Der blau-weiss-rote Wirbelwind

Flügelflitzer Steven Lewerenz spielt die Gegner schwindelig

Steven Lewerenz privat

Wenn Steven Lewerenz über das Feld flitzt, erinnert er in seiner feinen Art Fußball zu spielen an Franck Ribéry vom deutschen Meister FC Bayern München. Der gebürtige Hamburger wechselte im Juli 2015 von den Würzburger Kickers zur KSV Holstein und wurde dort in der vergangenen Saison mit elf Treffern gleich erfolgreichster Torschütze der Störche. Das etwas andere Porträt der Nummer „17“.   

Spitzname: Die Kollegen rufen mich Stevo oder Lewo. Auf dem Feld ist es sinnvoll, sich gegenseitig kurze Namen zu geben. Lewo? Ich habe meinen Namen für Chats verkürzt, das ist das Resultat. Stevo gefällt mir persönlich besser, den Spitznamen habe ich schon seit meiner Zeit beim Hamburger SV verinnerlicht. 

Tätowierungen: Mir ist der Glaube und die Familie sehr wichtig, deshalb habe ich beides auf meiner Haut verewigen lassen. Der Name meines vierjährigen Sohnes steht auf dem linken Unterarm, ein Text über meine Mutter auf der Brust. Auf den rechten Arm habe ich mir eine Zeile aus der Bibel tätowieren lassen, auch meine Schwester, die mir sehr viel bedeutet, hat einen Ehrenplatz bekommen.  

Elfmeter: Eigentlich schieße ich die sehr gerne. Es ist schließlich die einfachste Art und Weise, um ein Tor zu erzielen. Ich hatte mit den anderen Kandidaten, die in unserer Mannschaft die Elfmeter schießen, darüber gesprochen, dass ich mir auch einmal in einer solchen Situation den Ball schnappen werde. Ich bin keiner, der vor dieser Verantwortung wegläuft. Gegen Frankfurt (1. Saisonspiel, Kiel führte zu diesem Zeitpunkt 1:0, d. Red.) hatte ich eine Idee, wie ich den Torhüter verladen wollte. Leider hat das dann gar nicht geklappt. Es tat mir für die Mannschaft und die Verantwortlichen unendlich leid, ich habe mich sofort bei allen entschuldigt. Hätte ich getroffen, wäre das Spiel hundertprozentig entschieden gewesen. Meine Kollegen haben mir es nicht übel genommen und gesagt, dass ich einfach den nächsten Elfer reinhauen soll. Nur von Kenneth (Kronholm, d. Red.) musste ich mir ein paar Sprüche anhören, aber das lässt sich auch aushalten und gehört unter Fußballern dazu.

Verlieren: Darin bin ich nicht gut, ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch. Nach Niederlagen, egal ob im Pflichtspiel oder im Training, bin ich ziemlich enttäuscht. Da ist es besser, mir aus dem Weg zu gehen, ein, zwei Tage lang bin ich dann ziemlich ungenießbar. Ob ich bei Gesellschaftsspielen gut verlieren kann? Nicht, wenn es dabei Strafen wie einen Schlag in den Nacken gibt.

Eltern: Für mich ist meine in Hamburg lebende Mutter Heidi der wichtigste Mensch. Sie ist alleinerziehend und hat sich ihr ganzes Leben lang toll um mich gekümmert. Auch, wenn es einmal schwierig gewesen ist. Jetzt, wo ich älter geworden bin, bemühe ich mich, ihr zu helfen. Wir sind immer in Kontakt.

Nahrung: Da muss ich sofort wieder an meine Mutter denken. Wenn ich sie besuche, macht sie für mich mein Lieblingsessen: Rouladen mit Rotkohl und Kartoffeln. Deftig, ich weiß, aber ab und zu darf das auch ein Fußballer einmal essen. Vor allem dann, wenn meine Mutter es gekocht hat!

Lieder: Ich höre gerne Musik, Hip-Hop, Black, R & B. Im Moment sind bei mir die Lieder von „Drake“ (kanadischer Rapper und R&B-Sänger, d. Red.) angesagt. Vor einem Spiel stimmen wir uns immer in der Kabine mit Musik ein, dafür ist hauptsächlich Dome (Dominik Schmidt, d. Red.) verantwortlich – und er macht diesen Job gut. Was daran liegen kann, dass er meinen Musikgeschmack trifft.

