„Munki“ feiert 90. Geburtstag

Holsteins Leichtathletik-Legende Willi Sommer

Willi Sommer feiert seinen 90. Geburtstag

Als sich gegen Ende des Jahres 1945 einige beherzte Leichtathleten am Holsteinplatz zusammenfanden, wurde an einem winterkalten Abend wieder eine Leichtathletik-Abteilung im Storchennest ins Leben gerufen. Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg - in der Zeit der Not, des Hungers und der Resignation - wurde das Fundament einer echten Erfolgsstory gelegt. Das entschlossene Anpacken der wenigen verbliebenen Unentwegten und die Aufgeschlossenheit aller Führungskräfte im Verein waren die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Neuanfang im Verein – auch in der Leichtathletik.

Es fanden sich ältere Wettkämpfer, die aus Liebe zur Sache die Nagelschuhe noch einmal angezogen hatten und mithalfen, die Jugend wieder zu gewinnen und zu begeistern. Jeder gab sein Bestes, und das damalige Durchhalten aller Mitstreiter, für die Opfer und Entbehrungen an der Tagesordnung standen, war die Grundlage dafür, dass die KSV in der Zeit von 1946 bis 1966 unangefochtene Nummer 1 in Sachen Leichtathletik in Schleswig-Holstein war. Nicht selten kamen 5.000 Zuschauer zu den Laufveranstaltungen auf den Holsteinplatz. Die Erringung von Meistertiteln, jede Menge gute Platzierungen bei der „Deutschen“ und eine große Anzahl von Landesmeistertiteln machten Holstein auch aufgrund seiner Läufer zu einem der stärksten und beliebtesten Vereine im ganzen Norden. In den Jahren des Neubeginns machte sich das Kieler Sportidol Willi „Munki“ Sommer (geb. 23. Januar 1926) einen Namen. Der nur 1,60-m große Athlet mit ausgeprägter Muskulatur war so etwas wie ein Pionier der Nachkriegs-Leichtathletik in Kiel. Auch heute strotzt Willi Sommer noch vor Kraft, auch wenn er sich seit einigen Jahren aus dem aktiven Sport zurückgezogen hat. „Munki“, wie ihn Holsteins Leichtathletik-„Chef“ Christian Martens in den 40er Jahren „taufte“, erfreut sich eines bewegten Ruhestandes. Und so viel Zeit wie nur möglich verbringt der Vater zweier Töchter in seinem Ferienhaus am Meer.

Ein Kieler Sport-Idol

Kurvenflitzen und Saltos waren seine Spezialität und machten ihn zu einem Idol der Kieler Leichtathletik-Szene. Ursprünglich aus dem Dorf Hasenkrug bei Bad Bramstedt stammend, nahm er bereits mit zehn Jahren an einem 1500-m-Lauf gegen 30 andere 18-jährige Läufer teil und erreichte barfuß (!) den dritten Platz. Im Ziel legte er einen Salto hin – da hatte er seinen Ruf weg. Den Namen Kurvenflitzer erhielt er allerdings erst später bei Holstein Kiel, da er vor allem in den Kurven immer mächtig Dampf machte. Auf jeden Fall gehörte er damals unter den rund 400 Holstein-Leichtathleten zu den herausragenden Sportlern.

200 Meter auf der Autobahn

Seinen größten Erfolg feierte er 1948 bei der Deutschen Meisterschaft in Nürnberg. Nach 30-stündiger Anfahrt sicherte er sich nach fulminantem Schlussspurt mit der 4x400-m-Staffel der KSV die Deutsche Vizemeisterschaft. Auf der Rückfahrt gab es einen denkwürdigen Lauf auf der Autobahn. „Munki“ erinnert sich: „Ja, das war schon ungewöhnlich. Bei Bad Kissingen mussten wir eine Pause einlegen, weil der Motor unseres Reisebusses überhitzt war. Da kamen zwei US-Amerikaner und forderten mich zum 200-m-Lauf heraus. Wir sind dann auf der Autobahn um eine Flasche Sekt gelaufen. Ich habe deutlich gewonnen, die Amerikaner sind beleidigt in ihrem LKW verschwunden und den Sekt habe ich auch nicht bekommen (lacht!). Solche Fahrten zu Meisterschaften waren immer toll.“ Doch Willi Sommer hat natürlich noch weitere tolle Geschichten zu erzählen: „Unvergessen bleibt ein Lauf am Rothenbaum 1947. Fünf Tage nach der Deutschen Meisterschaft habe ich den amtierenden 400-m-Titelträger Hans Hicke  deutlich geschlagen. Ein großes Erlebnis war auch das Sportfest im Gefangenenlager bei Lüttich. Am 30. September 1945 habe ich hinter Stacheldraht den 800-m-Lauf gewonnen, die Urkunde habe ich heute noch.“

Happy Birthday!

Heute, am 23. Januar 2016, feiert Willi Sommer seinen 90. Geburtstag und die Holstein-Familie gratuliert dem Urgestein. Auch Vereinspräsident Roland Reime übermittelte dem Jubilar heute seine Glückwunsche. Happy birthday, lieber „Munki“!

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