Störche überwintern auf Eins

Hannover 96 II - Holstein Kiel 2:3 (0:1)

Marc Heider trifft zur 1:0-Führung

Holstein Kiel hat bei Hannover 96 II seine Tabellenführung ausgebaut. In einem spannenden letzten Spiel des Jahres besiegte das Team von Trainer Thorsten Gutzeit den Bundesliganachwuchs mit 3:2. Zur Pausenführung der Störche traf Marc Heider (15.), die gegen nicht aufsteckende 96er durch Aust (57.) und Johansen (76.) noch zweimal treffen mussten. Selbst nach zwei Platzverweisen für Kevin Behrens (Rot, 59.) und Ali Gökdemir (Gelb-Rot, 90.+3) blieben die Gastgeber noch gefährlich. Die beiden Treffer von Deniz Kadah  (70. und 79.) reichten  aber nicht. Durch den Auswärtssieg sind die Störche nicht nur seit drei Monaten ungeschlagen, sondern überwintern mit drei Punkten Vorsprung auf dem ersten Tabellenplatz.

Holstein-Trainer Thorsten Gutzeit schickte seine Elf nach dem 2:0-Erfolg bei Weiche-Flensburg unverändert auf den Rasen.

Schlechte Platzverhältnisse waren die Störche schon aus Hamburg-Hoheluft und Weiche gewohnt, da war der Rasen in der AWD-Arena trotz durchscheinendem Braun noch in verhältnismäßig gutem Zustand. Holstein Kiel packte jene taktische Marschroute hervor, mit der sie schon bei Werder Bremen II erfolgreich waren. Marcel Schied griff frühestens kurz vor der Mittellinie an. Das Gutzeit-Team wollte tief stehend die Gastgeber locken und durch schnelles Umschalten die Räume nutzen. So erspielten sich die Hannoveraner zunächst ein leichtes Übergewicht, ohne dass Holstein-Torwart Morten Jensen geprüft wurde. Nach zehn Minuten begann der Kieler Plan aufzugehen. Erstmals kombinierte sich Holstein über die Außen zu Tim Siedschlag, dessen scharfe Flanke die erste Ecke einbrachte (10.). Mit der zweiten gefährlichen Aktion hieß es dann Tor für Holstein: Wie gegen Weiche Flensburg brachte Marlon Krause einen abgewehrten Ball postwendend in den Strafraum zurück, Casper Johansen und Marc Heider schalteten gedankenschnell und „Heidi“ schob nach einem kleinen Tänzchen mit H96-Torwatt Samuel Radlinger zur Führung ein (15.). Die 250 mitgereisten Kieler, die schon zuvor das weite Rund lautstark mit Leben gefüllt hatten, waren jetzt in noch größerer Feierlaune. Zumal Kiel das Spiel kontrollierte. Hannover wurde im Mittelfeld gehalten und kam der Ball hoch in die eigene Hälfte, zeigte sich vor allem Routinier Manuel Hartmann mit starkem Stellungsspiel als echte Bank. Während Kiel Chancen durch Heider (20.) und Kapitän Rafael Kazior (31.) liegen ließ, kam Hannover nur zu einem Hochkaräter: Jensen parierte stark gegen einen Kopfball aus fünf Metern von 96-Stürmer Deniz Kadah. Die Situation war aber zuvor bereits abgepfiffen worden.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich zunächst wenig. Der Bundesliga-Nachwuchs wollte den Ausgleich, gefährlich war Holstein: Zunächst vergaben Heider und Marcel Schied aussichtsreich (56.), dann erhöhten die Störche. Freistoß Siedschlag  und am langen Pfosten wartete bereits der aufgerückte Innenverteidiger Amando Aust, der mühelos zum 0:2 einköpfte (58.). Die Talente waren durch den weiteren Rückschlag frustriert. Ausgerechnet Leitwolf Kevin Behrens ließ sich zu einer Tätlichkeit gegen Fabian Wetter hinreißen und sah die Rote Karte (59.). 96 holte jetzt die Brechstange heraus und warf alles nach vorne, die Störche gerieten wieder stärker unter Druck. Wieder führte ein Standard zum Erfolg – diesmal aber für die Gastgeber: Deniz Kadah köpfte einen Freistoß ins Netz – Holstein-Schlussmann Jensen war einen Schritt zu spät gekommen (70.).  Vier Minuten später, wieder Freistoß, wieder Torgefahr: Die Kopfballverlängerung von Jannik  Löhden klatschte an die Latte (74.). Holstein gelang es sich zu befreien und den alten Abstand wiederherzustellen: Casper Johansen jagte nach Vorarbeit von Heider  das Leder zum 1:3 ins Netz (76.). Doch der Kieler Jubel währte nur kurz. Da Kiels Torwart Jensen eine Flanke unterschätzte und Kadah zum erneuten Anschluss einstocherte (78.). In der Schlussphase gaben beide Teams noch einmal alles. Das Spitzenspiel bot Dramatik pur und einen weiteren Platzverweis, für den 96er Ali Gökdemir (Gelb-Rot, 90.+3). Danach pfiff Schiedsrichter Skorczyk den Wintergipfel ab. Die Hosltein-Fans feierten lautstark ihr Team mit „Spitzenreiter! Spitzenreiter!“ – jetzt sogar mit drei Punkten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Hannover 96 II.

Stimmen nach dem Spiel

Torschütze Marc Heider war glücklich: „Das war heute ein sehr intensives Spiel mit allem, was der Fußball zu bieten hat. Letztlich zählen nur die drei Punkte – und die nehmen wir mit. Super-Sieg vor super Fans!“

Verteidiger Patrick Herrmann freute sich: „Am Samstag bei der Weihnachtsfeier haben wir uns zurückgehalten. Das holen wir heute alles nach!“

Torhüter Morten Jensen sagte: „Das war hier heute eine ganz harte Nummer mit vielen Zweikämpfen. Das Spiel stand einige Male auf Messers Schneide, doch letztlich haben wir nichts anbrennen lassen. Wir können sehr zufrieden sein.“ 

Holstein-Trainer Thorsten Gutzeit sagte nach dem Spiel: „Wir freuen uns riesig über diesen Erfolg in einem packenden mit vielen Chancen und hohem Einsatz. Es war die erwartete Partie auf Augenhöhe, die wir nicht unverdient für uns entscheiden konnten. Nach dem Spiel bei Bremen II war das heute ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu unserem Ziel. Es freut mich zu sehen, zu was die Mannschaft mittlerweile zu leisten im Stande ist.“

Hannover-Trainer Valérien Ismaël resümierte: „Kiel hat all seine Klasse und Erfahrung in die Waagschale geworfen und war abgeklärter. Wir haben alles gegeben und vor allem in der zweiten Halbzeit eine unglaubliche Moral bewiesen. Es ist schade für uns, dass es am Ende nicht gereicht hat.“

Und Holsteins Geschäftsführer Wolfgang Schwenke zog kurz und knapp das Fazit: „Einfach riesig, was die Jungs heute geleistet haben!“

Holstein Kiel: Jensen – Herrmann, Aust, Hartmann, Wetter (87. Pressel)- Kazior, Krause - Siedschlag, Johansen (78. Müller), Heider – Schied (56. Hebler)

Schiedsrichter: Skorczyk (Salzgitter)

Tore: 0:1 Heider (15.), 0:2 Aust (57.), 1:2 Kadah (70.), 1:3 Johansen (76.), 2:3 Kadah (79.)

Zuschauer: 720

Zurück