Bessere Störche müssen Punkte teilen

Holstein Kiel - FC Erzgebirge Aue 2:2 (2:2)

Holstein Kiel bleibt im Jahr 2018 glücklos. Gegen den FC Erzgebirge Aue musste sich der bessere Aufsteiger mit einem 2:2 begnügen. Glücklos waren die Gastgeber, da die 9.702 Zuschauer zunächst auch in Toren klar überlegene Störche (Marvin Ducksch/12. und Dominick Drexler/25.) sahen, die durch einen Doppelschlag von Malcolm Cacutalua binnen 100 Sekunden den Ausgleich kassierten. Die KSV warf im zweiten Durchgang noch einmal alles nach vorne, konnte aber keine der teils guten Chance zum ersten Dreier 2018 nutzen. 

KSV-Trainer Markus Anfang musste seine Startformation zur 1:3-Pleite beim 1. FC Kaiserslautern zweimal umbauen. Für den gelbgesperrten Patrick Herrmann und den verletzten Amara Condé (Mittelfußbruch) begannen Sebastian Heidinger und Steven Lewerenz.

Die Störche schienen sich an das Hinspiel zu erinnern, pressten wie beim 3:0-Erfolg in Aue die Erzgebirgler sehr früh an und eroberten sich viele Bälle. Als der FCE nach einer Verletzung von Sören Bertram ohne Gegnereinwirkung in Unterzahl auskommen mussten, schlug die Anfang-Elf sofort zu. Dominick Drexler schob ins Zentrum auf Marvin Ducksch, der aus neun Metern Martin Männel im Gästetor überwand (12.). Die dem Tabellenkeller nahen Sachsen brauchten die Zähler aber dringender und versuchten sich in die Partie zurück zu kämpfen, doch prompt folgte der nächste Kieler Geniestreich. Die zweite Ecke verlängerte Rafael Czichos auf den zweiten Pfosten, wo Drexler zum 2:0 einschoss (25.). Die Störche hatten weiter Lust auf Offensive und stellten die Auer Fünferkette immer wieder vor große Herausforderungen. Was dann passierte, gibt es so wohl nur im Fußball: Nach der zweiten Auer Ecke hatte Kenneth Kronholm den Ball fest in beiden Händen, als der hereinfliegende Malcolm Cacutalua den Kieler Torwart behinderte, mit dem Kopf das Leder herausdrückte und zum Anschluss einschoss (37.). Ein wohl irregulärer Treffer, der seine Steigerung fand. Nur 100 Sekunden später verlängerte wieder Cacutalua einen Freistoß von der Mittelinie per Kopf aus 18 Metern glücklich in die lange Ecke zum Ausgleich (38.). 36 Minuten hatte nichts auf einen 2:2-Pausenstand gedeutet, mit dem die Holsteiner jetzt aber umgehen mussten.

Die Vorzeichen dieses Duells hatten sich mit Wiederanpfiff gedreht. Die Erzgebirgler versuchten die Gunst der Stunde zu nutzen und spielten jetzt selbstbewusst nach vorne, konnten aber aus zwei Ecken kein Kapital schlagen. Die Elf von Trainer Markus Anfang suchte dagegen nach der Linie der ersten Hälfte, näherte sich über Standards wieder dem Gästetor. Ducksch setzte zunächst einen 20-Meter-Freistoß knapp neben den Pfosten (63.), fünf Minuten später aus ähnlicher Situation aufs Tornetz (68.). Kurz zuvor hatte Max Besuschkow nach seiner Einwechslung seine Premiere im KSV-Trikot gegeben und sollte dem Offensivspiel der Störche neue Kreativität verleihen. Nach 70 Minuten hatten die Gastgeber endgültig wieder den Drücker in der Hand und bekamen durch Aaron Seydel weitere Angriffskraft. Kingsley Schindler köpfte aus sechs Metern knapp über die Latte (80.) und leitete den Schlussspurt ein. Besuschkow zwang Männel aus 18 Metern zur Glanztat (85.), Drexler hebelte einen Abpraller über die Latte. Die Störche wollten den Sieg. Die Elf des Ex-Kielers Hannes Drews mauerte sich auch über die drei Minuten Nachspielzeit zum Punktgewinn.

