Berliner Jung in Kiel-Mitte

Christopher Lenz will ambitionierte Kieler Ziele unterstützen

Christopher Lenz im Holstein-Stadion

In der Winterpause reagierte die KSV auf die anhaltenden Rückenprobleme seines 33-jährigen Abwehr-Routiniers Patrick Kohlmann und lieh Linksverteidiger Christopher Lenz (22) bis zum Saisonende vom Zweitligisten 1. FC Union Berlin aus. Der gebürtige Berliner und ehemalige U19-Nationalspieler durchlief die Jugend des Bundesligisten Hertha BSC und kam über die Zwischenstation Borussia Mönchengladbach U23 (seit 2012) im vergangenen Sommer zu den „Eisernen“. „Wir freuen uns, dass sich Christopher Lenz der KSV bis zum Saisonende anschließt. Da wir nicht wissen, ob uns Patrick Kohlmann aufgrund seiner Verletzung in der Rückrunde noch einmal zur Verfügung stehen wird, sind wir froh, eine weitere Option auf dieser Position zu haben. Christopher ist ein talentierter und gut ausgebildeter Linksverteidiger“, erläuterte Holsteins Sportchef Ralf Becker im Januar das Leihgeschäft.

Berlin: Geboren im Problemviertel Neukölln und mit seinen Eltern früh nach Tempelhof umgezogen, lernte Christopher Lenz sehr früh die unterschiedlichsten Kulturen und Sprachen kennen. Der Erlebniswert der Hauptstadt ist für Lenz noch heute ein ganz wichtiger Wohlfühlfaktor. „In Berlin mischt sich alles. Da kann man so unendlich viel erleben und machen. Ich bin ohnehin jemand, der selten nur auf dem Sofa liegt“, sagt Lenz.

Blau-Weiß-Rot: Sein erstes Punktspiel für die Störche absolvierte Lenz beim 0:0 am 28. Januar am Bornheimer Hang gegen den FSV Frankfurt. Der Linksverteidiger erfüllte seine Defensivaufgaben dort fast durchweg energisch. Nach vorn hat er noch Potenzial. „Ich habe mich recht gut gefühlt“, bewertete er seinen ersten Auftritt selber recht positiv.

Familie und Kindheit: Die Mutter von Christopher Lenz war alleinerziehend. Das Verhältnis zu seinem Vater war ein gutes. Ganz wichtig war für Christopher sein bester Freund Maximilian Philipp, der heute beim SC Freiburg aktiv ist und auf fast allen Stationen an der Seite von Lenz stand. „Es wäre zu schön, wenn es mit uns beiden noch einmal klappen würde bei einem Club“, hofft Lenz auf die fußballerische Wiedervereinigung in der Zukunft. In der Jugend gab es für Lenz und Maximilian nur Fußball und zwar jeden Tag. Bei einer Ostersichtung in der Ferienschule wurde Hertha BSC Berlin auf die beiden Youngster aufmerksam.

Holstein Kiel: Mir gefiel die fußballerische Idee von Markus Anfang auf Anhieb. Ich spiele gern Fußball und nicht nur lange Bälle. Ich war direkt beim 1. Training beeindruckt, dass sehr viel gezockt sowie schnell und flach nach vorn gespielt wurde. Die 3. Liga ist eine Herausforderung, die ich gerne annehme. Ich freue mich auf die kommenden Monate in Kiel und werde im Sommer bei Union neu angreifen“, kommentierte der 22-Jährige seinen Wechsel.

Leihbasis: „Das ist schon eine etwas ungewöhnliche  Situation für mich, fast wie auf Montage“, beschreibt Holsteins Leihgabe Christopher Lenz sein Engagement im Storchennest. Der 22-jährige Linksverteidiger, der beim Zweitligisten Union Berlin bis zum Sommer 2018 unter Vertrag steht, ist nach Kiel gekommen, um seinen Beitrag für die ambitionierten Ziele der KSV zu leisten. Beide Seiten hoffen auf eine Win-Win-Situation. In den 17 Zweitliga-Spielen der Hinrunde standen für Lenz nur 29 Einsatz-Minuten auf der Uhr. „Es war dennoch eine gute Erfahrung in meiner Heimat mit dem kultigen Stadion an der Alten Försterei und den tollen Fans“, berichtet Lenz rückblickend. Bis zu seiner Rückkehr nach Berlin verfolgt der Kieler „Leiharbeiter“ die Auftritte der Eisernen am Fernseher.

Leistungsdruck: Mit seinem Wechsel in die Jugend von Hertha BSC wurden die Ansprüche an den Youngster 2008 noch einmal größer, das Trainingspensum immer höher. Auf der Hertha-Fußballschule begann das Training dreimal pro Woche morgens um 7.40 Uhr, abends um 18 Uhr folgte eine weitere Einheit. „Dadurch, dass ich bei Hertha BSC war, entwickelte sich der Gedanke, ganz nach oben zu kommen im Fußball, sehr schnell. Die Qualität der Ausbildung war groß“, so Lenz.

