Das Spiel des Jahres

Störche im SHFV-LOTTO-Pokalfinale gegen Lübeck

War die Niederlage im SHFV-Pokalfinale gegen den VfB Lübeck im vergangenen Jahr das i-Tüpfelchen auf eine schwachen Saison mit dem Abstieg aus der 3. Liga, könnten die Störche in diesem Jahr eine Saison mit guter Rückrunde krönen. Die Finalisten aus Lübeck und Kiel befinden sich derzeit leitungsmäßig auf Augenhöhe, das zeigte nicht nur das 2:2-Unentschieden am vorletzten Spieltag der Saison. Und auch dieses letzte Spiel der Spielzeit 2010/11 wird beim Stand von 0:0 angepfiffen – für ein furioses Finale ist somit am heutigen Freitag ab 19.30 Uhr alles angerichtet. Die Störche gehen hoch motiviert ins Rennen und Trainer Thorsten Gutzeit kann seine Bestbesetzung ins Rennen schicken. "Wir haben sehr, sehr gute Chancen zu gewinnen", so Gutzeit.

Der Ausgang der spannungsgeladenen Partie ist völlig offen. Selbstvertrauen konnte weder der VfB Lübeck noch Holstein Kiel in den vergangenen beiden Wochen tanken. Im Derby spielte Holstein eine bärenstarke erste Hälfte, versäumte aber beim Stande von 2:0 den Sack zu zumachen und verschlief dann auch noch vier Minuten, die Lübeck eiskalt zum Ausgleich nutzte. Und am letzten Spieltag verloren sowohl die Störche in Magdeburg als auch der VfB zu Hause gegen Cottbus II. Sportliche Positivmeldungen aus beiden Lagern vor dem Spiel des Jahres sehen anders aus.

Ohnehin sind beide Teams nach zwei unterschiedlich verlaufenen Saisons scheinbar wieder bei Null angekommen. Der VfB Lübeck schnupperte lange Zeit an der 3. Liga, schaffte es dann aber doch nicht, souveräne Chemnitzer von Platz eins zu stoßen. Holstein Kiel drohte dagegen in der Hinrunde sogar in die Abstiegszone zu rutschen, fing sich aber in der Rückrunde wieder und beendete die Saison auf Platz sechs – drei Ränge hinter dem Erzrivalen. Das Landespokalfinale ist aber nicht nur wegen der fußballerische Vorherrschaft in Schleswig-Holstein das Spiel des Jahres, sondern ist auch ein Wegweiser für die Zukunft.

Die steht für die Gastgeber unter schlechteren Vorzeichen als für die Störche. Die KSV Holstein konnte mit Patrick Herrmann (VfL Osnabrück II), Rafael Kazior (Hamburger SV II) und Niklas Jakusch (VfR Neumünster) bereits drei Neuzugänge vermelden und wichtige Leistungsträger wie Marc Heider, Flo Meyer und Christian Jürgensen mit neuen Verträgen ausstatten. „Wir werden mit 18 Feldspielern und drei Torhütern in die kommende Saison gehen. Dabei werden wir auch in der Breite auf etablierte Regionalligakräfte setzen“, erklärte Trainer Thorsten Gutzeit.

In Lübeck steht ein Jahr des sportlichen Umbruchs bevor: Nach dem verfehlten Aufstieg in die 3. Liga, der mit finanziellen Einnahmen durch TV-Gelder versüßt worden wäre, verkündete der Verein, dass der Etat gesenkt werde und zahlreiche Spieler, darunter Leistungsträger aus der abgelaufenen Saison, den Klub verlassen werden. Keiner weiß genau, mit welcher Perspektive der Verein in die kommende Saison starten wird. Doch die Perspektive könnte durch Gelder aus der ersten Runde im DFB-Pokal aufgebessert werden. Den Sieger im Landespokalfinale erwartet immerhin eine sechsstellige Summe, die natürlich auch gerne die KSV einstreichen würde. 

Im SHFV-Lotto-Pokalfinale hat die KSV Holstein die Gelegenheit, die schwache Saison 2009/10 endgültig aus allen Köpfen zu verbannen. Der Tanz auf der Lübecker Lohmühle wird mit Sicherheit ein ganz heißer werden. Doch ausgerechnet der Erzrivale zeigte im vergangenen Jahr, wie man auf auswärtigem Geläuf den Gegner bezwingen kann. Mit dem Unterschied, dass in diesem Jahr eine andere KSV Holstein auf dem Platz stehen wird. Die Störche haben in der Rückrunde genug Selbstvertrauen getankt, um mit vermeintlich stärkeren Gegnern auf Augenhöhe agieren zu können. Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel wie Halle oder Leipzig wurden sogar spielstark bezwungen. Die Abwehr steht stabil. Das Flügelspiel wurde verbessert. Und im Sturm hat Trainer Thorsten Gutzeit die Qual der Wahl aus vier torhungrigen Angreifern, die allesamt in den letzten Spielen der Rückrunde erfolgreich waren. 

Das Finale am 3. Juni wird ein anderes Spiel werden als das 2:2-Unentschieden am vorletzten Spieltag der Regionalligasaison. Es geht um unglaublich viel: Prestige, die fußballerische Vorherrschaft im Land und zusätzliche Gelder durch die Teilnahme an der ersten Runde des DFB-Pokals. Schon jetzt kann man sich bildlich vorstellen, wie die Anhänger des Pokalsiegers am 11. Juni vor den Fernsehschirmen hängen, die ARD-Sportschau schauen und mit Sehnsucht einen großen Bundesligisten als Gegner erwarten. Moderator Ralf Scholt erhält das Los des Gegners von der Glücksfee, auf dem stehen könnte: FC Bayern München.

Ticket-Info: Am Freitag von 12 bis 14 Uhr sind im Holstein Fanshop noch Karten für das Pokal-Finale erhältlich.

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