Schäffler-Ausgleich reicht nicht zum Punkt

Rot-Weiß Erfurt - Holstein Kiel 3:2 (1:1)

Holstein Kiel kehrt nach abwechslungsreichen 90 Minuten bei Rot-Weiß Erfurt mit leeren Händen zurück. Mit 2:3 unterlagen die Störche ein Spiel, in dem beide Teams den Sieg schon in den Finger hielten  Die 4.673 Zuschauer sahen mitte der ersten Halbzeit einen Doppelschlag, allerdings mit Toren auf beiden Seiten: Per Foulelfmeter hatte Rafael Kazior die KSV in Führung gebracht (27.), die Simon Brandstetter mit einem Kopfballtreffer postwendend ausglich (30.). Nach der Pause ging es turbulent weiter. Die Heimelf drehte zunächst durch erneut per Kopf durch Jens Möckel die Partie, ehe Manuel Schäffler mit seinem Premierentor im Holstein-Dress zum Ausgleich einschoss. Doch RWE antwortete wieder prompt und traf erneut per Standard: Kevin Möhwald traf per 30-Meter-Freistoßflanke zum 3:2-Siegtreffer (77.).

Verletzungsbedingt änderte KSV-Trainer Karsten Neitzel die Startelf seiner Störche zweimal. Patrick Breitkreuz und Patrick Kohlmann begannen für Fabian Wetter (Knöchel) und Saliou Sané (Adduktoren).

Der Anpfiff der Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus war zugleich der Auftakt eines satten Regens, der den Rasen rutschig machte. Die Störche kamen auf dem schwierigen Geläuf besser zurecht. Echte Torchancen sprangen dabei nicht heraus. Für kurzer Aufreger im Steigerwaldstadion sorgte RWE-Schlussmann Philipp Klewin mit zwei missratenen Befreiungsschlägen, aus denen die Störche jedoch kein Kapital schlagen konnten. Die Kieler Führung begünstigte ein anderer Erfurter Spieler: Nach einem Freistoß von Tim Siedschlag testete Juri Judt im Strafraum die Reißfestigkeit von Marc Heiders Trikot. Steinhaus zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Kapitän Rafal Kazior übernahm die Verantwortung, schickte Klewin in die falsche Ecke und sorgte für die nicht unverdiente KSV-Führung (27.). Die währte jedoch nur 200 Sekunden. Nach einer starken Parade von Holstein-Schlussmann Kronholm schraubte sich Simon Brandstetter bei der folgenden Ecke am höchsten und köpfte das Leder unhaltbar unter die Latte (30.). Die Partie war jetzt nicht nur vom Ergebnis her ausgeglichen. Die Gastgeber taten jetzt mehr in der Offensive, doch die Kieler Defensive stand stabil. Mit dem 1:1 ging es in die Kabinen.

Das Spiel blieb bei weniger Regen auch im zweiten Durchgang zunächst ausgeglichen. Während ein Schuss von Patrick Breitkreuz übers Tor zischte (55.), machte auf der anderen Seite Kronholm zwei Hundertprozenter zunichte: Erst klärte er überragend gegen Andreas Wiegele. Den Nachschuss von Kevin Möhwald entschärfte der KSV-Keeper ebenso prächtig (58.). Holstein versuchte weiter Druck auszuüben, die Chancen hatte aber Erfurt – sogar Torschrei: Doch der Treffer von Wiegel wurde wegen Handspiels nicht anerkannt (66.). Doch dann ging RWE in Führung und traf erneut nach einer Ecke: Diesmal flog Jens Möckel heran und verlängerte das Leder mit Innenpfostenkontakt ins Netz (69.). Die Störche zeigten sich aber alles andere als geschockt. Vor allem der eingewechselte Manuel Schäffler zog seine Störche mit und belohnte sich mit seinem ersten Treffer für die Kieler: Die Erfurter Defensive kann den Ball nicht klären und „Schäffe“ drosch trocken aus 13 Metern ins Netz (75.). Doch wieder schlug die Heimelf kompromisslos zurück: Kevin Möhwald zog eine 30-Meter-Freistoßflanke überraschend direkt ins lange Eck (77.). Holstein-Trainer Neitzel brachte mit Sykora und Lindner frische Offensivkräfte. Im Schlussspurt hatte Schäffler die größte Chance auf dem Fuß, die Klewin mit einer Fußparade entschärfte und Kiel beim Abpfiff ohne Zählbares den Rasen verließ.

Stimmen nach dem Spiel

Rafael Kazior: „Wir waren bei Standardsituationen nicht wach. Da kannst du noch so gut spielen, zwei Auswärtstore schießen, du nimmst trotzdem nichts mit. Wir müssen das tun, was der Trainer sagt. Wir haben eine Einteilung bei Standards und die wurde heute zu wenig umgesetzt.“

Tim Siedschlag: „Wir haben zweiTore gemacht, das muss eigentlich langen. Nächste Wochen müssen wir bei Standards aufpassen, sonst werden wir auch in Osnabrück nichts mitnehmen.“

Karsten Neitzel: „Insgesamt haben wir eigentlich ein gutes Auswärtsspiel gemacht – aber nur, wenn man die Standards abzieht. In diesem Punkt kann man der Mannschaft einen Vorwurf machen. Wir wussten vorher, dass Erfurt gut bei Standards ist und haben uns nicht gut angestellt bei diesen Situationen. Das Auftreten heute macht ansonsten Mut für die Zukunft, es muss aber eben noch an der ein oder anderen Stellschraube gedreht werden.“

 

Walter Kogler (FC Rot-Weiß Erfurt): „Es war ein sehr enges Spiel. Kiel war sehr stark, das haben wir im Vorfeld gewusst. Die Kieler waren heute in der Lage, uns schwer ins Spiel kommen zu lassen. Letztendlich war es für uns ein Sieg der Moral, da die Mannschaft immer weitergekämpft hat, auch wenn nicht alles optimal gelaufen ist.“

 

Rot-Weiß Erfurt: Klewin – Judt, Kleineheismann, Möckel, Czichos – Menz, Möhwald – Wiegel, Tyrala (53. Kammlott), Bukva (46. Aydin) – Brandstetter. Trainer: Kogler.

Holstein Kiel: Kronholm – Herrmann, Gebers, Wahl, Kohlmann (52. Schäffler) – Siedschlag, Vendelbo, Kegel, Breitkreuz (79. Lindner) – Heider, Kazior (79. Sykora). Trainer: Neitzel.

Schiedsrichterin: Steinhaus (Hannover)

Tore: 0:1 Kazior (27., Foulelfmeter), 1:1 Brandstetter (30.), 2:1 Möckel (69.), 2:2 Schäffler (75.), 3:2 Möhwald (77.)

Zuschauer: 4.673

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