Einsamkeit: Diese Momente kenne ich gut. Schließlich lebt mein Sohn in Hamburg, und wir sehen uns deshalb leider viel zu selten. Ich vermisse ihn sehr.

Würzburg: Da habe ich mich sehr wohl gefühlt. Stadt und Verein, das passte beides. Würzburg hat ein tolles Flair. Cafés am Wasser, die Residenz auf dem Berg, die Altstadt, die Mainbrücke, auf der wir abends immer mal wieder ein Gläschen Wein getrunken haben – das hatte einfach was. Mit den Kickers bin ich zudem in die 3. Liga aufgestiegen, das war ein unvergessliches Erlebnis in meiner bisherigen Karriere. Außerdem lebt hier die Liebe meines Lebens, die ich deshalb leider auch viel zu selten sehe. Wenn ich zu dem Buchstaben „W“ etwas sagen soll, fällt mir sofort Würzburg ein.

Evans: Wir haben in der Jugend des Hamburger SV schon einige Jahre zusammengespielt. Ich habe mich sehr über das Wiedersehen mit Evans (Nyarko, d. Red.) in Kiel gefreut. Er hat mich hier von Anfang an super unterstützt und es mir leicht gemacht, in diesem Verein anzukommen. Er ist einfach ein ruhiger, cooler Typ, mit dem ich sehr gerne meine Freizeit verbringe.

Reisen: Ich fliege im Urlaub am liebsten an Orte, an denen es warm ist und schalte dann gerne auch einmal ganz vom Fußball ab. Ich bin schon einige Male in Amerika gewesen, mit den Würzburger Kickers in Namibia und im europäischen Ausland sind Spanien, die Türkei und Griechenland meine Lieblingsziele. Ich bemühe mich immer, auch etwas von dem Land zu sehen, es reizt mich nicht, einfach nur im Hotel zu sitzen. Das mache ich als Fußballer schon oft genug. Besonders ist mir das zehntägige Trainingslager mit den Kickers in Namibia in Erinnerung geblieben. Wir hatten damals einen Sponsor, der der Meinung war, dass wir auch einmal sehen sollten, dass es nicht allen Menschen gut geht. Das wurde uns bei einem Besuch der Townships in Windhoek dann sehr deutlich vor Augen geführt…

England: Jeder Fußballer träumt davon, einmal in der Premier League zu spielen, es ist einfach die beste der Welt. Sportlich, aber auch von der Stimmung her. Ich bin zwar schon 25 Jahre alt, was für einen Fußball schon nicht mehr jung ist, aber ich hoffe trotzdem, dass ich eines Tages einmal in England spielen kann. So wie Son (Tottenham Hotspurs, d. Red.), mit dem ich in der Jugend des HSV gespielt habe. Wir haben den gleichen Berater, deshalb laufen wir uns auch heute noch gelegentlich über den Weg. Son hatte das Glück, dass der HSV zu seiner Zeit aus finanziellen Gründen auf den eigenen Nachwuchs setzen musste, das war, als Evans und ich dort spielten, noch ganz anders. Die Durchlässigkeit für Talente hat sich mit den zunehmenden Finanzproblemen des Vereins massiv erhöht, das ist eine ganz andere Welt geworden. Mein Lieblingsklub in England? Arsenal. Toll, wie dort mit jungen Spielern gearbeitet wird. Arsenal, aber auch die anderen Top-Klubs der Premier League, verfolge ich über Sky sehr regelmäßig.

Nachwuchsleistungszentrum (NLZ): Das ist in Kiel mein Lieblingsort. Hört sich wahrscheinlich erst einmal komisch an, schließlich wird hier hart gearbeitet. Aber ich fühle mich auf dem Platz, mit einem Ball am Fuß, einfach am wohlsten. Und dieses NLZ hat eine überdurchschnittliche Qualität.

Ziele: Ich will mit diesem Verein das Maximale schaffen, also noch in dieser Saison in die 2. Liga aufsteigen. Unmöglich ist das nicht.

  

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