Der Drittliga-Dino

Erfurt wird zum letzten Gründungsmitglied

Wenn am 14. August 2016 das neue Steigerwaldstadion feierlich eröffnet wird, hat die neunte Saison der 3. Liga bereits begonnen. Mit dabei ist einmal mehr Rot-Weiß Erfurt, das nach einer turbulenten Serie 2015/16 vorzeitig den Klassenerhalt feiern konnte und künftig als letztes Gründungsmitglied der wohl verrücktesten Liga Europas um Punkte fighten wird.

Ende gut, alles gut. Wenn Rot-Weiß Erfurt diese Saison womöglich sogar noch auf einem einstelligen Tabellenplatz beschließt, dürfte die Erleichterung in Thüringen riesig sein. Lange Zeit sah es gar nicht gut aus. Über Wochen wankte RWE an der Kante zur Abstiegszone, drohte wie das zweite noch verbliebene Gründungsmitglied VfB Stuttgart II in die Regionalliga abzustürzen. Aber die Elf von Trainer Stefan Krämer fiel nicht. Im Gegenteil. Während sich viele Klubs auf den hinteren Plätzen eine konstante Ausbeute wünschten, sammelten entfesselte Erfurter ab dem 30. Spieltag eifrig Punkte und befreiten sich in die obere Tabellenhälfte. 

„Mission 2016“

Abstiegsangst – kannte man am Steigerwaldstadion lange nicht. Zuletzt wurde vor drei Jahren gezittert, um mit einer Flucht nach vorne dem unguten Gefühl zu entkommen. Während die Erfurter im Winter 2012/13 mit einem Bein in der Regionalliga stehen, präsentiert der Vorstand die „Mission 2016“. Im Jahr des 50. Bestehens soll der Verein nicht nur in einer neuen Multifunktionsarena seine Spiele austragen. Diese sollten gemäß des Zukunftsprojektes zudem eine Liga höher stattfinden. Die Vergangenheit zeigte: Steine lassen sich planen, Beine weniger. 

Zielkorrektur

Schon zu Beginn der laufenden Saison korrigierte Präsident Rolf Rombach die „Mission 2016“. Die Basis für einen Aufstieg sei derzeit nicht vorhanden. Das junge Team brauche stattdessen Zeit, sich entwickeln zu können. Lediglich der Umbau des Steigerwaldstadions werde realisiert. Jedoch nicht wie beim Bundesliga-Äquivalent Hamburger SV mit Stadionuhr. Damals war nicht abzusehen, dass Erfurt binnen kürzester Zeit als letzter Drittliga-Dino verbleiben würde. Um diesen Status zu bewahren, war erneut Rombachs Handlungsfreude gefordert. Nach 28 Spieltagen (saisonübergreifend) und 14 Niederlagen entließ der Präsident Ende Dezember 2015 die Trainerhoffnung Christian Preußer und verpflichtete Motivator Stefan Krämer. 

Lizenz unter Auflagen

Mit Erfolg: Aus dem verunsicherten Häuflein wurde ein stabiles Gebilde, das an Selbstbewusstsein und Spielsicherheit gewann. Den Klassenerhalt gab es gratis dazu. Grund genug, den Vertrag mit Chefcoach Krämer bis 2018 zu verlängern. Eine weitere Aufstiegsmission wird allerdings nicht ausgerufen. Die Lizenz für die kommende Saison wurde nur unter wirtschaftlichen Auflagen erteilt. So dürfte erneut wenig Spielraum für Verstärkungen sein. Schon im letzten Sommer konnten wichtige Abgänge nur durch Regionalligapersonal ersetzt werden. So wie Rafael Czichos, der mit seinem neuen Verein Holstein Kiel das Hinspiel in Erfurt mit 3:1 gewann. Mal sehen, wer am Samstag nach 90 Minuten jubelt.

 

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