Aue will zurück in die 2. Bundesliga

Holsteins Gegner am Sonnabend um 14 Uhr

Die Elf aus dem Bergmannsrevier

Im Sturm gewinnst du Spiele, in der Abwehr gewinnst du Meisterschaften – diese verbreitete Fußballweisheit trifft zwar nicht ganz auf Erzgebirge Aue zu, aber wenn der Zweitligaabsteiger am Saisonende als Zweiter den Sturz nach nur einem Jahr wieder ausbügeln sollte, dürfte es allen am Sparkassen-Erzgebirgsstadion egal sein.  Trotz Knausern vorne und dank einem Bollwerk hinten sind die Veilchen auf Aufstiegskurs.

Im letzten Sommer wurde das Lösnitztal zum Tal der Tränen. Bis zur letzten Minute hatte Erzgebirge Aue am 34. Spieltag noch auf die Relegationschance gegen Holstein Kiel gehofft.  Ein 2:2-Unentschieden beim 1. FC Heidenheim reichte dem Team von Trainer Tomislav Stipic nicht, um das Wunder „Klassenerhalt“ zu schaffen. Da half auch die Aufholjagd in letzter Minute samt verwandeltem Foulelfmeter von Patrick Schönfeld (80.) und sensationellem Kopfballtor von Torwart Martin Männel (89.) nichts mehr. Der Abstieg traf den FCE hart. Statt einem Rekordetat von 12 Millionen Euro musste der Budgetplan auf gerade mal 6,5 Millionen runtergekürzt werden.

Die Goldenen 50er

Der Abstieg in die Drittklassigkeit schien ein Rückfall in die schweren Zeiten der bewegenden Klubhistorie. Immerhin war das „Schalke des Ostens“ aus dem erzgebirgischen Bergmannsrevier als BSG Wismut Aue in den 1950ern dreimal DDR-Meister geworden und hatte im Cup der Landesmeister – der heutigen Champions League – mitgewirkt. Über die Jahrzehnte verlor der Klub jedoch an Bedeutung und ging im vereinigten Deutschland zunächst in der Oberliga Nordost ins Rennen. Doch es wurde an den richtigen Stellschrauben gedreht und 2003 stieg der FC Erzgebirge Aue in die 2. Bundesliga auf. Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte währte vier Jahre, doch den Abstieg 2007/08 bügelten die Veilchen ähnlich souverän wieder aus, wie es 2015/16 der Fall zu sein scheint.

Dotchev sucht das Superteam

Obwohl der FCE in der letzten Sommerpause ohne Trainer und mit nur zwei Spielern dastand, ist man acht Monate später auf Wiederaufstiegskurs. Nach der Verpflichtung von Pavel Dotchev als Trainer wurde ein Spielercasting veranstaltet. Am Ende standen 20 Neuzugänge unter Vertrag und keiner wusste, wohin die Reise gehen würde. Doch das Puzzle aus gut ausgebildeten Talenten von zweiten Mannschaften der Bundesligaklubs und routinierte Recken mit höherklassiger Erfahrung setzte sich schnell zusammen. „Uns es ist schnell gelungen, ein Wir-Gefühl zu entwickeln. Und unser erstes Ziel ist erreicht: der Klassenerhalt. Jetzt können wir gelassener an die kommenden Aufgaben gehen“, zeigt sich Trainer Dotchev zufrieden.

FCE gefestigt

Das Erfolgsrezept: Minimalismus pur! Hinten das massivste Bollwerk in der Geschichte der 3. Liga. Nie hatte eine Mannschaft nach 26 Spielen weniger Gegentore (14) kassiert als Aue. Und vorne torgeizige Angreifer. Diese teilen ihre Treffer aber so geschickt auf, dass häufig ein 1:0 reichte, um drei Punkte einzufahren. Das Team ist so gefestigt, dass bei einer drohenden Pleite wie gegen Rot-Weiß Erfurt in letzter Minute noch der 2:2-Ausgleich gelingt. Die letzte Niederlage datiert wahrhaftig vom 23.10.2015. Damals setzte es eine unerklärliche 0:4-Klatsche bei Werder Bremen II und die Veilchen rutschten auf Rang 9 ab. Heute ist der FC Minimalismus Aue voll auf Aufstiegskurs. Doch die 3. Liga ist verrückt und in den verbleibenden neun Spielen können die Plätze 2 bis 7 noch mächtig durchgewirbelt werden. Sollte Aue scheitern, würde das Lösnitztal einmal mehr zum Tal der Tränen. 

Der hat das Sagen

Im Hinspiel gegen die KSV machte ihm sein Team nicht das Geburtstagsgeschenk in Form eines Dreiers. Dabei feierte Pavel Dotchev zwei Tage später seinen 50. Geburtstag. Aues Chefcoach blickt auf eine bewegte Karriere als Trainer und als Spieler zurück. 1994/95 kickte der ehemalige Verteidiger auch bei der KSV Holstein. Sein größter und bislang einziger Erfolg als Fußballlehrer war 2005 der Aufstieg in die 2. Bundesliga mit dem SC Paderborn. Kuriosum: Dotchevs Vertrag wurde nicht verlängert. Sollte dem gebürtigen Bulgaren die Wiederholung des Glanzstücks im Erzgebirge gelingen, wird an seinem Trainerstuhl nicht gesägt. Im Januar wurde der Kontrakt vorzeitig bis 2018 weiterdatiert.

Den kennen wir doch

Augenblick, der war doch schon letzte Woche hier! Ja, er sieht so aus. Ja, er heißt Breitkreuz. Aber nein, Ex-Storch Patrick Breitkreuz hat kein Zweitspielrecht für den FC Erzgebirge. Dafür ist Zwillingsbruder Steve eine ebenso feste Größe bei seinem aktuellen Klub. Der 24-Jährige ist aus der Defensive der Veilchen nicht wegzudenken. Nur ein Spiel versäumte der toreschießende (fünf Treffer) Innenverteidiger – aufgrund der 5. Gelben. Im Brüder-Vergleich war Steve eine Minute früher auf der Welt als Patrick – und könnte auch früher in der 2. Bundesliga ankommen. Während „Breite II.“ mit den Störchen den Aufstieg um Sekunden verpasste, ist „Breite I.“ mit Aue voll auf Kurs.

 

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