Die 60er und 70er Jahre

1963 verpasste Holstein die neue Bundesliga und musste fortan auf die Zuschauerhits gegen den Hamburger SV verzichten. Es wurde ruhiger im Holstein-Stadion. Als die Störche 1965 auf dem Sprung in die Bundesliga standen, wurde allerdings ernsthaft über einen Stadionausbau auf 38.000 Plätze nachgedacht. Doch der Meister der Regionalliga Nord scheiterte in der Aufstiegsrunde an Borussia Mönchengladbach. Die Gedanken an ein neues Stadion konnten wieder zu den Akten gelegt werden, da die sportlichen Zeichen der Störche im weiteren Verlauf der sechziger Jahre deutlich nach unten wiesen. Baumaßnahmen waren nun selten: 1957 war bereits mit einem Freundschaftsspiel gegen Fortuna Düsseldorf eine Flutlichtanlage eingeweiht worden, und 1965 erfolgte die längst fällige Umbenennung von Holsteinplatz in Holstein-Stadion.

Jahrelang schlummerte die Holstein-Arena anschließend vor sich hin. Lediglich Ausbesserungsarbeiten wurden vorgenommen, hier und dort ein wenig Farbe aufgetragen. Zugleich entwickelte sich das vereinseigene Stadion jedoch zu einem finanziellen Hemmschuh für die Störche. Aufgrund des wirtschaftlichen Dauerengpasses musste der vereinsinterne Sport- und Bauzuschuss 1970 sogar die Vereinsmitglieder auffordern, „an der Überholung und Reinigung unserer Sportanlagen mitzuwirken“. Im nächsten Jahr ereilte die KSV Holstein der nächste Schicksalsschlag: Eine Windhose richtete Schäden in Höhe von 40.000 Mark an. Die Zukunft sah düster aus.
Seine inzwischen existenzbedrohende Finanzlage zwang den Verein schließlich, das Areal an die Stadt zu verkaufen. Im Februar 1973 gaben die Mitglieder „grünes Licht“. Das Holstein-Stadion wechselte den Besitzer, und die KSV Holstein konnte stolz „schuldenfrei“ verkünden. Ein Jahr später herrschte jedoch schon wieder Tristesse, denn die neugewonnene finanzielle Bewegungsfreiheit war für Spielergehälter draufgegangen – dennoch hatte es nicht zum ersehnten Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord gelangt.

Unter Obhut der Stadt Kiel rollten schließlich 1975 erstmals wieder Baufahrzeuge an, es erfolgte eine Generalüberholung. Holstein, inzwischen nach der Gründung der 2. Liga in die Drittklassigkeit abgerutscht, durfte sich erst wieder in der Saison 1976/77 über ein gesteigertes Zuschauerinteresse freuen. Unter der Regie von Gerd Koll setzte eine mit Eigengewächsen gespickte Störche-Elf zum Höhenflug an. 8.000 Zuschauer gegen Concordia Hamburg, 8.179 gegen Preußen Hameln und sogar 12.181 beim Erfolg gegen Bremerhaven 93 stellten dabei alle bisher in der Amateuroberliga Nord registrierten Besucherzahlen in den Schatten. Am Ende erreichte Holstein sogar die Aufstiegsrunde. Doch der Sprung nach oben gelang erst ein Jahr später. Über 12.000 Zuschauer sorgten am 17. Juni 1978 für Volksfeststimmung und feierten nach einem 1:0-Sieg gegen Wacker Berlin den neuen Kieler Fußball-Zweitligisten frenetisch.

Nach dem Aufstieg der Störche in die 2. Bundesliga 1978 wurden vor der Tribüne zusätzliche Sitzbänke aufgebaut sowie eine verbesserte Flutlichtanlage installiert. Im ersten Jahr in der neuen Spielklasse avancierte Holstein neben Zweitliga-Meister Bayer Leverkusen mit 8.157 Zuschauern im Durchschnitt zum Kassenschlager. 13.000 Zuschauer beim 2:1-Sieg gegen den FC St. Pauli, 14.000 Besucher gegen Rot-Weiß Essen (2:2), 14.000 Fans auch im DFB-Pokal gegen den Karlsruher SC (5:2) und die Rekordmarke von 15.000 Anhängern gegen Hannover 96 (2:1) – Holstein war für seine begeisterungsfähigen Fans bekannt und vom Gegner gefürchtet. „Dieses Publikum treibt die eigene Mannschaft vehement nach vorn. Glücklich der Verein, der diese Massen hinter sich hat“, zeigte sich St. Pauli Coach Sepp Piontek nach dem Gastspiel der Kiez-Kicker an der Förde angetan von der Atmosphäre im Holstein-Stadion.