Der geniale Maschinist

Mittelfeldstratege Alexander Mühling spricht über die Ehe, Zidane und das Rasenmähen

Alexander Mühling gegen den SV Sandhausen

Er zieht im Mittelfeld die Fäden, sieht Lücken wo eigentlich keine sind und beherrscht neben dem Vorwärts- auch den Rückwärtsgang – Alexander Mühling ist das Paradebeispiel für einen Spieler, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt. Der 24-Jährige kam zu Beginn der vergangenen Saison vom Zweitligisten SV Sandhausen nach Kiel. Sein Frau Celina, die er im Sommer in Holtenau heiratete, begleitete den gebürtigen Oberhausener an die Förde. Für sie gab er, der als Alexander Bieler mit den Störchen aufstieg, seinen Nachnamen auf. Aus Bieler wurde Mühling, geblieben ist ein sympathischer Fußballer, der maßgeblichen Anteil daran hat, dass die KSV Holstein nach knapp vier Jahrzehnten in die 2. Fußball-Bundesliga zurückkehrte. Alexander Mühling – ein etwas anderes Porträt.

Aufstieg: In meiner Karriere als Profi war der Aufstieg mit der KSV in der vergangenen Saison mein erster. Das war einfach ein geiles Gefühl, diesen besonderen Moment mit diesem Verein erleben zu dürfen.

Leben: Mit der Stadt Kiel hatte ich mich vor meinem Wechsel zur KSV nicht wirklich auseinandergesetzt. Aber heute, ein Jahr später, muss ich sagen, dass hier die Lebensqualität großartig ist. In meiner Heimat, in Oberhausen, liegt eine Stadt neben der anderen. Natur, oder gar einen Strand, erleben wir, die wir dort wohnen, eigentlich nur im Urlaub. Deshalb bin ich von Kiel so begeistert. Wir wohnen in Mönkeberg, haben es bis Laboe nicht weit und bemühen uns, mindestens einmal in der Woche dort am Wasser spazieren zu gehen.

Ehe: Das ist gerade unser Thema! Celina und ich kennen uns seit der fünften Klasse, gefunkt hat es dann vor vier Jahren, bei einer Fahrt nach Berlin. Wir haben im Sommer im Leuchtturm in Holtenau standesamtlich geheiratet und im engen Familien-/Freundeskreis gefeiert. Celina hatte sich gewünscht, ihren Namen behalten zu dürfen. Und da ich als Fußballer vielleicht noch zehn, zwölf Jahre unterwegs sein werde, mit ihr aber hoffentlich fünfmal so lange zusammenlebe, habe ich ihr diesen Wunsch gerne erfüllt.

Xavier Naidoo: Ich bin ein großer Fan von ihm, unvergesslich ist mir sein Konzert in Essen geblieben. Da waren mehr als 10000 Menschen im Fußballstadion von RWE – toll.

Amerika: Ein Land, das ich sehr gerne bereise. Ich bin schon zweimal in Las Vegas gewesen, einmal in Los Angeles und Florida. Dieser Strip in Vegas ist auf der Welt einmalig, mir gefällt einfach diese Lebensweise in Amerika, diese Größe, die Weite. Da werde ich mir sicherlich noch weitere Ecken ansehen.

Nachbarn: Mittlerweile wohnen mit Herrmi (Patrick Herrmann, d. Red.), Steven (Lewerenz), Chris (Lenz), Dome (Dominik Schmidt) und mir schon fünf Spieler Tür an Tür in Mönkeberg. Wir haben schon im Spaß darüber gesprochen, dass das Trainingszentrum auf die andere Seite der Förde verlegt werden sollte. Mönkeberg ist ein kleines Holstein-Dorf geworden, in dem wir eine wirklich gute, nette Gemeinschaft leben.

Dubai: Celina und ich haben dort im Sommer unsere Flitterwochen verbracht. Mir hat es dort super gefallen, auch wenn es für mich, der mit höheren Temperaturen eigentlich keine Probleme hat, dann doch in der Mittagshitze zu heiß gewesen ist. Aber das Ambiente ist ein ganz anders als hier in Europa, da macht auch der Kopf ganz schnell Urlaub. Ich habe Dubai als schön und sehr modern erlebt – da waren wir bestimmt nicht zum letzten Mal.

