Olympia: "Drachentöter" holt Bronze für Holstein

Holstein-Olympionike Uwe Beyer als Drachentöter

Derzeit flimmert rund um den Globus der Sport über alle Bildschirme. Nach der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich ziehen nun die Olympischen Spiele am Zuckerhut die Zuschauer in ihren Bann. Aber dass auch die traditionsreiche KSV Holstein einige Kapitel Olympia in ihrer Historie vorzuweisen hat, das mag so manchen jüngeren Kieler Fan überraschen.

Leichtathletik bei Holstein

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in den Sommermonaten, wenn nicht Fußball gespielt wurde, intensiv Leichtathletik betrieben. Robert Pasemann, ein zweifacher Deutscher Meister im Hochsprung und Stabhochsprung (1909 und 1910), gehörte zu den Stars der Kieler Leichtathletikszene. 1912, im Meisterjahr der Holstein-Fußballer, startete Pasemann – inzwischen im Trikot des Berliner SC – bei den Olympischen Spielen in Stockholm.

Olympischer Fußball

Im gleichen Jahr feierten drei Holsteiner ihre Olympiapremiere. Während die Torwartlegende Adsch Werner, der von 1900 bis 1923 die unbestrittene Nummer 1 in Kiel war, gegen Russland und Ungarn zwischen den Pfosten stand, durften auch Hans Reese (gegen Russland) und Georg Krogmann (Ungarn) in Schweden olympische Luft schnuppern.

Blau-weiß-rote Segel

Vereinsmitglied Dr. Hans Lubinus nahm sogar dreimal an Olympischen Spielen statt. Auch wenn es nie eine Segelsparte bei der KSV gab, startete Lubinus für Holstein. In Kiel (1936), Melbourne (1952) und Helsinki (1956) vertrat er die Vereinsfarben in internationalen Gewässern. Kugelstoßerin Dorle Kreß (1952 in Helsinki) und Weitspringer Hans-Helmut Trense (1964 in Tokio) gehörten ebenfalls zu den Olympia-Teilnehmern, kamen aber nicht an die Erfolge des besten Holstein-Olympioniken aller Zeiten heran.

Uwe Beyer

Besonders hervorzuheben ist natürlich Hammerwerfer Uwe Beyer, der bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio als 18-Jähriger die Bronzemedaille für Deutschland gewann und dafür von Bundespräsident Heinrich Lübke ausgezeichnet wurde. Auch 1968 in Mexico und 1972 in München - inzwischen für den U.S.C. Mainz startend - war Beyer mit dabei. Seine Trainingseinheiten pflegte Beyer auf dem Gelände der Universität oder auf dem Fögeplatz hinter dem Holstein-Stadion zu absolvieren. Aufgrund seiner Medaille von 1964, den insgesamt drei Olympia-Teilnahmen, 25 Länderkämpfen sowie seinen fünf deutschen Meisterschaften für die KSV (1964 bis 1968) gilt Beyer noch immer als erfolgreichster Sportler der Holstein-Historie. Der in den letzten Kriegstagen 1945 in Kiel geborene Beyer war ein Kraftprotz mit Gardemaßen: 1,91 m groß und 110 Kilogramm schwer. 1966 spielte Beyer sogar in einem zweiteiligen Kinofilm „Die Nibelungensage“ den Drachentöter Siegfried – ein Riesenerfolg. Tragischerweise erlag Uwe Beyer 1993 im Alter von 48 Jahren einem Herzinfarkt. Eine Spätfolge seiner 1981 eingestandenen Einnahme leistungsfördernder Substanzen, so wird es vermutet.

Erinnerungen

Seit der Fusion zur KSV Holstein im Jahre 1917 baute die Leichtathletik ihren hohen Stellenwert aus und bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden gute Platzierungen bei den deutschen Meisterschaften errungen sowie viele Titel bei den Landesmeisterschaften gewonnen. 1927 begann der Verein, im Zuge des Generalumbaus des Holsteinplatzes eine Aschenbahn für die Leichtathleten zu bauen. Viele Sportler kamen so wegen der allgemein bekannten, guten Aschenbahn zu Wettkämpfen nach Kiel. Tausende von Zuschauern verfolgten die Wettbewerbe auf dem Holsteinplatz. Erst in den 1970er Jahren sank allmählich das Interesse an der Leichtathletik-Abteilung und sie löste sich später auf. 2006 verschwand dann mit dem Umbau des Holstein-Stadions die Aschenbahn, an die sich zahlreiche Holsteiner aufgrund ihrer Fußball- oder Leichtathletik-Vergangenheit in Blau-Weiß-Rot noch lebhaft erinnern werden.

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