Abgesang eines Gründungsmitglieds

Sa. 14 Uhr: Holstein Kiel - VfB Stuttgart II

Abstieg und Klassenerhalt liegen am kommenden Samstag unmittelbar nebeneinander. Wenn der VfB Stuttgart II nicht gegen Holstein Kiel gewinnt, lösen die Störche das Ticket für ein weiteres Jahr 3. Liga, während die Gegner der Schwaben in der Regionalliga Südwest bald Kickers Offenbach, 1. FC Saarbrücken und Hessen Kassel heißen werden. Lange Zeit galt die VfB-U23 als die beste Profireserve Deutschlands, doch nach acht Jahren 3. Liga kann der Mannschaft von Trainer Walter Thomae nur noch ein großes Fußballwunder helfen.

Insgesamt 48 Vereine spielten seit ihrer Gründung im Jahr 2008 in der 3. Liga. Viele stiegen auf, einige kamen wieder, andere stiegen ab und verschwanden in den Niederungen der Regionalliga. Aber alle acht Spielzeiten (einschließlich der aktuellen) absolvierten nur zwei Mannschaften. Der FC Rot-Weiß Erfurt und der VfB Stuttgart II. Den Schwaben eilte über Jahre der Ruf voraus, die beste deutsche Nachwuchsmannschaft zu sein. Wie jedes Jahr wollte die Bundesliga-Reserve den Klassenerhalt so früh wie möglich sicherstellen. Doch das Unterfangen misslang. Im Saisonfinale ist der Talentschuppen auf ein nahezu unmögliches Unvermögen der Konkurrenz angewiesen. Der Absturz in die Viertklassigkeit kann schon am Samstag – zwei Spieltage vor Saisonende – besiegelt werden.

Kramny zu den Profis

Über vier Jahre leitete Jürgen Kramny die Geschicke des VfB Stuttgart II. Am 23. November des vergangenen Jahres wurde der Ex-Profi in die Bundesliga befördert. Kramnys letztes Spiel auf der Bank der VfB-Bubis war ausgerechnet die Wasserschlacht gegen Holstein Kiel samt 1:3-Pleite in der heimischen GAZI-Arena. Durch die Niederlage rutschten die Weiß-Roten wieder auf einen der Abstiegsränge, die sie seitdem nicht verlassen haben. Nach 35 Spieltagen hält man seit Wochen konsequent die Rote Laterne. Immerhin konnte Kramny seine neue Elf in der Bundesliga-Elf zwischenzeitlich aus dem Tabellenkeller führen, auch wenn es für den Erstligisten im Saisonendspurt noch einmal mehr werden könnte.

Meisten Niederlagen

Kramnys Nachfolger Walter Thomae kann keine Positiventwicklung vorweisen. Vor allem der Start ins Jahr 2016 wurde mit sechs Spielen ohne Sieg verschlafen. Dann schlug die Stunde von Ex-Nationalspieler Cacau, dessen Tore plötzlich acht Punkte aus vier Partien einfuhren. Doch die Hypothek der meisten Niederlagen in der 3. Liga (18) wiegt schwer. In der letzte Woche glitt dem Bundesliganachwuchs der wohl letzte Strohhalm durch die Finger, als man gegen den Tabellenvorletzten aus Cottbus mit 0:1 unterlag. Zwar hatte der FC Energie große Mühe, wütende Angriffe der Schwaben abzuwehren. Am Ende der Zitterpartie stand dann aber doch die Null auf Seiten des VfB II.

Stuttgarter Talentschuppen

Sollte die Bundesligareserve nach acht Jahren tatsächlich absteigen, würde man viele Akteure oberhalb der Regionalliga wiedersehen. Borys Tashchy hat bereits einen Profivertrag beim VfB unterschrieben. U19-Nationalspieler Max Beschuschkov wird wie den beiden Mittelfeldmotoren Mart Ristl und Arianit Ferati eine glorreiche Zukunft vorausgesagt, wie sie bereits viele verwirklicht haben. Immerhin begannen bei Stuttgarts U23 die Karrieren der Nationalspieler Christian Träsch, Sebastian Rudy, Antonio Rüdiger und Bernd Leno. „Die 3. Liga war und ist für unsere Talente das optimale Sprungbrett. Im Falle eines Abstiegs würden wir nicht mehr so intensiv gefordert“, prophezeit Trainer Thomae, der womöglich schon am Samstag Klarheit über diesen Sachverhalt haben wird.

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