Stimmen nach dem Spiel 

Dominik Schmidt: „Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht und hätten es verdient gehabt, zu gewinnen. Das 2:1 war ein klares Foulspiel, weil Kenny (Kronholm, die Red.) beide Hände am Ball hat. Beim 2:2 gehe ich ins Kopfballduell und plötzlich jubelt alles. Der Verlauf ist sehr enttäuschend. Es haben einfach alle, also die Fans, das Umfeld und wir, verdient, dass wir wieder drei Punkte einsacken.“

Sebastian Heidinger: „Wir sind super ins Spiel gekommen, jeder war hellwach und wir hatten Aue in allen Belangen im Griff. Die haben nicht einmal unseren Strafraum gesehen, wir machen verdient zwei Tore. Und was dann in den zwei Minuten passiert ist, muss ich mir nochmal anschauen. Es ist extrem ärgerlich, dass wir hier zwei Punkte verschenkt haben.“

Rafael Czichos: „Ein richtig bitterer Tag, der sich wie eine Niederlage anfühlt. Es ist unverständlich, wie man in einem starken Spiel durch zwei solche Dinger aus dem Geschehen gerissen wird. Aber wir müssen die Köpfe schnell wieder hochnehmen.“

FCE-Trainer Hannes Drews: „Wir sind sehr glücklich über den Punktgewinn. Wir haben die erste Viertelstunde die Dominanz von Kiel gespürt. Wir hatten umgestellt, um im Zentrum nicht so offen zu sein. Das hat anfangs nicht funktioniert. Nach 30 Minuten haben wir umgestellt und mehr Zugriff bekommen. Für uns ist der Punktgewinn sehr wichtig. In der zweiten Halbzeit war Kiel erneut sehr dominant. Wir haben uns nach dem 2:2 in die Partie reingebissen. Eine der Umschaltaktionen dann noch zum 3:2 zu nutzen, wäre zu viel des Guten gewesen. Wir nehmen diesen Punkt sehr gern mit.“

KSV-Trainer Markus Anfang: „Meine Mannschaft ist richtig gut in die Partie gekommen. Wir haben das Spiel komplett beherrscht und zurecht geführt. Vielleicht hätten wir das dritte Tor machen können. Dann kriegen wir den Doppelschlag nach zwei Standardsituationen. Danach hat Aue wieder gelebt und mit allem verteidigt, was sie hatten. Wir haben danach gnadenlos nach vorne gespielt. Die Jungs wollten unbedingt gewinnem. Aber es ist natürlich schwer gegen eine Mannschaft, die am eigenen Sechzehner steht. Insgesamt war es gutes, dominantes Spiel von uns. Schade, dass wir uns nicht belohnen konnten. Heute wäre es mehr als verdient gewesen, zu gewinnen.“

Spielinfo

Holstein Kiel: Kronholm - Heidinger, Schmidt, Czichos, Jvan den Bergh - Kinsombi - Schindler, Mühling, (67, Besuschkow) Drexler, Lewerenz (72. Seydel) – Ducksch. Trainer: Anfang
Erzgebirge Aue: Männel - Kalig, Wydra, Cacutalua - Rizzuto, Kempe - Tiffert, Bertram (13. Munsy), Fandrich – Köpke (83. Strauß), Nazarov (89. Hartner). Trainer: Drews
Schiedsrichter: Schlager (Rastatt)
Tore: 1:0 Ducksch (12.), 2:0 Drexler (25.), 2:1 Cacutalua (37.), 2:2 Cacutalua (38.)
Zuschauer: 9.702 im Holstein-Stadion

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