Pokal-Marathon gegen Stuttgarter Kickers

Historie: Störche unterlagen nach 210 Minuten

Jochen Aido 1975 gegen die Kickers

Heute Abend um 19 Uhr treffen im GAZI-Stadion auf der Waldau mit den Stuttgarter Kickers und Holstein Kiel zwei alte Bekannte aufeinander. Bereits 1975 gab es zwei denkwürdige Begegnungen beider Teams im DFB-Pokal.

Ungewisse Zukunft

Finanzielle Probleme zwangen Holstein nach vergeblichen Aufstiegsversuchen in die neue 2. Liga Nord Mitte der 70er Jahre zum Verkauf des vereinseigenen Stadions an die Stadt Kiel. Auch der Kader musste aufgrund eines Generationswechsels und angesichts der finanziellen Engpässe runderneuert und verjüngt werden. Altgediente Recken wie Torwart-Urgestein Klaus-Hansen Kohlmorgen, Ebbi Gräf, Sigi Saborrosch und Sönke Koch hatten die Störche verlassen, junge Talente wie Ralph Mahlich, Klaus Poetzke, Stefan Dietrich oder auch die beiden Tönsfeldt-Brüder rückten nach. Aus dem alten Kader blieben eigentlich nur die drei Stammkräfte Thomas Thiel im Tor, Jochen Aido und Herbert Dohrn sowie der junge Thorsten Neumann. Viele prognostizierten Holstein damals den Abstieg in die Viertklassigkeit.

Pokalfieber und Wiederholungsspiel

Am 1. August 1975 gastierten die Störche in der 1. Runde des DFB-Pokals, für den sie sich als einer der ranghöchsten Vertreter des Landes qualifiziert hatten, bei den Stuttgarter Kickers auf der Waldau. Das Team aus Degerloch hatte sich 1974 direkt für die neue, zweigleisige 2. Liga qualifiziert. Vor 2500 Zuschauern sorgte Horst Haug kurz vor der Pause per Foulelfmeter für das 1:0 der Platzherren. Doch Holstein kam nach der Pause zurück, markierte durch Harry Witt in der 78. Minute den verdienten Ausgleich. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung gab es keinen Sieger und im Duell Nord gegen Süd musste, dem damaligen Pokalmodus entsprechend, ein Wiederholungsspiel die Entscheidung bringen.

Störche im „neuen“ Nest

Das Holstein-Stadion stand den Störchen im Rückspiel allerdings nicht zur Verfügung. Die Stadt Kiel hatte als neuer Besitzer die dringend notwendige Sanierung der Einrichtung des Holstein-Stadions, die Verlegung eines neuen Rasens und die Ausstattung des Fögeplatzes mit einer Beleuchtungsanlage eingeleitet. Die Bauarbeiten zwangen die Störche daher für mehrere Wochen zu einem Umzug an die Kieler Waldwiese. Der VfB Kiel half auf sportkameradlicher Weise, die ärgsten Terminprobleme aus dem Weg zu räumen. Somit konnten mehr als 1000 Zuschauer bei tropischer Hitze den Saisonauftakt ihrer Störche in der Amateuroberliga Nord gegen Eintracht Nordhorn an der Hamburger Chaussee verfolgen. Und auch das Rückspiel gegen die Kickers fand an der altehrwürdigen Waldwiese statt.

Geburt einer Mannschaft

Am 14. August 1975 pfiff Schiedsrichter Hans-Werner Leyding die Partie vor 4000 Zuschauern im „neuen“ Nest an. Und schon nach 25 Minuten durften die Kieler Fans nach dem Tor von Ralph Mahlich jubeln. Eigentlich lief alles zugunsten der Kieler, doch bereits nach einer halben Stunde egalisierte der Stuttgarter Karl-Heinz Schroff die Holstein-Führung und traf zum 1:1. Noch schlimmer kam es in der 69. Minute, denn Wayne Cegielski – er spielte zuvor bei Northampton Town FC in England - sorgte für das Stuttgarter 2:1 und die Entscheidung zugunsten der Schwaben. Die Pokalträume der Störche waren also nach 210 Minuten bereits ausgeträumt und die Holstein-Fans blickten einer schweren Saison entgegen. Am Ende der Saison 1975/76 stand unter Trainer Werner Bannasch - von Februar 1974 bis August 1976 im Amt - jedoch der Klassenerhalt und der Umbruch war gelungen. Bereits in der Saison 76/77 erlebten Fans und Verantwortliche einen schier unglaublichen Höhenflug ihrer Störche, der mit dem erstmaligen Einzug in die Zweitliga-Aufstiegsrunde endete. Aber das ist eine andere Geschichte….

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