Als Sven Boy „Osna“ eroberte

Ex-KSV-Kapitän hat das Erfolgsrezept für Freitagabend parat

2006 siegte Sven Boy (re.) mit der KSV in Osnabrück

Am Freitagabend um 19 Uhr gastieren die Kieler Störche zum Top-Spiel der 3. Liga an der Bremer Brücke. Das Duell Störche gegen Lila-Weiß ist seit Jahrzehnten voller Brisanz, Rasse, Kampf und Emotionen. Einer, der weiß, wie man in der Höhle des Löwen bestehen kann, ist Holsteins Ex-Kapitän Sven Boy. "Svenner" trug von 2004 bis 2010 das blau-weiß-rote KSV-Trikot.

„Der ist ja nicht normal der Typ“, gab der verblüffte Osnabrücker Ordner nach dem Abpfiff der Regionalliga-Partie zwischen dem VfL und der KSV Holstein am 18. März 2006 an der Bremer Brücke einen anerkennenden Kommentar zur Leistung des Kielers Sven Boy ab. Die Art und Weise, wie Boy maßgeblich für die Wende im Schlagerspiel gesorgt hatte, war in der Tat bemerkenswert. Holstein musste unbedingt gewinnen, um die Chance auf den Zweitliga-Aufstieg zu wahren. Nach einer Stunde führten die Lila-Weißen mit 2:1 und der Spitzenplatz schien für die Neubarth-Elf außer Reichweite zu geraten.

"So geht das ab"

Doch Boy krempelte die Ärmel hoch und riss seine niedergeschlagenen Teamkollegen noch einmal mit. In der 67. Minute rammte er die Lederkugel nach einen Breitenreiter-Freistoß mit brachialer Gewalt zum 2:2 in die Maschen. Acht Minuten später steckte er die Enttäuschung eines von ihm verschossenen Strafstoßes mit schierer Willenskraft weg, als wäre nichts gewesen. Der Siegtreffer von Pavel Dobry drei Minuten vor dem Ende belohnte die Störche am Ende – das Tor zur 2. Bundesliga stand wieder speerangelweit offen. „So geht das hier ab bei Holstein“, schrie Boy nach dem fulminanten Kraftakt seine Freude in Richtung des mit rund 1000 Kieler Anhängern vollgepackten Fanblocks heraus.

Vorbildfunktion bei den Störchen

Auch wenn Holstein Kiel am Ende Rot-Weiß Essen und Carl-Zeiss Jena den Vortritt lassen musste, die Vorstellung von Boy an der Bremer Brücke war ein erstklassiges Beispiel für die Vorbildfunktion, die der heute 40-Jährige lange Jahre bei den Störchen und auch seinen anderen Stationen als Profifußballer inne hatte. Heute, sechs Jahre nach dem Ende seiner Karriere, blickt Sven Boy mit Zufriedenheit auf seine Zeit in der Fußballszene zurück. Patrick Nawe sprach mit dem einstigen Musterprofi, der während seiner Laufbahn zweimal den Aufstieg in die 1. Bundesliga feiern durfte, mit dem VfB Lübeck sensationell in das DFB-Pokal-Halbfinale einzog und bei Holstein Kiel jahrelang das Nonplusultra an Einstellung und Kampfkraft darstellte.

Boy im Gespräch

Moin Sven, bei Holstein Kiel hast Du insgesamt sechs Jahre verbracht…
Sven Boy:
Und ich komme heute immer wieder gern zurück. Ob als Experte für den NDR oder als Teil der Holstein Traditions-Elf. Oder auch einfach nur, um mit ehemaligen Wegbegleitern zusammenzusitzen und über alte Zeiten zu sprechen.

Wie bist Du ins Storchennest gekommen?
Damals, im Sommer 2004, wollte mich Stefan Böger nach dem  Abstieg des VfB Lübeck eigentlich für den Neuanfang in der Hansestadt halten. Nach vierwöchiger Bedenkzeit habe ich mich aber für einen Wechsel zu Holstein entschieden. Ich wollte einen Neuanfang. Und in Kiel wurde mir eine tolle sportliche Perspektive geboten und vor allem ein überzeugendes Konzept vorgestellt.

Mit Frank Neubarth sollte als Trainer ein Neuanfang gemacht werden ...
Richtig. Dazu wurden mit Jan Sandmann, Simon Henzler, Michael Molata und Pavel Dobry sehr gute Spieler nach Kiel gelockt. Leider hat es im zweiten Jahr mit dem Sprung in die 2. Bundesliga nicht geklappt, obwohl es sehr lange richtig gut aussah für uns. Nach dem Abstieg in die Oberliga im Sommer 2007 stand für mich schnell fest, dass ich mithelfen möchte, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Wir konnten unseren Plan einhalten, zwei Jahre später durften wir den Aufstieg in die 3. Liga feiern.

Am Freitagabend geht es für Holstein zum Top-Spiel an die Bremer Brücke. Du weißt, wie man dort siegen kann. Wie lautet Deine Prognose?
Osnabrück ist nach den letzten Negativerlebnisse sicherlich stark verunsichert. Das sollte Holstein nutzen. Kompakt stehen, gut kontern, Standards vermeiden und sich nicht von der Atmosphäre unter Flutlicht aus der Ruhe bringen lassen. Holstein hat die individuelle Klasse, an der Bremer Brücke einen Dreier mitzunehmen.

Wie lautete 2006 Eure Erfolgsformel?
Für uns war damals der Teamspirit der alles entscheidende Faktor. Wir standen alle zusammen, wollten auf Teufel komm raus gemeinsam siegen. Das hat kurz vor dem Ende dann auch geklappt und war enorm wichtig für unsere Moral. Wenn wir in Osnabrück  bestehen können, dann können wir überall bestehen, so dachten wir damals.

Also dürfen sich die Störche am Freitag von nichts und niemand beirren lassen?
So kann man es sagen. Holstein sollte das Publikum nicht zu nah an sich ranlassen und die Druckphase zu Spielbeginn überstehen. Die KSV muss das Publikum mit seiner Spielweise verblüffen und aufbringen. Dann ist alles möglich. Und mit einem Dreier in Osnabrück würde es so richtig losgehen mit der Saison!

Wir danken Dir für das Gespräch, Sven. Wir sehen uns an der Bremer Brücke und im Holstein-Stadion.

 

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