, dieses Spiel zu uns gezogen zu haben.“ 

KSV-Trainer Markus Anfang: „Insgesamt haben wir uns nicht viele Chancen erspielt wie in den letzten Spielen, aber da muss man einfach sagen, dass wir Neuling sind. Das Tor haben wir zurecht bekommen. Das war gut herausgespielt. In der zweiten Halbzeit haben wir mit viel Leidenschaft bis zur letzten Sekunde alles probiert. Aber heute ist es uns verwehrt geblieben, ein spätes Tor zu schießen. Aber vielleicht ist es auch auch ganz gut, damit wir sehen, dass es kein Selbstläufer ist und wir nichts geschenkt bekommen.“

Spielinfo

Holstein Kiel: Kronholm – Herrmann, Schmidt, Czichos, Heidinger – Kinsombi – Schindler (66. Seydel), Mühling, Drexler, Lewerenz (78. Peitz) – Ducksch (88. Hoheneder). Trainer: Anfang
FC St. Pauli: Himmelmann – Zander, Avevor, Sobiech, Buballa – Nehrig, Dudziak (70. Litka) – Sobota (75. Kalla), Flum, Neudecker – Bouhaddouz (62. Allagui). Trainer:  Janßen
Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
Tore: 0:1 Flum (44.)
Zuschauer: 11.935
Gelb-Rote Karte: Herrmann (83.)

Zurück