Erlebnis: Was hier in Kiel rund um den Aufstieg passiert ist, werde ich nicht mehr vergessen. Das war sehr beeindruckend. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass so viele Menschen an der Straße stehen, um unseren Auto-Korso vom Stadion zum Rathausplatz zu begleiten. Und was dann dort los gewesen ist, kann ich auch heute noch kaum in Worte fassen. Witzig war, dass ich wegen unserer Hochzeit in den Tagen davor immer wieder im Rathaus gewesen bin, den leeren Platz also kannte. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass der mit Fans komplett gefüllt sein würde.

Rasenmähen: Herrmi (Patrick Herrmann, d. Red.) und ich spielen im Moment immer Karten – Wizzard – darum, wer den Rasen in beiden Gärten mähen muss. Im Moment bin ich an der Reihe.

Mittelfeld: In der F-Jugend habe ich als Rechtsaußen angefangen, aber von dort ging es für mich zügig ins Mittelfeld. Da bin ich geblieben, da gehöre ich hin. Hier, in der Mitte des Geschehens, fühle ich mich wohl. Hier laufen die Fäden zusammen, hier kann ich meine Stärken ausspielen.

Übersicht: Ich behaupte von mir, ein Spieler zu sein, der das ganze Spiel im Blick hat. Ich sehe den freien Raum, spiele gerne den öffnenden Pass oder den finalen, der dann zum Torerfolg führen kann. Ich erziele auch gerne selbst Tore, aber ich kann gut damit leben, dass die Kollegen meine Vorlagen nutzen. Für mich zählt nur der Erfolg der Mannschaft.

Hund: Als kleines Kind hatte ich Angst vor Hunden, deshalb war auch Celina die treibende Kraft dafür, dass wir uns vor zwei Jahren einen Golden Retriever zugelegt haben. Sie hatte einen viel stärkeren Bezug zu Hunden. Inzwischen möchte ich „Sammy“ aber nicht mehr missen, ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal ein solches Vertrauensverhältnis zu einem Hund aufbauen werde. In Laboe gibt es einen wunderbaren Hundestrand, da sind wir drei so oft es geht.

Lieblingsspeise: Ganz klar eine Currywurst mit Pommes. Aber für mich muss es eine aus dem Ruhrgebiet sein. Dort wird sie mit einer richtigen Bratwurst gemacht. Wenn ich in Oberhausen bin, darf Currywurst/Pommes nicht fehlen.

Idol: Das ist für mich seit dem Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und Bayer Leverkusen (Mai 2002, 2:1 für Madrid, d. Red.) Zinedine Zidane. Er hat damals ein großartiges Spiel abgeliefert und ein tolles Tor zum 2:1-Endstand geschossen. Damals ist er mir zum ersten Mal aufgefallen. Er ist ein kompletter Spieler, besitzt eine überragende Technik und ist zudem auch noch torgefährlich. Seine Art Fußball zu spielen, habe ich mir damals zum Vorbild genommen. Klar, dass ich auch ein Poster von ihm in meinem Kinderzimmer hatte.

Nutella: Ich bin als 18-Jähriger ausgezogen und habe in meiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach II eineinhalb Jahre allein gewohnt. Damals lebte ich fast ausschließlich von Nutella. Zum Glück hat Celina diese Ernährungsgewohnheiten stark verändert, ich esse viel ausgewogener als damals. Aber ein Brot oder Brötchen mit Nutella darf auch heute nicht fehlen.

Geduld: Das würde ich als eine meiner Stärken bezeichnen. Im Gegensatz zu Celina verliere ich fast nie die Geduld, wir ergänzen uns also auch in dieser Hinsicht glänzend. Auch auf dem Feld muss viel passieren, bevor ich einmal die Nerven verliere. Und wenn, dann bekommt das der Schiedsrichter zu spüren, aber nicht meine Mitspieler. Wann es mir zu bunt wird? Wenn ich Karten oder Playstation spiele! Beim Zocken verliere auch ich die Geduld.

  

 

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