Dünne Luft auf der Ostalb

Sa. 14 Uhr: Holsteins Gegner VfR Aalen auf Augenhöhe

VfR Aalen Saison 2015/16

Ein Saisonziel gaben die Verantwortlichen des VfR Aalen im Sommer nicht aus. Erst der Abstieg aus der 2. Bundesliga, dann das Bangen um die Lizenz und schließlich ein kapitaler Kaderumbruch ließen das Vereinsgefüge erschüttern. Doch ein halbes Jahr später zeigt sich, dass die Mannschaft von Ex-Holstein-Trainer Vollmann bestens in die Gesellschaft der 3. Liga passt – mit Hochs und Tiefs und reichlich Unberechenbarkeit.

Es brauchte 91 Jahre Vereinsgeschichte, bis der VfR Aalen in der 2. Bundesliga angekommen war. Es war ein geplantes Wunder. Das Finanzielle war lange geregelt. Die Firma Imtech und Schrottunternehmer Berndt-Ulrich Scholz (seit 2003 zugleich VfR-Präsdent) stellten Millionen bereit, nur an der Umsetzung haperte es lange. „Euro-Eddy“ Edgar Schmitt, der bundesligaerfahrene Petrik Sander oder mit Jürgen Kohler sogar ein Weltmeister – alle verließen als Trainer den VfR, ohne ins Fußball-Unterhaus gekommen zu sein. Als im Januar 2011 der vergleichsweise unbekannte Ralph Hasenhüttl als Chefcoach auf der Ostalb anheuerte, dachte kaum einer, dass ausgerechnet der ehemalige österreichische Nationalspieler den Aalenern ihren großen Traum erfüllen könne. Er konnte.

VfR 2021! – Zurück in Liga zwei

Das war 2012. Drei Spielzeiten hält sich Aalen in der 2. Liga, leicht haben sie es dabei selten. Im Sommer 2013 tritt Hasenhüttl zurück, Trainer-Eigengewächs Stefan Ruthenbeck übernimmt und mit dem Ausstieg von Hauptsponsor Imtech beginnen die finanziellen Probleme. Aufgrund der knappen Kasse müssen die Schwaben immer wieder Leistungsträger ziehen lassen. Die sportliche Substanz schrumpft. Ein Teufelskreis, der den Abstieg besiegelt. Doch der Gang in die 3. Liga reißt das Loch im Etat erst richtig auf. Statt fünf Millionen Euro an TV-Geldern fließen nur noch 800.000 auf das Konto. Zunächst winkt auch Mäzen Scholz ab: Er sei nicht mehr willig und in der Lage, eine Summe von über fünf Millionen Euro abzusichern. Letztlich stellt er den VfR doch schuldenfrei, um einen wirtschaftlichen und sportlichen Neuanfang zu ermöglichen. Das Motto lautet seit dem: „WIR auf der Ostalb! Immer weiter nach vorn – VfR 2021!“ Das Ziel: Zurück in die 2. Bundesliga.

Acht Spiele ohne Sieg

So wurde im letzten Moment die Lizenz gesichert und in Windeseile ein Kader zusammengeschustert, mit Ex-Holstein-Trainer Peter Vollmann an der Spitze. Die Hinrunde beendeten die Schwarz-Weißen auf dem 13. Platz. Nachdem sich der VfR lange in der oberen Tabellenhälfte und im Verfolgerkreis der Spitzenteams befand, sorgte ein wenig zufriedenstellender Spätherbst für das tabellarische Abseilen. Kurios: Vier Eigentore erzielte der VfR Aalen in drei Spielen vor der Winterpause und brachte sich so insgesamt um sieben mögliche Punkte. Ohnehin ging die Vollmann-Elf seit Oktober auf dem Zahnfleisch: Acht Spiele lang mussten Aalener Fans bis zum 3:0-Erfolg gegen die Stuttgarter Kickers auf einen Sieg warten. So steckt der Ex-Zweitligist mitten in dem Pulk von zehn Teams, die sich binnen zwei, drei punktlosen Spieltage plötzlich im tiefsten Tabellenkeller wiederfinden können.

Kleiner Kader

„Wir haben mit Abstand den kleinsten Kader der Liga und einen sehr limitierten Etat“, benennt Vollmann Gründe. Gerade mal auf 23 Spieler kann der Trainerfuchs bei seinem aktuellen Arbeitgeber zählen. Als einziger Winterzugang kam der vereinslose Jonatan Kotzke, der auch vor den Augen von Karsten Neitzel in Kiel vorspielte. Nach dem Probetraining entschieden sich Holsteins Verantwortliche jedoch gegen eine Verpflichtung. Das Hinspiel zwischen VfR und KSV endete torlos – allerdings mit dem Fazit, dass die Störche dem Sieg deutlich näher waren. Trennten damals die beiden Kontrahenten acht Plätze in der Tabelle, treffen heute zwei Tabellennachbarn aufeinander, die beide die Abstiegsplätze schnellstmöglich weit hinter sich lassen möchten. Für den VfR beginnen die Wochen der Wahrheit heute. Denn auf Kiel folgen Magdeburg, Wiesbaden, Dresden, Münster und Großaspach.

Müller und Vollmann

Man könnte meinen, Robert Müller und Peter Vollmann gäbe es nur im Doppelpack. Rostock, Wehen Wiesbaden und Aalen – kam der Coach bei einem Klub unter, folgte der Mittelfeldspieler wenig später. Bei Holstein Kiel traf der heute 29-Jährige im Sommer 2009 nur deswegen nicht auf Vollmann, da dieser ein halbes Jahr zuvor entlassen worden war. Zu Jugendzeiten zählte Müller zur goldenen Generation von Hertha BSC um spätere Stars wie Jerome Boateng, Ashkan Dejagah oder den früheren Russeer Patrick Ebert. So weit wie seine Kollegen schaffte es Müller jedoch nicht. Im Spätherbst seiner Karriere stehen ein Bundesligaeinsatz, 55 Zweit- und 223 Drittligaspiele zu Buche. 36 davon immerhin für die KSV. Heute wird es aufgrund muskulärer Probleme leider nicht zum Wiedersehen kommen.

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