Mönchengladbach: Dortmund, HSV, Hoffenheim und Gladbach hatten sich 2012 intensiv um Christopher Lenz bemüht. Den Zuschlag erhielt Gladbach aufgrund der gefühlt besseren Perspektive und „weil ich sportlich viel Potenzial im Club gesehen habe.“ Acht Tore erzielte Christopher Lenz in 109 Regionalliga-Begegnungen für Gladbach II. Im Rückblick sagt Christopher Lenz über seine Zeit im Westen: „Der Schritt hat mir gutgetan. Weg aus Berlin, zum ersten Mal raus aus dem gewohnten Umfeld. Keine Eltern, keine Freunde, plötzlich muss man alles alleine auf die Reihe kriegen. Das macht auf jeden Fall erwachsener. Dennoch war es irgendwie auch eine familiäre Atmosphäre, denn Internatsmutter Lintjens hat sich sehr um uns alle gekümmert.“ Reifer ist er geworden in der Fremde. Bei der Borussia spielte Lenz stets in der U23, bei den Profis durfte er nur mittrainieren. Vom eigenen Gefühl her war er auf einem guten Weg, aber dann geriet der Klub in sportliche Turbulenzen, und es kam, wie es in solchen Fällen so oft kommt: Trainerwechsel und für Lenz rückte die Bundesliga wieder in weitere Ferne. Bei Union wollte er einen Stammplatz und ist nun in Kiel gelandet. Auch dort ist die Defensivarbeit das Kerngeschäft für den 22-Jährigen. Die Linksverteidiger-Position ist sein Zuhause. Explosive Vorstöße in das Herz des Gegners nie ausgeschlossen.

Nationalmannschaft: Der zehnfache U19-Nationalspieler stand schon einmal im DFB-Trikot auf dem Rasen des Holstein-Stadions. Am 10. September 2012 verließ er mit den DFB-Youngstern das mit 4478 Zuschauern gefüllte Stadion mit einem 3:1-erfogl gegen Wales. „Ich habe die ersten 45 Minuten durchgespielt. In der Halbzeit bekam ich dann aus irgendeinem Grund Magenprobleme. Das war es dann für mich“, erzählt Lenz.

Neue Heimat: Seit Anfang Februar wohnt Christopher Lenz am Kieler Südfriedhof. „Von Berlin-Mitte nach Kiel-Mitte, das passt doch“, flachste Lenz in einem Gespräche mit den Kieler Nachrichten. 348 Kilometer liegen zwischen seiner Heimat und seiner neuen Bleibe. Kurz genug, um hin und wieder – wenn es der enge Trainingsplan erlaubt - Hauptstadt-Luft schnuppern zu können.

Trainer: René Tretschok ist für Christopher Lenz der Trainer mit dem größten Einfluss gewesen. „Unter ihm wurde ich Junioren-Nationalspieler. Er wurde kurz darauf Profitrainer bei der Hertha. Aber auch das Training bei Lucien Favre in Gladbach war sehr speziell und eine große Herausforderung. Aber das Gute war, dass ich immer etwas Neues gelernt habe.“

Träume: „Lange Zeit war es mein Traum, bei Hertha BSC Profi zu werden. Ich glaube, dass jeder gern in seiner Heimatstadt vor Familie und Freunden spielen würde. Dadurch, dass mein Vorbild immer Pavel Nedved war, bleibt Juventus mein absoluter Lieblingsverein“, sagt Lenz.

Urlaub: Lenz verbringt seine freien Tage am liebsten in der Berliner Heimat „Berlin bietet mir alles, da will  ich am Ende meiner Laufbahn auch wohnen“, schwärmt Lenz. Doch der 22-Jährige möchte die ganze Welt sehen. Tokio, Rio, Los Angeles, Las Vegas, Barcelona – schon jetzt hat Lenz viele Orte der Sehnsucht kennengelernt. Im Sommer 2017 würde er gern noch einmal den Westen der USA bereisen und dabei vor allem auch die abgelegenen Sehenswürdigkeiten besuchen.

Zukunft: Lenz stellt mehrere Überlegungen hinsichtlich seiner beruflichen Zukunft an. Das angestrebte BWL-Studium liegt momentan zwar auf Eis, aber mit abgeschlossenem Fachabitur stehen ihm alle Türen weiter offen. „Mein Vater ist im Baustoffhandel selbstständig und hat auch ein Restaurant. Er würde gern auswandern und ein Hotel eröffnen. So etwas könnte ich mir auch vorstellen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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